Transkript:
Ralf: Eltern wollen die Kinder aus Liebe schützen und verbieten deshalb beispielsweise WhatsApp und müssen dann unter Umständen aus Liebe auf einmal alles erlauben. Wenn sie feststellen, dass die Einschränkungen für das Kind dann doch zu drastisch war.
Ralf: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge "Was mit Medienerziehung". Dem Podcast von Smiley e.V.. In diesem Podcast diskutieren wir über unsere Erlebnisse und Erfahrungen aus Workshops mit Schulklassen zum Thema Mediennutzung und dass Eltern Veranstaltungen und Fortbildungen für Fachkräfte zum Thema Medienerziehung. Mein Name ist Ralf Willius.
Moritz: Mein Name ist Moritz Becker.
Ralf: Und heute ist der 29. Juni 2026 und diese Folge ist die letzte Folge vor der Sommerpause. Wir beginnen wie immer mit der Frage nach den Rückmeldungen zur letzten Folge
Moritz: Ich hatte nach der letzten Folge so ein bisschen ein schlechtes Gewissen, weil ich da am Ende so rumgepöbelt habe, was unseren Umgang mit Pornografie in der pädagogischen Arbeit angeht. Im Prinzip habe ich ja behauptet, dass wir da seit Jahren einfach wahnsinnig viel schlechte Prävention machen und dass es dann immer regelmäßig so Aufreger gibt wie jetzt meinetwegen im Moment die Doku "Generation Porno". Was dann dazu führt, dass dann zwar alle drüber sprechen, aber sich in der pädagogischen Arbeit nicht wirklich viel ändert. Und ich glaube, dass die ganzen Phänomene und das habe ich ja auch gesagt, das ist alles nicht so neu, aber es wird dann immer so getan, als wäre das jetzt so neu und wir kommen einfach nicht in Gang. Und uns wurde zurückgemeldet, dass das inhaltlich dann wohl doch so ganz okay war und dass es aber schon so ist, wie wir auch überlegt haben, dass man da vielleicht einfach mal eine ganze Folge zum Thema Umgang mit Pornografie machen sollte.
Ralf: Und das haben wir im Prinzip auch angedacht.
Moritz: Und dann ist auch Zeit für Strategien, wie Eltern und Fachkräfte mit dem Pornokonsum von Kindern Jugendlichen umgehen können.
Ralf: Und was machen wir heute?
Moritz: Ich möchte ganz am Ende noch mal ganz kurz eingehen auf die Empfehlungen der Kommission, die sich da jetzt auseinandergesetzt haben mit Social Media Verboten oder Altersbeschränkungen in Deutschland. Aber das Hauptthema finde ich ganz wichtig. Ich möchte mit dir über die Smartphones von Kindern nach den Sommerferien in den fünften Klassen sprechen bzw Klassenchats.
Ralf: Oh, das ist auch gerade mein Thema, weil ich gerade ganz viele Elternabende zum Thema, wo Eltern in Grundschule gerade für diese Überlegung stehen, was nach den Sommerferien los sein wird.
Moritz: Genau. Ich habe mich in den letzten Tagen und Wochen sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt, weil ich ein neues Angebot entwickelt habe. Und da haben wir jetzt gerade am vorletzten Wochenende Teamerinnen und Teamer geschult, die dann zukünftig mit uns zusammen in fünfte Klassen gehen werden, um Workshops durchzuführen.
Ralf: Vielleicht kannst du das Angebot ganz kurz einmal erklären, dass die Hörerinnen und Hörer wissen, wie wir da mit Schulklassen arbeiten.
Moritz: Genau.
Ralf: Und vielleicht auch, was das Besondere an dem Angebot für fünfte Klassen ist.
Moritz: Genau. Wir starten dieses Jahr nach den Sommerferien mit diesem neuen Angebot. Und zwar wollen wir mit den fünften Klassen in den ersten Tagen nach den Sommerferien in so einem Workshop klären, was man alles berücksichtigen muss, wenn man einen Klassenchat gründet. Und ich wollte das eigentlich schon immer machen, so ein Projekt. Und wir haben jetzt durch eine Förderung der Stiftung Sparda Bank Hannover die Möglichkeit, tatsächlich auch dort unser Team zu erweitern und Menschen auszubilden. Und unsere Idee dabei ist, dass man diesen Workshop gleich zu Beginn des Schuljahres durchführt, bevor die Kinder die ersten negativen Erfahrungen mit Klassenchats machen konnten.
Ralf: Und ein Argument war ja auch, dass die fünften Klassen zu Beginn des Schuljahres noch gar keine echte Klassengemeinschaft sein können, weil man sich ja gerade mal wenige Tage kennt und auf diese Weise es noch mal schwieriger ist, einen gemeinsamen Chat. Sich da zurechtzufinden. Das Risiko, dass man sich falsch versteht, ist zum einen auch noch mal viel größer und zum anderen, wenn es dann zu Konflikten kommt, ist es auch noch mal viel problematischer, weil man wie gesagt diese Gruppe noch gar nicht richtig kennt. Diesen Konflikt dann zu klären oder zu umgehen.
Moritz: Und das macht die fünften Klassen tatsächlich so besonders. Dazu kommt, dass die Lehrkräfte im Prinzip die ersten Wochen oder Monate in den fünften Klassen vor allem dazu brauchen, um, wie du sagst, erst mal eine funktionierende Klassengemeinschaft aufzubauen. Es bilden sich dann so die üblichen Rollenverteilungen, die es in Lerngruppen vielleicht sogar geben muss. Es Das rüttelt sich alles so zusammen. Und wenn jetzt im Rahmen von Sozialtraining die Lehrkraft viel Zeit und Energie investiert, um ein positives Miteinander in der Klasse zu initiieren, wird das unter Umständen wieder alles zerstört. Wenn es dann nachmittags im Chat irgendwelche Konflikte gibt, die dann eskalieren.
Ralf: Das, was wir in den sechsten Klassen thematisieren, ist oft eher so eine Perspektive. Wie kriegt man das hin, den positiven Umgang innerhalb der Klassengemeinschaft auch online zu leben. Und das setzt in gewisser Weise Erfahrungen mit Klassengemeinschaft online und offline halt auch voraus. In den fünften Klassen sind einige Kinder noch sehr, haben sehr wenig Erfahrungen im Bereich Chatten.
Moritz: Es sind auch immer Kinder dabei, die schon in der dritten Klasse oder der vierten Klasse WhatsApp haben und über einiges an Erfahrungen verfügen.
Ralf: Genau darauf wollte ich gerade hinaus. Du hast in den fünften Klassen Kinder, die haben, wie du gerade gesagt hast, schon Erfahrung im Chat und vielleicht auch sogar mit Klassenchats, während andere unter Umständen ihr erstes Smartphone mit dem Schulwechsel bekommen haben und so gesehen dann erst anfangen. Und das ist in den sechsten Klassen. Ist das tatsächlich anders.
Moritz: Ja, und man darf auch nicht die Kinder vergessen, die nach dem Schulwechsel kein eigenes Smartphone haben oder wo die Eltern vielleicht auch nicht wollen, dass das Kind WhatsApp nutzt. Also in den meisten Fällen sind es WhatsApp Klassenchats, das muss man ganz klar sagen. Und das macht es dann unter Umständen sehr anspruchsvoll. Wenn dann einzelne Kinder nachmittags in einem Klassenchat, meinetwegen bei WhatsApp ganz viel kommunizieren und das, was dann nachmittags besprochen wird, wird dann am nächsten Morgen in der Schule weiter diskutiert. Und die Kinder, die dann nicht dabei sein können oder nicht dabei waren, die haben dann unter Umständen das Gefühl, sich in die neue Klasse gar nicht richtig integrieren zu können.
Ralf: Naja. Zumindest nicht ohne WhatsApp.
Moritz: Zumindest ist das der Eindruck. Also ich finde ganz wichtig, dass es absolut falsch wäre zu sagen, dass Kinder ohne WhatsApp automatisch zu Außenseiterin oder Außenseitern werden, wenn alle anderen WhatsApp haben. Das ist oft ein Argument für Eltern, die ihren Kindern eigentlich nicht zutrauen, WhatsApp zu nutzen, aber dann aus Angst vor diesem Mechanismus ganz plötzlich sagen Ah, okay, dann kriegst du WhatsApp.
Ralf: Ja, vor allen Dingen finde ich das plötzlich interessant, von dem du gerade sprachst. Da haben sich Eltern vorgenommen, mit WhatsApp noch zu warten und dann knicken sie plötzlich ein.
Moritz: Ja, aber dieses Einknicken ist vom Begriff her.
Ralf: Es ist in gewisser Weise kapitulieren. Eltern nehmen sich vor, dass das Kind vielleicht erst mit zwölf WhatsApp nutzen soll und sagen das dem Kind vielleicht auch genau so.
Moritz: Genau so? Was meinst du damit?
Ralf: Ich kann mir vorstellen, dass es Kinder in den vierten Klassen gibt, die jetzt vor den Sommerferien ihre Eltern fragen, ob sie nach den Sommerferien auch ein Smartphone bekommen und WhatsApp nutzen dürfen. Und ich glaube, das ist in ganz vielen Familien einfach so üblich ist ein Smartphone zum Schulwechsel zu bekommen. Und das spricht sich dann rum und alle sagen Och, voll cool, ich kriege jetzt in den Sommerferien mein erstes Smartphone. Andere, die schon ein Smartphone haben oder auch WhatsApp schon benutzen, sagen dann vielleicht auch, dass sie sich freuen, dass man dann mit denen kommunizieren kann, was auch immer. Und jetzt stelle ich mir vor, dass Eltern sich vorgenommen haben, dass nach den Sommerferien eben kein WhatsApp erlaubt sein wird, sondern erst wenn das Kind zwölf ist. Dann werden sie das dem Kind gegenüber so vertreten und vielleicht auch begründen mit Datenschutzbedenken. Oder dass man sich Sorgen macht, dass es da unter Umständen zu Mobbing kommt. Oder dass das Kind einfach viel zu viel Zeit am Smartphone verbringen. So in diese Richtung halt.
Moritz: Und dann ist das Kind enttäuscht.
Ralf: Nein, nein. Das muss ja gar nicht unbedingt enttäuscht sein. Es kann ja auch sein, dass das Kind das alles voll nachvollziehen kann und sagt Ja, stimmt. Ich finde es auch bei Freundinnen oder Freunden total doof, dass die immer am Smartphone sind und ganz viel Zeit online verbringen, wenn wir eigentlich verabredet sind. Und es ist ja nicht so, dass zwangsläufig alle Kinder ein Smartphone haben wollen oder WhatsApp und die Eltern immer so die Doofen sind, die es verbieten.
Moritz: In der fünften Klasse?
Ralf: Naja, ich rede von der Zeit vor den Sommerferien.
Moritz: Okay, das stimmt. Ich glaube auch, dass es Kinder gibt, die nachvollziehen können, aus welchen Gründen die Eltern ihnen kein WhatsApp erlauben werden. Also vielleicht haben manche Kinder auch vor den Sommerferien gar nicht das Gefühl, dass ein Smartphone oder WhatsApp so wahnsinnig wichtig sein kann. Also wenn ein Kind jetzt beispielsweise seine ganze Grundschulzeit überwiegend offline verbracht hat und alle Freundinnen und Freunde auch kein eigenes Smartphone haben, kann ich mir vorstellen, dass das Kind dann auch einfach sagt, das ist zwar ein Schulwechsel, aber warum sollte ich dann unbedingt ein Smartphone brauchen?
Ralf: Ich glaube, dass es Kinder gibt, bei denen es genauso ist. Aber es gibt bestimmt auch welche bei denen, die das nicht nachvollziehen können und dann vielleicht auch traurig sind, wenn sie mitkriegen, dass alle anderen nach den Sommerferien ein Smartphone bekommen, nur sie nicht. Ich finde es an dieser Stelle gar nicht so wichtig. Ich finde einfach nur wichtig, dass die Eltern dem Kind deutlich machen Du wirst nach den Sommerferien kein Smartphone bekommen.
Moritz: Wie du gerade überlegt hast, wird es Kinder geben, die dann sagen okay, ist halt so kein Problem.
Ralf: Ja, und manche werden es aber auch vielleicht problematisch finden. Aber das ist gar nicht so wichtig. Finde den Moment interessant, den du gerade beschrieben hast, dass dann nach dem Schulwechsel auf einmal die Situation für alle Beteiligten ganz anders ist. Das heißt, vor den Sommerferien sind Eltern davon ausgegangen, das Kind braucht kein Smartphone mit dem Schulwechsel und braucht auch kein WhatsApp in der neuen Klasse, also in der fünften dann. Das Kind fand das vielleicht sogar nachvollziehbar oder vielleicht auch dann irgendwie seinen Frieden damit geschlossen, sage ich jetzt mal.
Moritz: Ja, genau.
Ralf: Da gab es auch 1000 Diskussionen. Aber das alles ist jetzt sechs Wochen her. Und das war vor den Sommerferien. Und jetzt passiert das, was du gerade beschrieben hast Das Kind kommt nach dem zweiten oder dritten Schultag nach Hause und und sagt zu den Eltern Alle sind im Klassenchat, nur ich nicht. Und ich habe das Gefühl, nicht mitreden zu können, weil alle sich nachmittags irgendwelche Videos schicken und im Alltag da posten. Ja, sie sind alle super vernetzt, das Gefühl. Ich habe das Gefühl, dass ich da außen vor bleibe.
Moritz: Ja, ja. Und jetzt? Ich weiß gar nicht worauf du hinaus willst.
Ralf: Ja. Du hast gerade beschrieben, dass es sein kann, dass die Eltern vor diesem Hintergrund sagen Alles klar, wir wollen auf keinen Fall, dass du ausgegrenzt wirst. Und deshalb erlauben wir dir jetzt doch WhatsApp. Und dann wird ein Smartphone angeschafft. Oder wenn das Kind schon ein Smartphone hat, wird WhatsApp installiert. Und das empfinde ich schon irgendwie als ein Einknicken oder Kapitulieren. Verstehst du, was ich meine?
Moritz: Einknicken ist-
Ralf: Ja. Vielleicht ist der Begriff kapitulieren tatsächlich schöner.
Moritz: Ich glaube, dass man, also ich überlege.
Ralf: Ich glaube, dass die Eltern vor ihren Kindern ein bisschen blamiert dastehen, wenn sie dann auf einmal sagen Ach, das war vor den Sommerferien und das, was da galt, gilt jetzt plötzlich nicht mehr. Das ist schon eine Form von Einknicken.
Moritz: Einknicken ist ja irgendwie so, das hat ja auch ganz viel mit Schwäche zu tun. Oder Menschen, die einknicken, schaffen es nicht, das durchzuziehen, was sie sich eigentlich vorgenommen haben. Und das suggeriert so Schwäche.
Ralf: Ja, und das ist im Prinzip ja in vielen Fällen. Die Eltern trauen sich nicht, die Entscheidung durchzuziehen, dass das Kind erst mit zwölf WhatsApp nutzen soll, obwohl sie sich das ganz fest vorgenommen haben, bevor das Kind an die weiterführende Schule kam.
Moritz: Aber ist das unbedingt ein Zeichen von Schwäche? Also mir gefällt diese Perspektive irgendwie nicht. Weil Erziehung ist doch kein Wettkampf. Oder, also ich meine der der andere Begriff Kapitulation, also Kapitulation. Das klingt für mich nach Krieg. Also im Krieg kapituliert man, wenn man verstanden hat, dass man einen Kampf nicht gewinnen kann. Und das sind Begriffe, die finde ich im Zusammenhang von Beziehungen zwischen Eltern und Kind einfach. Also verstehst du meine Gedanken?
Ralf: Ja. Ich finde, da interpretierst du jetzt schon ein bisschen viel rein.
Moritz: Nein. Ich finde das, was die Eltern machen, die dann spontan WhatsApp erlauben, machen das nicht unbedingt, weil sie schwach sind oder das Gefühl haben, den Kampf gegen WhatsApp immer verloren zu haben. Sondern ich glaube, dass das, was dahinter steckt, ist nicht Schwäche, sondern.
Ralf: Ich glaube, ich glaube, das ist schon eine Menge Stärke braucht eine Art Verbot von WhatsApp durchzuziehen. Wenn dein Kind vor dir sitzt und weint und sagt Wegen euch bin ich Außenseiter. In so einem Moment nicht weich zu werden und zu sagen okay, alles egal, alles, was wir uns ausgedacht haben an Regeln. Und so schmeißen wir jetzt spontan über den Haufen, damit du auf gar keinen Fall ein Außenseiter bist. Das ist in dem Zusammenhang bestimmt kein Zeichen von Stärke.
Moritz: Aber-
Ralf: Vor allem führt es ja auch dazu, dass man vielleicht auch wieder andere Eltern in die gleiche Situation bringt, weil durch die Entscheidungen, wenn es dem Kind, wenn ich das erlaube, dass für andere Eltern noch mal schwieriger wird, das dann für ihre Kinder durchzuziehen.
Moritz: Aber wenn es viele Kinder sind, die kein WhatsApp haben, dann ist das unter Umständen auch nicht das Problem. Dann gibt es nicht diese Dynamik, dass die Kinder dann darunter leiden. Am meisten leiden die Kinder, glaube ich. Wenn es wirklich so ist, dass es nur ein oder zwei oder vielleicht drei Kinder sind in der Klasse, die kein WhatsApp haben, oder wenn die Kinder, die einem ganz besonders wichtig sind, per WhatsApp kommunizieren und man das Gefühl hat, in diesen Kreis nicht reinzukommen, wenn man nicht bei WhatsApp ist. Also ich kann.
Ralf: Da brauchst du ganz viel Stärke als Eltern oder Konsequenz, um das dann durchzusetzen, dass meinetwegen das Kind kein WhatsApp bekommt.
Moritz: Aber dieses Leiden was. Nein, ich glaube einfach, dass der Hintergrund für solche Entscheidungen unter Umständen nicht Schwäche oder Stärke ist, sondern Liebe und Empathie.
Ralf: Ja, warum nicht mal wieder ein ganz großes Fass aufmachen?
Moritz: Nein, Aber mal ganz ernsthaft Wir reden hier über Kinder, die leiden. Und ich finde das, was Eltern in so einem Moment bewegen sollte, das eine oder andere zu tun, sollte nicht das Bedürfnis sein, einen Krieg zu gewinnen oder wie so eine Konsequenz Maschine alles durchzuziehen, was ich acht Wochen vorher durch. Also ich meine vor acht Wochen-
Ralf: Aber das ist nicht das, was ich meine. Mir geht es nur darum, dass Eltern sehr schnell oder Ich weiß nicht, ob es sehr schnell, aber. Es fällt ihnen schwer, das durchzuziehen, was sie acht Wochen vorher, also vor den Sommerferien, ihrem Kind mühsam erklärt haben.
Moritz: Ja, klar.
Ralf: Mit dem sie sich Ihrem Kind vielleicht auch das Kind arrangiert hat. Und das wird doch dann so wie du gerade sagst beschrieben hast, plötzlich alles über den Haufen geworfen, wenn das Kind dann doch WhatsApp haben darf. Und wenn du deinem Kind WhatsApp erlaubst, obwohl das eigentlich nicht wolltest, wird es, wie ich eben schon gesagt habe, für die anderen Eltern, die das auch nicht wollen-
Moritz: Ja das ist alle richtig. Na klar.
Ralf: -noch mal schwerer das durchzusetzen. Aber auf diese Weise kommt es ja zu dieser unglaublichen Verbreitung von WhatsApp. Das ist fast so ein Teufelskreis.
Moritz: Ralf, das ist alles richtig, so.
Ralf: Ja!
Moritz: Aber wenn Eltern vor den Sommerferien für sich zum Ergebnis kommen, dass sie ihrem Kind nicht zutrauen, WhatsApp zu nutzen, dann entscheiden sie auch hier aus Liebe zu dem Kind, dass es ein Recht darauf hat, vor den negativen Dynamiken von WhatsApp geschützt zu werden. Das heißt, dass das Kind nicht irgendwelche komischen Stickern ausgesetzt ist, das das Kind nicht stundenlang in irgendwelchen Kanälen rum scrollt, dass die Daten nicht beim Meta-Konzern landen.
Ralf: Das sind doch alles Gründe, die dafür sprechen, dass das Kind kein WhatsApp hat.
Moritz: Genau. Und deshalb ist der Antrieb, dem Kind WhatsApp zu verbieten ist Liebe. Aus Liebe möchte man das Kind schützen. Und das wird dann auch dem Kind erklärt. Ich denke, in vielen Fällen wird dann nicht einfach gesagt wir erlauben dir das einfach nicht, sondern die Eltern, so wie du es gerade beschrieben hast, erklären dem Kind gründlich und ausführlich, warum sie als Eltern zum Ergebnis gekommen sind, dass das Kind kein WhatsApp haben soll oder vielleicht generell Kinder unter 12 oder 13 oder 14 kein WhatsApp haben sollten. Und das Kind empfindet das dann auch nicht als unnötige Einschränkung, sondern signalisiert den Eltern, dass das eigentlich okay ist. Nach den Sommerferien kein WhatsApp haben zu wollen, weil man braucht es dann wahrscheinlich nicht.
Ralf: Und jetzt sind die Sommerferien zu Ende der Schulwechsel findet statt. Das Kind findet sich in einer neuen Lerngruppe wieder und stellt auf einmal fest. Alle anderen haben WhatsApp.
Moritz: Ja und ob es wirklich alle sind, spielt dabei keine Rolle. Also das Kind empfindet es ernsthaft als Problem und hat Angst, sich nicht in die Klasse integrieren zu können. Und jetzt sitzt es weinend zu Hause und beschreibt den Eltern die Situation, dass wahrscheinlich jetzt zur Sekunde gerade alle anderen online sind und sich irgendwelche Fotos zuschicken, die man selber auch gerne sehen möchte, die man aber nicht sehen kann, weil man nicht im Klassenchat ist. Und morgen in der Schule reden alle über diese Fotos und man kann schon wieder nicht mitreden und hat das Gefühl, dass die anderen Kinder aus der ehemaligen Grundschulklasse mittlerweile neue Freunde gefunden haben, weil die da alle zusammen online sind und man was ganz alleine und die ganze Welt ist schrecklich.
Ralf: Genau so kann das sein.
Moritz: Und aus der Sicht von dem Kind könnte die Welt aber ganz schnell wieder schöner sein, wenn die Eltern einfach sagen würden Wir erlauben dir dann jetzt doch WhatsApp.
Ralf: Aber so einfach ist das nicht. Die Eltern haben sich doch schon was dabei gedacht. Man verbietet ja nicht aus Spaß oder ganz nebenbei den Kindern Dinge, die aus Sicht der Kinder wichtig sind.
Moritz: Nein, das habe ich auch nicht angenommen.
Ralf: Und deshalb, glaube ich, sind genau solche Momente unglaublich anspruchsvoll für Eltern.
Moritz: Ja, aber das erste, was anspruchsvoll ist, ist nachzuvollziehen, dass das Kind es aus der eigenen Perspektive viel einfacher hätte, wenn die Eltern WhatsApp erlauben würden. Also Empathie bedeutet in diesem Moment, dass man sich als Vater oder Mutter in das Kind hineinversetzen können muss, um nachzuvollziehen, wie sich das Kind fühlt. Und vielleicht auch die Wut nachvollziehen zu können, die das Kind auf die Eltern hat. Weil die Eltern aus der Perspektive des Kindes schuld daran sind, dass alles so schrecklich ist.
Ralf: Ja, aber es ist ja nicht so, dass das Kind automatisch in die Klassengemeinschaft integriert ist, nur weil es dann jetzt WhatsApp hat.
Moritz: Nein.
Ralf: Das wird ja nicht automatisch alles gut.
Moritz: Nein.
Ralf: Weißt du, was ich meine? Die Eltern sind ja nicht-
Moritz: Aber das weiß das Kind ja nicht.
Ralf: Aber die Eltern sind auch nicht verantwortlich dafür, wenn das Kind sich als Außenseiter fühlt. Es gibt Klassen, die bekommen das doch hin, dass Kinder, die kein WhatsApp haben, trotzdem nichts verpassen. Das ist auch Teil von unserem Workshop, wie wir jetzt mit Schulklassen arbeiten wollen. Wir haben bei der Schulung uns ganz, ganz viel Zeit genommen, zu überlegen, wie wir den Klassen Wege aufzeigen, wie sie alle gemeinsam dafür sorgen können, dass keine wichtigen Dinge verpasst werden.
Moritz: Auch die ohne WhatsApp.
Ralf: Die Eltern sind doch nicht schuld daran, wenn zum Beispiel eine Schulklasse den Lehrkräften nicht die Dynamik von Klassenchats bewusst ist oder gar nicht mit den Kindern darüber sprechen.
Moritz: Ja, und dass die Kinder, die sehr regelmäßig bei WhatsApp unterwegs sind, auch darauf achten sollten, dass eben nicht alle dabei sind.
Ralf: Da sehe ich die Verantwortung. Was heißt Verantwortung? Ich sehe zumindest bei den Lehrkräften viel mehr Einfluss. Ja, und wenn es dann so läuft, wie wir das in unseren Workshops machen wollen, dass eine Klasse dafür sensibilisiert wird, dass es für manche Kinder sehr schwer auszuhalten ist, wenn alle einen ganz bestimmten Messenger benutzen und einzelne Kinder das nicht können, dann wird es für Kinder, deren Eltern nicht wollen, dass die Kinder WhatsApp nutzen, am Ende einfacher.
Moritz: Ich würde das das, was du gerade gesagt hast, alles ganz genau so formulieren. Nur wird es in vielen Fällen eben hast du auch gesagt, nicht so sein. Es wird Klassen geben, in denen WhatsApp Chats gegründet werden, die dazu führen, dass manche Kinder Ausgrenzung empfinden, wenn sie nicht dabei sein können.
Ralf: Das können Eltern nicht verändern.
Moritz: Nein, das, worum es mir an dieser Stelle geht oder den Moment, den ich eben hatte, das war doch der Moment, wo das Kind zu Hause verzweifelt zu den Eltern sagt, dass das WhatsApp Verbot der Eltern. Also die Perspektive des Kindes dazu führt, dass man enorm leidet. Und das heißt, das Kind könnte zwar auch sagen nachdem, was du gerade beschrieben hast, ich leide unter der Struktur unserer Klasse, wo von den Lehrkräften nicht ausreichend darauf geachtet wird, dass niemand ausgegrenzt wird, nur weil man kein WhatsApp hat und dass die anderen nicht in der Lage sind, mich zu integrieren. Das ist nicht die Perspektive, von der man ausgehen kann, dass das die Perspektive von einem 10-jährigen Kind ist. Für die Kinder wäre es erst einmal eine ganz einfache Lösung, wenn die Eltern WhatsApp erlauben.
Ralf: Ja, ganz bestimmt.
Moritz: Und ich glaube, diesen Gedanken zu würdigen. Also ist erst mal ein ganz wichtiger Schritt. Also Empathie würde für mich jetzt heißen, dass die Eltern in dem Moment nicht beginnen mit Wir haben sie doch aus guten Gründen WhatsApp nicht erlaubt oder so, auch nicht versuchen jetzt um Verständnis zu werben, sondern erst mal anzunehmen, wie sich das Kind fühlt. Also vielleicht auch zu sagen Ich kann nachvollziehen, dass du an dieser Stelle unter unserer Entscheidung leidest und dir wünschen würdest, dass wir dir WhatsApp erlauben. Das könnte ein Einstieg in ein Gespräch sein, wo man dann vielleicht gemeinsam Ideen und Strategien entwickeln kann, wie das Kind auch ohne WhatsApp die Möglichkeit hat, sich in die Klasse zu integrieren. Und ich denke, dass es da einen Punkt geben kann, wo die Eltern auf einmal spüren, dass es vielleicht doch am einfachsten wäre, wenn das Kind an dem WhatsAppchat teilhaben kann.
Ralf: Und das ist doch dann eine Form von Kapitulation.
Moritz: Oder ein Eingeständnis, dass das, was man sich vor den Sommerferien vorgenommen hat, in der Praxis dann doch nicht so einfach funktioniert. Ich glaube, dass das für viele Eltern vor den Sommerferien als Eltern von einem großen Grundschulkind nicht so einfach ist, realistisch einzuschätzen, wie die Situation nach den Sommerferien in der weiterführenden Schule aussieht. Und wenn ich jetzt als Vater oder Mutter das Gefühl habe, ich muss die Regel oder das geplante Verbot von vor den Sommerferien aufrechterhalten, so als Selbstzweck. Obwohl ich spüre, dass ich meinem Kind in diesem Moment doch etwas nehme, von dem ich gar nicht wusste, dass ich es ihm nehme, dann ist das für mich kein Kapitulieren.
Ralf: Okay, das finde ich absolut nachvollziehbar. Der Plan war jetzt nicht das Kind leiden zu lassen. Und wenn ich dann auf einmal merke, dass meine Regel etwas ganz anderes erreicht, als ich mal vorhatte, dann hat niemand was davon, wenn ich das jetzt, ich sag' mal einfach nur so durchziehe.
Moritz: Und dann ist es sogar ein Zeichen von enormer Größe. Also man müsste im Prinzip so etwas sagen wie. Ich glaube, uns allen war die Situation vor den Sommerferien nicht so richtig klar, weil wir nicht davon ausgegangen sind, dass die Dynamik so ist, wie sie ist. Und deshalb müssen wir uns jetzt was anderes überlegen. Also die Idee, das Kind per WhatsApp zu schützen, passierte vor dem Hintergrund, dass man davon ausgegangen ist, dass die ganzen negativen Aspekte von WhatsApp dem Kind mehr schaden als das WhatsApp irgendwie nützen kann.
Ralf: Und du hast gesagt, die Motivation war, das Kind aus Liebe zu schützen.
Moritz: Ja, es ging um Liebe. Und ich glaube, dass man in der Situation, in der dann das Kind wirklich leidet. Also wir sprechen hier wirklich über Leiden, also nicht einfach so ein alle haben das, ich will das auch wenn ich dann aus Gründen von Konsequenz etwas durchziehe, wo ich spüre, dass das Kind leidet, dann ist das ja, es ist trotzdem irgendwie Liebe. Aber es-
Ralf: Es ist nicht so richtig menschlich.
Moritz: Ja, genau. Ja, ja, ich glaube, Menschlichkeit geht dann oft doch vor Konsequenz oder Prinzipien. Wenn ich jetzt feststelle, dass ich vor acht Wochen Regeln aufgestellt habe, von der ich jetzt auf einmal merke, dass sie einfach nicht mehr in das Leben von dem Kind oder auch meinetwegen in mein Leben oder in das Leben unserer Familie passt. Dann ist es nicht menschlich, diese Regel einfach aus Gerechtigkeitsgründen, Prinzipien oder Konsequenz oder was auch immer so durchzuziehen.
Ralf: Ja. Ich finde es grundsätzlich aber schon problematisch, wenn Regeln schon nach acht Wochen oder wenn sie das erste Mal vielleicht umgesetzt werden müssen, sofort wieder ausgehebelt werden. Ich glaube schon, dass wir als Eltern Autorität verlieren, wenn wir dann ganz spontan alle Regeln wieder über den Haufen werfen.
Moritz: Ja, das glaube ich auch. Also ich glaube auch, dass es Kindern auf Dauer nicht wirklich hilft, wenn eine Regel beim ersten Mal, wo sie unangenehm ist, sofort wieder aufgelöst wird oder abgeschafft wird. Ich glaube, dass Kinder mit klaren Regeln besser umgehen können, als wenn sie das Gefühl haben, dass jede deutlich ausgesprochen Regel am Ende dann doch irgendwie nicht umgesetzt werden muss, wenn man entsprechend intensiv diskutiert hat.
Ralf: Und da widersprichst du dir jetzt eigentlich selbst.
Moritz: Ja, ja, das ist. Das ist ein Widerspruch, den ich an dieser Stelle auch so nicht auflösen kann. Aber mein Gefühl sagt mir nur, dass es nicht sinnvoll ist, aus Gründen der Konsequenz Regeln durchzuziehen, von denen man auf einmal merkt, dass sie unter Umständen mehr schaden als helfen.
Ralf: Wie gehen wir jetzt mit diesem Dilemma um?
Moritz: Ich denke, das eigentliche Dilemma ist ist, dass WhatsApp Gruppenchats für die fünften Klassen eine Überforderung sind. Und ich glaube in fast allen Fällen und es wäre besser, wenn sie vor allem zu Beginn des Schuljahres oder vielleicht auch das ganze Schuljahr, das weiß ich nicht über keinen Gruppenchat hätten. Und die Reihenfolge, erst eine gut funktionierende Lerngruppe zu bilden und danach erst einen Gruppenchat einzurichten, ist eigentlich die logische und viel bessere. Die Praxis sieht allerdings so aus, dass viele Klassen relativ schnell eine Klassengruppe gründen, bevor die ganzen Strukturen geschaffen sind. Und einem ganz pragmatischen Ansatz folgend, wollen wir ja in unserem Workshop die Klassen auf all die Risiken vorbereiten und Strategien entwickeln, wie man mit Krisen umgehen kann. Dabei werden wir den Klassen aber nicht sagen Jetzt wisst ihr, wie es geht. Bitte gründet morgen einen Klassenchat. Sondern eher in die Richtung. Falls ihr irgendwann mal einen Klassenchat einrichtet, egal ob bei Signal oder WhatsApp oder sonst wo, vielleicht helfen euch die Ideen, die wir heute diskutiert haben, weiter.
Ralf: Ich gehe schon davon aus, dass das in vielen Klassen relativ schnell passiert.
Moritz: Ja gut, vielleicht auch nicht. Also da bin ich gespannt auf die Evaluation. Es kann definitiv nicht schlechter werden mit den Sachen, die wir in den Klassen da lassen.
Ralf: Aber was heißt dieser pragmatische Ansatz dann für die Eltern?
Moritz: Ich glaube, der entscheidende Punkt ist vielleicht noch nicht abschließend zu klären, wann ein Kind WhatsApp bekommt, wenn das Kind in der vierten Klasse ist. Wenn Eltern sich gar nicht erst so weit aus dem Fenster lehnen und sagen Du kriegst erst mit 12 ein Smartphone oder mit 14 oder WhatsApp oder was auch immer, dann kommen sie gar nicht erst in die Situation, die wir die ganze Zeit diskutieren.
Ralf: Aber was sollen sie dann alternativ sagen?
Moritz: Ich kann mir vorstellen, dass man dem Kind auch sagen kann. Wir wissen noch gar nicht, was nach den Sommerferien ist. Deshalb können wir jetzt auch noch gar nicht entscheiden, ob du nach den Sommerferien oder Weihnachten oder vielleicht auch erst in der sechsten Klasse ein Smartphone brauchst.
Ralf: Und brauchen ist ja auch noch was anderes als bekommen.
Moritz: Ja, und ob man es braucht, weiß man jetzt noch nicht. Und ob man es sofort bekommt, nur weil klar ist, dass man es braucht. Das ist auch nicht automatisch so, das heißt, wenn Eltern jetzt beispielsweise nach den Sommerferien feststellen, dass WhatsApp in der Klasse einen unglaublich hohen Stellenwert hat oder einen höheren, als man angenommen hat und das Kind wirklich darunter leidet, bedeutet das ja nicht, dass man sofort ein Smartphone anschaffen muss und sagt So, hier, jetzt bist du 24/7 online oder so. Also wir haben ja auch hier im Podcast oder in unseren Eltern Veranstaltungen immer wieder betont, dass Kinder eher Zugänge brauchen, aber nicht unbedingt ein eigenes Gerät, also ein eigenes Smartphone, also ein Smartphone, das man dem Kind zur Verfügung stellt, das aber dann nur in Anwesenheit der Eltern, meinetwegen in der Küche oder im Wohnzimmer benutzt werden kann. Ermöglicht, dass das Kind online dabei sein kann. aber von den Eltern doch so sehr alltäglich begleitet werden kann und das die Eltern dann auch mitkriegen, wenn das zeitlich ausufert oder? Und Eltern auch ansprechbar sind, wenn irgendwelche Dinge schiefgehen.
Ralf: Wir haben doch auch mal eine Folge gemacht, die hieß "Das erste Smartphone nach den Sommerferien, jetzt schon üben".
Moritz: Ja.
Ralf: Die können wir auf jeden Fall gleich als Folge zum Weiterhören empfehlen.
Moritz: Ja, ja, sehr gute Idee. Da haben wir glaube ich ähnliche Sachen diskutiert oder vielleicht sogar an manchen Stellen das gleiche gesagt wie jetzt. Ich muss mir die Folge noch mal anhören. Wer weiß, vielleicht widersprechen wir uns da jetzt auch an ganz vielen Stellen, was wir damals gesagt haben.
Ralf: Ja, das kann sein. Aber auch wir entwickeln uns ja weiter.
Moritz: Ja, ich finde es auch noch mal ganz wichtig zu betonen, aber ich glaube, das habe ich auch schon gemacht, dass es für die fünften Klassen viel einfacher wäre. Du hast das auch sehr deutlich gesagt, wenn sie kein WhatsApp hätten und wenn es wirklich so wäre, dass alle zusammenhalten, so wie es bei manchen Schulen jetzt ausprobiert wird, wo sich die Eltern verpflichten, kein Smartphone anzuschaffen oder zur Verfügung zu stellen, dann kann es für die Kinder wirklich einfacher werden. Es gibt bisher noch nicht wirklich viele Erfahrungswerte mit diesem Modell, zumindest, auf denen ich jetzt aufbauend sagen könnte, dass das definitiv ein gutes Modell ist und auch wirklich funktioniert. Aber es kann sein, dass wir vielleicht den ein oder zwei Jahren ganz anders argumentieren, was die fünften Klassen und Chatgruppen angeht. Im Moment glaube ich aber, ist es so, dass das ganz Pragmatische, was wir hier diskutiert haben oder auch in unseren Workshops thematisieren, ist im Moment am zielführendsten.
Ralf: Vor allen Dingen, um nicht zu grausam zu sein seinen Kindern gegenüber.
Moritz: Ja.
Ralf: Eltern wollen die Kinder aus Liebe schützen und verbieten deshalb beispielsweise WhatsApp und müssen dann unter Umständen aus Liebe auf einmal alles erlauben. Wenn sie feststellen, dass die Einschränkungen für das Kind dann doch zu drastisch war.
Moritz: Eine schöne Zusammenfassung des Dilemmas. Ich möchte ja noch mal betonen, dass dieser Moment, wo Eltern dann aus Liebe erlauben, auch wirklich nur dann so von mir gemeint ist, wenn das Kind wirklich darunter leidet. Also diese Podcastfolge darf nicht als Rechtfertigung gelten beim ersten Widerspruch des Kindes gleich alles, was man sich an Gedanken gemacht hat, über den Haufen zu werfen.
Ralf: Ich glaube, das ist auch der Grund, weshalb ich nicht von Anfang an so richtig auf deiner Linie war. Ich habe das Gefühl, dass viele Eltern sehr schnell vielleicht auch aus Ressourcengründen alles erlauben, weil es im Endeffekt dann doch einfach ist, es zu erlauben.
Moritz: Ja, deshalb. Ich glaube, wirklich widersprechen würden wir uns da gar nicht. Also noch mal ganz deutlich Es geht nicht darum, dass man Kindern alles erlauben muss. Es geht darum, dass Eltern den Punkt finden müssen, wo ein Verbot am Ende dann mehr schadet als wirklich hilft, so.
Ralf: Du wolltest noch was sagen zur Empfehlung der Expertenkommission Kinder und Jugendschutz in der digitalen Welt.
Moritz: Ganz kurz nur. Am letzten Mittwoch wurden die Empfehlungen der Kommission zum Kinder und Jugendschutz in der digitalen Welt vorgestellt. Die Kommission hat ihre Empfehlungen der Familienministerin Karin Prien übergeben. Und was mir sehr gut gefallen hat, als ich die Pressekonferenz gesehen habe, wo es vorgestellt wurde, ist, dass dieser Dreiklang Schutz, Befähigung und Teilhabe, über den wir hier auch schon oft diskutiert haben, dort sehr ernst genommen wird nach meinem Gefühl. Was ich aber so in der öffentlichen Diskussion jetzt gar nicht unbedingt so widerspiegelt. Das heißt also die Altersgrenze ab 13 für Social Media, die jetzt im Prinzip auch von Familienministerin Prien so, so prevo... wie heißt das ? Prio-
Ralf: Priorisiert?
Moritz: Sie findet es halt ganz geil, sage ich mal! Das ist das, was jetzt öffentlich diskutiert wird, wo vielleicht manche enttäuscht sind, die gehofft haben, dass es ab 16 ist, wo vielleicht andere sagen, warum. Überhaupt finde ich es ein bisschen schade, dass die Diskussion sich darauf so verengt. Aber im Grundsatz bin ich sehr gespannt, was die Politik jetzt daraus macht aus diesen Empfehlungen. Und wir werden da bestimmt auch noch mal drüber sprechen. Und alles, was wir jetzt über WhatsApp diskutiert haben, hat im Prinzip genauso Gültigkeit, weil es nicht um Messenger geht wie WhatsApp, sondern um Social Media Plattformen wie TikTok, Instagram, YouTube. Und so weiter und so fort.
Ralf: Okay, und damit sind wir dann am Ende der Folge angelangt als Folge zum weiterhören schlage ich wie gesagt vor, "Das erste Smartphone jetzt schon üben." vom 12. Juni 2023.
Moritz: Ich höre mir die auch noch mal an, wer weiß.
Ralf: Ja und somit starten wir in unsere Sommerpause. Sollte uns zwischendurch irgendwas ganz Wichtiges einfallen, was wir allen Hörerinnen und Hörern mitteilen wollen, bevor die Sommerpause zu Ende ist, nehmen wir ganz kurz Folgen zwischendurch auf. Aber der nächste Medienerziehung Montag wird der 7. September 2026 sein.
Moritz: Und bis dahin sagen wir Vielen Dank fürs Zuhören, freuen uns über Rückmeldungen über unsere verschiedenen Social Media Kanäle, die alle auf der Homepage www.smiley-ev.de zu finden sind oder per Mail an podcast@smiley-ev.de und sagen Tschüss.
Ralf: Ciao!
Moritz: Ich glaube, du hast absolut recht. Es gibt Eltern, die alles erlauben, weil sie nicht die Kraft oder vielleicht auch gar nicht-
Ralf: -die Ressourcen haben.
Moritz: Ja, oder einfach auch keine Ahnung. Denen ist das auch ein Stück weit vielleicht egal. Aber ich glaube, das, was mir wichtig war, ich glaube, das haben wir ja herausgearbeitet. Ist, dass es nicht sinnvoll ist, immer alles so umzusetzen,
Ralf: So dogmatisch.
Moritz: Ja, genau. Genau. Ja, und WhatsApp in den fünften Klassen ist halt echt eine große Herausforderung.
Ralf: Das ist es auf jeden Fall.
Moritz: Wer weiß, was wir in zwei Jahren denken.
Ralf: Ich bin gespannt. Ciao!
Moritz: Ciao.