Transkript:
Moritz: Dokumentiertes Leid ist halbes Leid.
Moritz: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von "Was mit Medienerziehung", dem Podcast von Smiley e.V., in dem wir aus unseren Erfahrungen in der Arbeit mit Schulklassen zum Thema Mediennutzung und aus unserer Arbeit mit Eltern und Fachkräften zum Thema Medienerziehung berichten. Heute ist Montag, der 4. Mai 2026 und mein Name ist Moritz Becker und mir gegenüber sitzt ein sehr gut gelaunter Ralf Willius.
Ralf: Ja, das bin ich also der Ralf Willius. Wobei ich mich jetzt nicht als so gut gelaunt wahrgenommen hätte.
Moritz: Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich so gut gelaunt bin und dir unterstellt habe, dass du auch gute Laune hast.
Ralf: Nein, ich habe tatsächlich gute Laune und freue mich auf eine neue Folge, von der ich tatsächlich mal gar nicht weiß, was unser Hauptthema heute ist.
Moritz: Ich habe ein Thema, über das ich etwas intensiver mit dir sprechen möchte und dann sehe ich, dass du eine ganz schön lange Liste mitgebracht hast. Heute hier.
Ralf: Ja, heute ausnahmsweise mal wieder auf Papier. Ich hoffe, dass ich nachher alle Punkte lesen kann, die ich notiert habe.
Moritz: Also ich könnte es nicht. Also ich habe festgestellt, es kommt so gut wie gar nicht mehr vor, dass ich Dinge mit der Hand schreibe, die dann außer mir jemand lesen muss. Und deswegen ist meine Handschrift mittlerweile eine absolute Katastrophe.
Ralf: Das stimmt. Ich würde auch sagen, fast alle Notizen, die ich für andere Leute mache, also beispielsweise Teamsitzungen oder so, mache ich alles digital. Handschriftlich schreibe ich eigentlich auch nur noch Glückwunschkarten und da habe ich dann auch immer ganz schlechtes Gewissen, wenn ich meine Handschrift betrachte.
Moritz: Ich glaube, dass man. Also habe ich mir neulich überlegt, dass man ganz anders formulieren können muss, wenn man handschriftlich schreibt. Also bei einer Tastatur, oder ob das jetzt ein Computer oder Smartphone ist, ist egal. Da kannst du einfach loslegen und kannst einfach anfangen, ohne zu wissen, wie der Satz zu Ende geht. Du kannst einfach alles wieder löschen und ändern. Und wenn du mit der Hand schreibst, musst du vorher wissen Wie soll das hier weitergehen?
Ralf: Ich habe von verschiedenen Musikern gehört oder gelesen, dass sie nach wie vor ihre Texte mit der Hand schreiben und das ihrer Meinung nach so einen positiven Einfluss auch auf die Lyrik ihrer Texte hat.
Moritz: Ich glaube, ich habe das mal von Günter Grass gehört, dass der auch sich geweigert hat, mit dem Computer Texte zu verfassen, weil er auch gesagt hat, dass damit die Kreativität verloren geht. Also der hat mit der Schreibmaschine geschrieben. Und schon allein die Möglichkeit, dass du später zwischen zwei Absätze einen dritten einfügen kannst. Verändert ja ganz viel. Das heißt, du sitzt da nicht erst und überlegst jetzt wirklich die nächsten acht Absätze, sondern schreibst einfach drauflos.
Ralf: Klar, du wirst mehr nachdenken müssen, bevor du schreibst, als wenn du mit einer Computertastatur schreibst, weil du weißt, dass du alles permanent verändern kannst. Aber ob die Texte jetzt wirklich besser werden?
Moritz: Ich glaube, bei mir wäre es so, dass ich mich permanent mit schlechten Formulierungen arrangieren würde. Mit der Schreibmaschine, weil ich zu faul wäre, neu anzufangen. Und viel spannender finde ich zu überlegen, ob es sinnvoll ist, dass Kinder in der Schule nach wie vor so viel mit der Hand schreiben, wenn sie später im Leben gar nicht mehr brauchen.
Ralf: In der Hirnforschung geht man davon aus, dass Dinge, die man mit der Hand schreibt, besser verinnerlicht werden als Dinge, die man an der Tastatur schreibt. Ich meine, es hat dann, dass es daran liegt, dass man bei der Handschrift sich intensiver mit dem unterschiedlichen Buchstaben auseinandersetzt und das Gehirn immer angeregt wird zu überlegen Wie ging das noch mal beim "L"? Und wenn ich dann diese Schlaufe mit der Hand durchführe.
Moritz: Bei mir ist das ein Strich. Das "L".
Ralf: Ja, aber in der Grundschule hast du bestimmt auch das mit der Schlaufe gelernt.
Moritz: Okay, also meine Handschrift ist so ein Mischmasch aus Druckbuchstaben und Handschrift. Ja, und ich glaube, heute lernen Kinder gar keine Handschrift mehr. Also, vielleicht ist das vielleicht sogar besser als das, was ich hier so fabriziere.
Ralf: Zumindest das, was ich gehört habe. Dass die Auseinandersetzung vom Gehirn mit den einzelnen Buchstaben beim Schreiben in der Hand mehr Spuren hinterlässt im Gedächtnis, als wenn du mit der Tastatur. Da sind es ja nur irgendwelche Buchstaben, die irgendwo eine Position haben.
Moritz: Ich glaube, dass der Alltag von vielen Schülerinnen und Schülern ist, dass man mit dem Tablet arbeitet und auch da schreibst du ja mit dem Stift auf dem Display rum. Und spannend wird es dann, wenn du dann im Abitur auf einmal sechs Seiten oder sechs Stunden lang auf Papier schreiben sollst. Und da hat mir mal eine Abiturientin erzählt, dass es viel schwieriger war, im Abitur mit der Hand auf Papier zu schreiben, als das ganze Wissen abzurufen. Und da habe ich mich gefragt, ob das überhaupt zielführend ist, dass man die Kinder da im Abitur mit etwas konfrontiert, was man nie wieder im Leben braucht danach.
Ralf: Wobei das später in Klausuren an der Uni oder Hochschule ja auch.
Moritz: Aber im Arbeitsalltag doch nicht. Also im Arbeitsalltag ist es doch keine Kompetenz, irgendwie da 20 Seiten am Stück voll zu schreiben. Sondern da brauchst du Leute, die eher mit einer Computertastatur umgehen können oder meinetwegen auch mithilfe von KI gute Texte verfassen können. Ich glaube, das ist ja das, was man braucht.
Ralf: Apropos KI sinnvoll nutzen. In Niedersachsen wird es in Zukunft keine Facharbeiten mehr in der Oberstufe geben.
Moritz: Stimmt, der letzte Jahrgang.
Ralf: Unter anderem, weil man davon ausgeht, dass die Schülerinnen und Schüler diese Facharbeit komplett mit KI oder zumindest in großen Teilen mit KI erstellen. Und da macht es keinen Sinn nach klassischen Bewertungsmaßstäben das Ergebnis-
Moritz: Vielleicht sind die Bewertungsmaßstäbe das Problem.
Ralf: Ja, wahrscheinlich. Wobei das doch eigentlich genau das ist, was du später im Studium und auch im Leben können musst. Also längere Texte verfassen, dazu recherchieren, mit unterschiedlichen Quellen arbeiten. Ich glaube, dass hier generell Bildung noch einmal komplett neu gedacht werden muss oder wahrscheinlich auch schon neu gedacht wird.
Moritz: Ja, und da gibt es ja auch schon einiges. Also vielleicht kann man da auch was verlinken. Es gibt mittlerweile Leitfäden oder Handreichungen für Lehrkräfte, wie man KI im Unterricht einbinden kann oder vor allem dann auch bewerten kann. Und dazu muss man wegkommen von der Bewertung des Ergebnisses, sondern vielmehr zur Bewertung des Weges, wie ich zu dem Ergebnis gekommen bin. Und das erfordert dann eine ganz andere Form von Dokumentation auch des Weges. Das heißt, ich kann nicht am Ende sagen, hier ist das Ergebnis, sondern ich muss gleichzeitig dann auch den Prozess irgendwie dokumentieren. Also als Schülerin oder Schüler. Dazu müssen Schülerinnen und Schüler natürlich auch lernen, wie man einen Prozess entsprechend dokumentiert. Und das würde gleichzeitig bedeuten, dass ich, wenn ich lerne, wie ich dokumentiere, wie ich arbeite, dabei dann natürlich auch reflektiere, wie ich arbeite. Das heißt, warum benutze ich einen ganz bestimmten prompt? Oder warum dauert es manchmal länger, einen Prompt so zu formulieren, bis er macht, was ich will? Oder in anderen Situationen klappt es dann ganz intuitiv. Also wie sieht ein Qualitätsmanagement beim Prompten aus? Und das heißt, wenn man den Prozess entsprechend Reflektiert, also die Schülerinnen und Schüler und das entsprechend dann auch dokumentiert wird. Und dann ist es am Ende auch gar nicht mehr so schwierig, das zu bewerten, wenn man eben diesen Prozess und natürlich die Dokumentation dann vorliegen hat.
Ralf: Ja, wahrscheinlich.
Moritz: Ich habe auf jeden Fall festgestellt, dass ich lieber Podcasts aufnehme als Artikel schreibe, weil im Podcast redet man einfach. Und ich glaube auch, dass die Hörerinnen und Hörer schlechte Formulierungen eher verzeihen als Leserinnen und Leser in einem Artikel.
Ralf: Das glaube ich auch. Steigen wir ins Thema rein Moritz.
Moritz: Ja, auf jeden Fall. Ich hatte in einer Fortbildung mit Lehrkräften darüber gesprochen, dass es aus meiner Sicht wichtig ist, nicht immer nur defizitorientiert mit Kindern und Jugendlichen über deren Mediennutzung zu sprechen, sondern positive Aspekte hervorzuheben.
Ralf: Was meinst du mit defizitorientiert?
Moritz: Viele Lehrkräfte erleben beispielsweise das, was in WhatsApp Klassenchats passiert, in erster Linie als problematisch.
Ralf: Es geht ja auch verdammt viel schief, Moritz. Ich kann das in vielen Fällen total gut nachvollziehen, dass Lehrkräfte beispielsweise im Social Training mit ich sag mal anspruchsvolleren Klassen zu arbeiten. Wenn dann am Nachmittag im Chat wieder irgendwelche Diskussionen entstehen und das, was am Vormittag erarbeitet wurde, komplett zerstört wird. Der Konflikt bleibt ja dann auch nicht im Chat, sondern geht am nächsten Tag im Klassenverband weiter. Und nach wie vor diskutiere ich in fast allen Klassen über rassistische oder antisemitische Sticker auf WhatsApp. Hier stellt sich vielen Lehrkräften die Frage, ob das nicht eher das Problem der der Eltern ist, wenn die Kinder sich nachmittags irgendwelche schockierenden oder menschenverachtenden Dinge zuschicken.
Moritz: Ja.
Ralf: Die Eltern erwarten dann aber von der Schule, dass die Kinder über Hakenkreuze und andere verbotene Symbole aufgeklärt werden-
Moritz: Ralf, ja.
Ralf: -obwohl das doch auch Aufgabe der Eltern sein kann oder vielleicht sogar muss.
Moritz: Ja.
Ralf: Du hast mir vor ein paar Tagen von dieser Schülerin erzählt, in der sechsten Klasse, die Opfer von Cybergrooming wurde und der Täter aus der achte oder neunte Klasse von der gleichen Schule war. Um all diese Dinge musste sich Schule kümmern.
Ralf: Ja, äh.
Ralf: Da stellt sich doch gar nicht die Frage. Wenn die das nicht machen, die Lehrkraft das nicht machen, dann macht es keiner.
Moritz: Aber ich sage ja nicht, dass es die ganzen Sachen nicht gibt.
Ralf: Aber ich kann nachvollziehen, dass es viele Lehrkräfte sich wünschen würden, dass es meinetwegen kein WhatsApp oder kein Tiktok und kein Roblox gäbe. Das wäre viel, viel einfacher.
Moritz: Aber das ist nicht das, was ich meine. Also die ganzen Probleme, die du gerade aufgezählt hast, die gibt es und die sind ja auch mit eine Begründung, warum es smiley e.V. überhaupt gibt.
Ralf: Von daher ist auch nicht defizitorientiert, wenn ich all diese Punkte benenne oder wenn es so ist, dass Lehrkräfte die Nutzung von Social Media ihre Schülerinnen und Schüler so wahrnehmen.
Moritz: Da bin ich mir nicht so sicher, weil gleichzeitig ist es so, dass viele Schulklassen sich meinetwegen selber Regeln für die Klassenchats geben oder auch Konflikte ohne Unterstützung durch Eltern oder Lehrkräfte selbstständig regeln. Und diese positiven Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche auf diese Art und Weise mit Konflikten in Chatgruppen machen, die sie eigenständig aufgelöst haben, verdienen aus meiner Sicht von uns Erwachsenen so etwas wie Wertschätzung. Und ich würde mir wünschen, dass wir viel öfter sagen könnten oder würden, dass wir vielleicht auch mal beeindruckt oder begeistert sind, wie kompetent teilweise Kinder und Jugendliche auch mit Social Media oder Chats umgehen können.
Ralf: Dazu müssten wir aber auch mitbekommen, dass sie da auch entsprechend positiv mit umgehen können.
Moritz: Ja, aber vielleicht nehmen wir einfach an, dass es diese positiven Situationen einfach gar nicht gibt. Also wir nehmen sie nicht wahr und glauben vielleicht auch, dass es wirklich immer nur schrecklich ist. Und in manchen Klassen mag das auch so sein. Ich glaube gleichzeitig, dass da viel Positives passiert, was wir einfach nicht mitbekommen.
Ralf: Wahrscheinlich schon.
Moritz: Ja, also ich glaube, dass es Lehrkräfte gibt, die schaffen das also auch mit einem positiven Zugang. Die Dynamik in Klassenchats am Nachmittag zu beeinflussen, in dem vielleicht die guten Momente Wertschätzung erfahren und eben nicht nur über Probleme gesprochen wird.
Ralf: Ja, ganz klar.
Moritz: Ich habe hier mal im Podcast erzählt von einem Lehrer, der nach einem Workshop überrascht war, wie verantwortungsvoll seine Klasse mit WhatsApp umgehen kann, was er vorher gar nicht so angenommen hatte. Ich weiß gar nicht mehr, in welcher Folge ich das erzählt habe.
Ralf: Wenn es eine gute Geschichte ist, kannst du sie ja einfach noch mal erzählen.
Moritz: Es ist eine gute Geschichte.
Ralf: Dann los.
Moritz: Geschichte. Ich hab mal einen Workshop gemacht in einer Schulklasse und wollte mit der Klasse über einen verantwortungsvollen Umgang mit Konflikten bei WhatsApp diskutieren und fing an, von einem ganz bestimmten Fallbeispiel zu erzählen. Das kennst du auch. Da geht es um einen Konflikt. Und an der Stelle, wo ich dann diskutieren wollte, wie man da jetzt verantwortungsvoll eingreifen kann, fiel mir eine Schülerin ins Wort und übernahm das Gespräch, in dem sie sagte, dass sie genau das auch schon erlebt hätten.
Ralf: Genau das hast du im Podcast erzählt. Sie hat dann beschrieben, was da vorgefallen ist.
Moritz: Ja, genau. Das ist auf eine ganz tolle Art und Weise. Sie hat keinen Namen genannt und hat es geschafft, über diesen Konflikt so zu sprechen, dass auch keine Wunden wieder aufgerissen sind.
Ralf: Und während sie dann erzählt hat, wie sie den Konflikt gelöst haben, hat der Lehrer dann ganz überrascht nachgefragt, wann das denn gewesen sei und nachdem die Klasse mitgeteilt hat, das ist, glaube ich, gerade mal zehn Tage her war. War der ganz überrascht, dass er das gar nicht mitbekommen hat und dass sie ihm gar nicht davon erzählt hätte.
Moritz: Genau. Die Klasse sagte dann, dass es ja auch gar keinen Grund gab, dem Lehrer davon zu erzählen, weil sie diesen Konflikt im Klassenchat ja selber gelöst haben und ihn gar nicht gebraucht hätten. Und nach dem Workshop hat er sich dann sehr intensiv bei mir bedankt und erzählt, dass er solche Situationen nie erleben würde, weil er immer nur mitbekommt, wenn Dinge schief gehen. Also er wird immer nur beansprucht, wenn die Hilfe brauchen und nicht, wenn sie was gut hinkriegen. Und deswegen hat er sich vorgenommen, in Zukunft mit der Klasse auch ohne Anlass, also ohne dass es ein Problem gibt, über Social Media ins Gespräch zu kommen, indem man jetzt regelmäßig Unterrichtszeit zur Verfügung stellt und einfach fragt Was geht online ab? Und hat die Klasse die Möglichkeit zu berichten, wie sie mit was weiß ich problematischen Videos auf Tiktok umgehen, auf problematische Sticker hinweisen? Und seine Rolle ist dann nicht auf Defizite hinzuweisen oder defizitorientiert Probleme zu thematisieren, sondern ressourcenorientiert aufzuwerten, indem er sagen kann, dass er das großartig findet. Wie engagiert die Schülerinnen und Schüler in kritischen Situationen im Internet vorgehen.
Ralf: Ich stelle mir gerade vor, dass man unter Umständen auch überlegen kann, warum gewisse Strategien, die von Kindern und Jugendlichen hier dann intuitiv angewendet wurden, beispielsweise um einen Konflikt zu klären, funktioniert haben, an welchen Stellen es sinnvoll ist, im Einzelchat Probleme zu lösen, in welchen Stellen es vielleicht dann im Gruppenchat passieren muss und an welchen Stellen das gar nicht online geht, sondern face to face miteinander besprochen werden muss.
Moritz: Oder wie man doch effizienter Videos bei TikTok oder Insta melden kann oder so.
Ralf: Jetzt weiß ich auch, was du mit defizitorientiert meinst. Das heißt ressourcenorientiert bedeutet zu sagen Ihr seid eine tolle Klasse, könnt großartig mit dem Internet umgehen. Lasst uns doch mal überlegen, wie es vielleicht noch besser geht.
Moritz: Das ist genau das, worum es geht.
Ralf: Du wolltest eigentlich von einer Teilnehmerin einer Fortbildung erzählen.
Moritz: Genau in dieser Fortbildung ging es um diese ressourcenorientierte Perspektive. Und in einer Pause dann, von dieser Fortbildung, erzählte mir eine Lehrerin, dass sie es sehr schwierig findet, einen positiven Zugang zur Mediennutzung ihrer Schülerinnen und Schüler zu finden, weil sie schon alleine durch das Mediennutzungsverhalten ihrer eigenen Kinder zu Hause in ihrer Rolle als Mutter so genervt ist von Social Media und WhatsApp, dass sie eigentlich froh ist, wenn sie auch einfach mal nicht über diese ganzen Sachen sprechen muss. Und in dem Gespräch beschrieb sie mir dann, dass Diskussionen um Nutzungszeiten von Spielekonsolen oder auch Tiktok oder YouTube mehr oder weniger den ganzen Familienalltag überschatten und sie deshalb mit ihren eigenen Kindern kaum ein positives Gespräch führen kann. Und ihre Kinder sind aber auch genauso genervt davon, dass es permanent Ärger wegen Medien gibt zu Hause.
Ralf: Da kann ich dir als Vater sagen, also jetzt nicht als Fachkraft von smiley e.V., sondern als Vater von zwei Kindern, dass ich das sehr nachvollziehen kann. Es gibt Tage, an denen ich mir echt wünschen würde, dass es Minecraft nicht gäbe. Kein Brawl Stars, kein TikTok. Und ich glaube auch, dass meine Söhne manchmal ziemlich genervt sind. Wie oft wir als Eltern mit ihnen wegen irgendwelcher Dinge, die mit Social Media oder Spielekonsolen zu tun haben, aneinandergeraten.
Moritz: Und auf der Grundlage ist es wahrscheinlich dann auch total schwierig, positive Gespräche mit den Kindern zu führen, wenn der Eindruck eigentlich ist, dass man permanent genervt ist, alles schiefgeht. Und da habe ich mit der Lehrerin drüber gesprochen und wir haben dann überlegt, also in ihrer Rolle als Mutter, dass sie vielleicht doch eine ganz andere Perspektive bekommen kann, wenn sie also ganz konkret. Mein Vorschlag war, dass sie einfach mal über eine Woche jeden Tag abends aufschreibt, wie der Tag gelaufen ist im Hinblick auf die Mediennutzung der eigenen Kinder. Also dass man sich abends einfach mal ganz kurz einen Moment Zeit nimmt, den Tag reflektiert und dann schreibt okay, es gab Ärger, meinetwegen wegen dem Smartphone. Nach der Schule, als das Kind auf Toilette gegangen ist, mit dem Handy unter 20 Minuten verschwunden ist und hinterher musste die Familie 20 Minuten vom Essen warten. Kind hat gelogen, hätte gar nicht aufs Handy geguckt und. Also diese ganzen Diskussionen, dass man es einfach aufschreibt, aber auch zum Beispiel, dass das Abendessen dann meinetwegen sehr harmonisch war.
Ralf: Und das notiert man dann als Elternteil.
Moritz: Genau so zur eigenen Dokumentation. Am nächsten Tag ist es dann vielleicht anders. Morgens vor der Schule gab es groß Stress und was weiß ich. Nachmittags war es dann aber wieder ganz okay. Wie auch immer.
Ralf: Okay, ich verstehe.
Moritz: Und die Fortbildung ging über insgesamt drei Wochen, so dass ich die Teilnehmerin dann eine Woche später wieder getroffen habe. Und sie erzählte mir dann, dass sie im Nachgang. Wenn Sie sich die Dokumentation der letzten Woche nochmal genau anguckt, ist sie positiv überrascht, dass es doch irgendwie viel weniger Konflikte waren, als sie ohne Dokumentation angenommen hätte.
Ralf: Krass.
Moritz: Und ich glaube, das ist ein ganz typischer oder menschlicher Effekt, dass du die negativen Erfahrungen oder der Streit, wenn man selber vielleicht auch jetzt nicht so ein richtiger TikTok oder Roblox Fan ist, dann die positiven Erfahrungen in der Wahrnehmung überlagern. Wenn man sich jetzt aber abends entsprechend Notizen macht, wo dann daraus hervorgeht, dass es auch gut gelaufen ist, werden die schönen Momente sichtbarer.
Ralf: Und auf der Basis kann man dann beispielsweise mit Kindern in Dialog gehen. Im besten Fall im Moment, wo es keinen Streit gibt, um zu sagen, das ist ja in den letzten Wochen einiges sehr gut gelaufen ist. Und es ist auch eigentlich eine tolle Woche war und dass sie wirklich wenige Situationen waren, wo man als Eltern genervt war. Und die kann man viel besser ansprechen, als wenn man in so einer hitzigen Debatte ist, wo eigentlich gar kein konstruktives Gespräch geführt werden kann.
Moritz: Ich kann mir sogar vorstellen, dass man so nach einer oder zwei oder drei Wochen tatsächlich dann auch so Muster erkennen kann, an welchen Stellen es zu Konflikten kommt. Also vielleicht passiert das ganz besonders häufig, dass das Kind morgens vor der Schule irgendwelche Dinge mit dem Handy macht. Zu Zeiten, wo die Eltern der Meinung sind, dass man jetzt eigentlich nichts im Handy machen sollte, als dass das meinetwegen nachmittags passiert. Und hier könnte man dann zum Beispiel nachfragen Was ist denn morgens aus Sicht des Kindes so wichtig, dass es da immer wieder zu Regelverstößen kommt? Also wenn es da so etwas wie Regeln meinetwegen vor der Schule irgendwie gibt.
Ralf: Und es könnte sein, dass das Kind beispielsweise die Sorge hat, im Klassenchat etwas zu verpassen, wenn es weiß, dass die anderen unter Umständen schon seit 30 Minuten dort irgendwelche Dinge klären und Sachen schreiben.
Moritz: Ja, und hier verweise ich einfach mal auf die Podcastfolge "Kinder, die kein WhatsApp brauchen", weil wir da ja indirekt auch über Kinder gesprochen haben, die aus irgendwelchen Gründen WhatsApp vielleicht ungewöhnlich dringend brauchen aus ihrer Sicht.
Ralf: Ja. Die Folge heißt "Kinder und Jugendliche, die kein WhatsApp brauchen" und ist vom 29.12.2025.
Moritz: Wie praktisch es ist, dass du immer die Liste mit den ganzen Podcastfolgen zur Hand hast.
Ralf: Auf jeden Fall.
Moritz: Zurück zum Thema. Ich glaube, dass diese Form von Dokumentation.
Ralf: Im Prinzip ist so eine Art Tagebuch.
Moritz: Ja, Tagebuch klingt jetzt so sehr, also finde ich.
Ralf: In meiner Coachingausbildung habe ich verschiedene Methoden kennengelernt, in denen es im Prinzip genau darum geht, genau das gemacht wird. Es wird dokumentiert, was im Alltag passiert, um Dinge sichtbar zu machen, die sonst in unserer Wahrnehmung nicht sichtbar werden können. Oder vielleicht sollte man eher sagen durch Emotionen. Oder das könnte zum Beispiel Ärger sein. Negative Ereignisse werden unterm Strich überbewertet.
Ralf: Also grundsätzlich, genau.
Ralf: Konflikte bleiben emotional viel mehr hängen. Neutrale oder positive Situationen werden eher vergessen, wenn ich sie nicht dokumentiere. Und ich glaube auch, dass unser Eindruck als Eltern dann insgesamt zur Eskalation beiträgt. Wenn ich als Vater sage, es gibt immer Streit wegen Minecraft oder ich sage sowas wie immer spielst du länger Minecraft, als wir vereinbart haben, dann beurteile ich das unter Umständen aus meiner eigenen Wahrnehmung heraus als zutreffend. Das Kind sieht es aber anders, weil es weiß, dass es auch Situationen gab.
Moritz: Was auch stimmt.
Ralf: In denen es überhaupt gar keinen Streit gab. Ich würde mir da natürlich auch widersprechen, das Kind und sagen Das stimmt doch gar nicht. Das ist nicht immer so!
Moritz: Ich glaube auch, dass es außerdem ein Problem ist, dass wenn das Kind beispielsweise den. Also was jetzt unseren Eindruck betrifft, dass es den ganzen Nachmittag meinetwegen unterwegs ist, beim Sport oder bei Freundinnen oder Freunden. Und auf diese Weise vielleicht außerhalb der Mahlzeiten an so einem Nachmittag nur eine halbe Stunde zu Hause war. Und wenn es dann in dieser halben Stunde irgendwas mit dem Handy oder der Spielekonsole macht, entsteht bei uns Eltern der Eindruck Das ist ja schon wieder die ganze Zeit am Handy War oder Spielekonsole. Wenn wir dann aber den ganzen Tag dokumentieren und stellen fest, das Kind war den ganzen Tag beim Sport und bei Freundinnen und Freunden unterwegs und das waren ja auch offline Zeiten, die wir aber so gar nicht wahrgenommen haben, weil es gar nicht weiß, was ich meine.
Ralf: Genau sowas würde dann ja auch sichtbar werden. Mir ist jetzt wieder ein Begriff eingefallen aus der Coachingausbildung Selfmonitoring.
Moritz: Okay.
Ralf: Selfmonitoring bedeutet, sich selbst zu warten, zu reflektieren und auch da dann Muster zu erkennen. Auf diese Weise kann man auch lernen, was einen tatsächlich stört an dem, was das Kind macht. An welcher Stelle vielleicht eigene, stressige Situationen dazu führen, dass man relativ unproblematische Dinge im Verhalten des Kindes total überbewertet.
Moritz: Also wenn ich morgens vor der Arbeit richtig Stress habe.
Ralf: Dann reagierst du ganz anders, als wenn du nachmittags gechillt auf dem Sofa liegst.
Moritz: Und selber am Handy bin.
Ralf: Genau.
Moritz: Ich glaube also ganz ernsthaft Ich glaube, dass das eine ganz große Chance ist. Wichtig finde ich dabei, dass das Ganze nicht zu viel Zeit beanspruchen darf. Ich würde mal sagen, das sollten so maximal 2 bis 5 Minuten am Abend sein.
Ralf: Ja klar, wenn das zu ausführlich ist, schafft man das nicht mehr so nebenbei und dann verschiebt man Das mache ich morgen. Ich bin jetzt müde.
Moritz: Und dann kannst du es auch lassen. Ich habe mir vier Fragen ausgedacht, die man vielleicht einfach jeden Abend beantwortet. Die erste Frage wäre Wie war die Mediennutzung von meinem Kind heute? Dann gab es Streit. Bzw. Wie intensiv war der Streit in einer Skala von 1 bis 5 dann? Welche positiven Momente gab es? Und vielleicht noch wie ging es mir heute?
Ralf: Also wie war die Mediennutzung von meinem Kind heute? Gab es Streit? Wie intensiv war der Streit auf einer Skala von 1 bis 5? Welche schönen Momente gab es und wie ging es mir heute?
Moritz: Also das wäre jetzt so mein Vorschlag. Also ich glaube, das müssen alle Eltern für sich dann entsprechend überarbeiten und überlegen was brauche ich denn da? Interessant wäre vielleicht auch, wenn beide Elternteile, sofern sie in der Familie zusammenleben, separat voneinander den Tag dokumentieren. Weil das kann glaube ich auch ganz spannend sein.
Ralf: Ja, ich kann mir auch vorstellen, dass es Eltern insgesamt besser mit der Situation geht. Wenn man dann feststellt, dass es dann doch auch ganz schön viele positive Situationen gegeben hat, die man sonst vergessen würde. Ich glaube, Eltern leiden weniger unter der Mediennutzung ihrer Kinder, wenn das so aufgeht, wie wir das jetzt hier beschrieben haben.
Moritz: Dokumentiertes Leid ist halbes Leid.
Ralf: Ja, oder so.
Moritz: Nein, ich glaube, es geht ja darum, dass Eltern im Prinzip in der Lage sein müssen, die Kinder meinetwegen bei der zeitlichen Begrenzung so zu begleiten, dass Kinder das annehmen können. Und ich glaube, das ist oft in dieser hitzigen. Da kommt einfach gar nichts bei raus. Es geht ja nicht darum, jetzt zu sagen, es ist alles schön, sondern es muss ja einfach ein objektiver Blick möglich sein.
Ralf: Und da ich das Ganze nur für mich selbst dokumentiere, kann ich das auch handschriftlich machen. Und es muss ja niemand anders lesen können.
Moritz: Und es wird auch besser verinnerlicht.
Ralf: Vielleicht auch das.
Moritz: Vielleicht auch das.
Ralf: Vielen Dank für die Anregung. Eine sehr schöne Idee, wie ich finde. Darf ich mit meiner Liste loslegen?
Moritz: Unbedingt.
Ralf: Passend zur letzten Folge, zu der wir. Wenn ich dich richtig verstanden habe, keine Rückmeldung bekommen haben, die wir hier diskutieren könnten?
Moritz: Ja, also Rückmeldung schon, aber jetzt nichts, was wir groß diskutieren können. Eine Rückmeldung haben wir über Instagram bekommen in Bezug auf den Effekt, dass es heute manchmal so zu sein scheint, dass Reichtum und Reichweite auf Social Media für sich genommen schon als Eigenschaften von Menschen wertvoll sind und unabhängig von anderen Eigenschaften eines Menschen. Und zwar hat uns jemand eine Beobachtung aus dem Jugendzentrum, nehme ich an, geschildert, dass Montana Black einfach als cool gilt. Also der Influencer oder Gamer, weil er einen Lamborghini fährt. Und das finde ich eine interessante Beobachtung, weil man Montana Black nicht unbedingt cool findet, weil er tolle Videos macht oder ein großer Künstler ist, sondern einfach, weil er in der Lage ist, sich so ein teures Auto zu leisten. Und das passt ja tatsächlich zu dem, was Joscha Bongard uns im Gespräch in der letzten Folge zum Film Baby Star berichtet hat.
Ralf: Und genau da setzt das an, was ich erzählen möchte. Im Film Baby Star ging es um Familien, Influencer bzw Influencerinnen, die ihren Familienalltag öffentlich machen. Dazu gibt es eine Studie des Leibnizinstitut für Medienforschung. Dort wurde untersucht, wie Kinder dort auf Social Media zur Schau gestellt werden.
Moritz: Von ihren Eltern?
Ralf: Genau. Demnach ist es wohl 1/3 der deutschen Familien, Influencerinnen und Influencer, die ihre Kinder in Postings erkennbar zeigen. Beschrieben werden die Kinder dort zum Teil als lebendige Requisiten, zum Teil als Statisten oder Statisten. Einige Kinder werden auch ganz deutlich in Szene gesetzt und übernehmen hier die Funktion als wichtige Werbeträgerin für ein im Moment ein breites Spektrum, das von Spielzeug und Kleidung bis hin zu Lebensmitteln, Drogerieartikel und Finanzdienstleistungen reichen kann. Die Studie die im Auftrag verschiedener Landesmedienanstalten entstanden ist, würde ich auf jeden Fall den Shownotes verlinken.
Moritz: Okay.
Ralf: Dann möchte ich ganz kurz eingehen auf die. Jetzt werde ich mich schon wieder verhaspeln. Bestandsaufnahme der Expert*innenkommission zum Kinder und Jugendschutz in der digitalen Welt.
Moritz: Gut gemacht.
Ralf: Ja, Du weißt, dass ich mit solchen Titeln meine Schwierigkeiten.
Moritz: Ich weiß das. Alle, die uns zuhören, wissen das aber wahrscheinlich nicht. Also es ist tatsächlich so, dass wir hier bei den Aufnahmen zum Podcast. Manche Passagen mehrere Male aufnehmen müssen, weil wir uns bei komplizierten Begriffen immer wieder versprechen. Beim ersten Mal finden wir das dann eigentlich immer noch ganz lustig. Beim zweiten Mal eigentlich auch. Und beim dritten Mal zumindest. Wenn ich mich verhaspeln, habe ich mir das Gefühl, dass du dann wahrscheinlich schon total genervt bist. Und das setzt mich dann so unter Stress, dass ich mich noch mehr verhaspelte.
Ralf: Geht mir ja nicht anders und ich bin gerade davon ausgegangen, dass jetzt genau das bei dieser Bestandsaufnahme wieder passiert.
Moritz: Ist es aber nicht.
Ralf: Nein. Zumindest sollte diese Bestandsaufnahme unter anderem eine Diskussionsgrundlage liefern, auf der dann die Politik diskutieren kann, ob beispielsweise ein Social Media Verbot für unter 16-jährige in Deutschland angebracht ist. Wir haben auch im Podcast schon mehrere Male gesagt, dass wir sehr gespannt auf die Ergebnisse dieser Kommission sind, die aus Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen besteht. Und man kann sagen, dass das, was dort zu lesen ist, zum großen Teil auch dem entspricht, was wir auch hier schon im Podcast mehrere Male gesagt haben. Einzig und allein Social Media mit Altersbeschränkungen zu begrenzen ist absolut unzureichend und geht an verschiedenen Punkten vermutlich auch zu weit. Professor Dr. Olaf Köller ist der Vorsitzende der Expertenkommission und wird in der Pressemitteilung wie folgt zitiert. Die Forschungslage ist relativ klar Nicht die Bildschirmzeit allein ist entscheidend, sondern welche Inhalte. Kinder und Jugendliche sehen, wie Plattformen gestaltet sind und wie gut Kinder und Jugendliche begleitet werden. Genau deshalb darf Medienbildung nicht dem Zufall überlassen werden. Sie muss verbindlich, altersgerecht und für alle Kinder und Jugendliche zugänglich sein und auch die Erwachsenen adressieren, die diese Kinder begleiten.
Moritz: So schön können wir es zwar nicht formulieren, aber inhaltlich trifft es ziemlich genau das, was wir hier eigentlich auch schon gesagt haben.
Ralf: Nadine Schön, ebenfalls Kovorsitzende, sagt Unsere Bestandsaufnahme macht deutlich wirksamer Kinder und Jugendschutz entsteht nur, wenn Regulierung, Bildung und technische Vorsorge zusammenwirken. Digitale Räume sind für Kinder und Jugendliche längst Lebensräume. Wir müssen sie so gestalten, dass Schutz und Teilhabe zusammengehen. Auf dieser Grundlage werden wir konkrete Empfehlungen erarbeiten.
Moritz: Es wirkt jetzt ein bisschen so, bisschen so, als hättest du nur die Pressemitteilung gelesen.
Ralf: Nein.
Moritz: Nein. Wir haben ja auch schon darüber gesprochen, bevor wir die Folge hier aufgenommen haben.
Ralf: Wir werden die Bestandsaufnahme auch in die Shownotes verlinken. Es wird jetzt in den nächsten Wochen auf Grundlage dieser Bestandsaufnahme eine Empfehlung ausgesprochen, die dann für weitere Diskussionen um Social Media Verbote sicherlich eine Rolle spielt. In der Bestandsaufnahme wird sehr deutlich, welchen hohen Stellenwert Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen hat. Wichtig finde ich, dass hier nicht nur die negativen Auswirkungen beschrieben werden, sondern an vielen Stellen ganz neutral dargestellt wird, wie bedeutsam vor allem Social Media-
Moritz: Sehr ausgewogen.
Ralf: -für junge Menschen ist, die ja in benachteiligten Verhältnissen zum Beispiel aufwachsen.
Moritz: Also als Chance zur Teilhabe.
Ralf: Genau. Gleichzeitig wird beschrieben, dass sich auch die Jugendlichen selbst als überfordert wahrnehmen. Es liest sich auf keinen Fall als eine in irgendeine Richtung dogmatisch oder polarisierende, wie soll ich sagen.
Moritz: Ja genau. Ja.
Ralf: Ich habe das Gefühl, dass es die ganzen Themen der letzten Monate aufgreift.
Moritz: Auf mich wirkt es auf jeden Fall auch, sagen wir mal, angenehm unaufgeregt.
Ralf: Ja.
Moritz: Was hast du noch?
Ralf: Eine Kleinigkeit noch. Signal wurde gehackt. Dabei ging es um einen Account von Bundestagsabgeordneten, unter anderem von der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Die Angreifer konnten Chats mitlesen. Und da wir beide hier Signal als gute Alternative zu WhatsApp feiern, dachte ich, wir sollten aus Transparenz gründen vielleicht auch das im Podcast erwähnen.
Moritz: Ich muss mich sehr zusammenreißen. Ich Ich würde ganz klar sagen, die Accounts, die wurden nicht gehackt. Also auch wenn das medial so dargestellt wurde.
Ralf: Sondern?
Moritz: Nein, also das was man üblicherweise Hacken nennt, ist, dass wenn es bei verschiedenen Diensten jetzt meinetwegen bei Signal eine Sicherheitslücke gibt, dass die dann von Hackern ausgenutzt wird. Und das war in diesem Fall aber anders. Also es war nicht so, dass es eine Sicherheitslücke gab, sondern es war so das Signal gar nichts dafür kann, sondern dass die Bundestagsabgeordneten Nachrichten bekommen haben, die angeblich von einem Signal Support oder sowas kamen. Und sie wurden dann aufgefordert QR Codes zu scannen usw und auf diese Weise wurde dann ermöglicht mit anderen Geräten sich anzumelden, die dann mitlesen konnten.
Ralf: Das heißt, das hätte verhindert werden können?
Moritz: Ja na klar. Also so wie man ja auch permanent Mails bekommt, wo dann irgendwelche Passwörter abgefragt werden. So Phishing, Mails und sowas. Und im Prinzip war es genau so, also kein Problem von Signal, sondern eher ein Problem der Menschen, die Signal ohne notwendige Medienkompetenz nutzen.
Ralf: Also in diesem Fall Abgeordnete des Deutschen Bundestags.
Moritz: Ja, was soll ich dazu sagen.
Ralf: Na dann belassen wir es einfach.
Moritz: Offensichtlich. Aber ganz ernsthaft Ich habe mich, als ich gelesen habe, dass es ein Signal Hack gibt. Da habe ich gedacht Was für ein Scheiß! Also das Signal dann doch unsicher ist, als ich dachte. Und als ich mich dann damit beschäftigt, habe ich festgestellt so, nein, das ist ja kein Hacking gewesen oder so, sondern es ist wirklich fehlendes. Ich weiß jetzt nicht, ob man sagen kann Medienkompetenz, aber ich glaube, da muss man tatsächlich einfach noch mal sagen, dass man da die Bundestagsabgeordneten, die es betroffen hat, noch mal viel besser schulen muss. Also, dass man da die Sensibilität also versteht. Ich glaube, es ist auf jeden Fall kein Hacking gewesen, sondern es ist eher wirklich eine gewisse Fahrlässigkeit bei den Menschen gewesen, die hier eine Phishing Attacke nicht erkannt haben. Und gleichzeitig ist es natürlich so, dass man sagen muss, dass das schon auch ein Problem ist, dass es da Geheimdienste oder irgendwen gibt, der da so viel Energie investiert, um Daten auszuspähen oder an Accounts zu kommen. Aber ähm, na ja.
Ralf: Was habe ich hier noch? Achso, das ist ja eigentlich auch egal bzw haben wir drüber gesprochen. Das war der Lambo von Monte. Da würde ich sagen.
Moritz: Da ist noch eine Notiz?
Ralf: Nein, das ist meine Anmoderation, in der steht, dass heute der 4. Mai ist.
Moritz: Aber ich habe das gemacht.
Ralf: Genau, da du die gemacht hast, ist das auch egal.
Moritz: Verstehe.
Ralf: Als Folge zum Weiterhören empfehle ich. "Weniger schimpfen. Mehr kommunizieren" vom 22. September 2025.
Moritz: An die Folge habe ich auch gedacht. Also der Empfehlung schließe ich mich an.
Ralf: Das ist die Folge, wo wir mit der Kommunikations und Stimmtrainerin Sophie Wassmund auch einige Ideen entwickelt haben, wie Konflikte mit Kindern zum Thema Mediennutzung konstruktiv geführt werden können.
Moritz: Eine sehr schöne Folge.
Ralf: Und damit kommen wir zum Schluss. Vielen Dank fürs Zuhören. Wir freuen uns wie immer über Rückmeldungen per Email an podcast@smiley-ev.de oder über unsere Social Media Kanäle und sagen Tschüss, bis zum nächsten Mal.
Moritz: Das nächste Mal bzw. Der nächste Medienerziehung Montag ist am 18. Mai 2026. Bis dahin. Tschüss.
Moritz: Weißt du, was wir in Zukunft machen? Wir dokumentieren nach jeder Folge, die wir aufgenommen haben-
Ralf: Was gut war.
Moritz: -wie zufrieden man mit sich selber und seinen ganzen Versprechern war.
Ralf: Willst du nicht mehr so hart mit uns sein.
Moritz: Das finde ich, bin ich so hart mit dir?
Ralf: Nein, ich mit mir. Mit dir.
Moritz: Mit uns selber? Ja, Wahrscheinlich.
Ralf: Weil man das Gute übersieht.
Moritz: Ja, das stimmt. Aber das war eine gute Folge. Schreibe ich mir gleich auf. Ciao.
Ralf: Ciao.