Transkript:
Moritz: Wir werden anders denken müssen als in den letzten 150 Jahren.
Ralf: Heute ist Montag, der 9. Februar 2026 und Zeit für eine neue Folge von Was mit Medienerziehung? Dem Podcast von smiley e.V., in dem wir aus unserer pädagogischen Arbeit mit Schulklassen, Eltern und Fachkräften berichten. Und anders als in der letzten Folge live vor Publikum beim Tag der Medienkompetenz in Hannover aufgenommen wurde, sitzen wir wieder bei meinem lieben Kollegen Moritz Becker in seiner Küche und haben eine spannende Folge vorbereitet. Mein Name ist Ralf Willius.
Moritz: Und ich bin besagter Moritz Becker.
Ralf: Fangen wir wie immer an mit den Rückmeldungen zur letzten Folge. Mir wurde mehrfach mitgeteilt, dass die Livesendung sehr gelungen war, aber eine konkrete Rückmeldung, die wir jetzt besprechen könnten, war bei mir nicht dabei. Bei dir?
Moritz: Ja, so sieht es bei mir eigentlich auch aus. Ganz kurz vielleicht eine Rückmeldung zur vorletzten Folge, als wir über Kinder und Jugendliche gesprochen haben, die auf WhatsApp verzichten können und dadurch in ihrem Alltag auch keinen Nachteil haben. Auf Spotify hat sich jemand bei uns bedankt. Ich lese vor. Danke, dass ihr das väterliche Privileg des nicht Nutzens von Chatgruppen und die Sekretärinnenfunktion der Mütter herausgestellt habt. Es scheint wohl wirklich so zu sein, dass das Betreuen von WhatsApp Gruppen, die mit der Freizeitgestaltung der Kinder zu tun hat, Ist wirklich Carearbeit in den Familien und damit nach wie vor traditionell wohl Aufgabe der Mütter.
Ralf: Naja, vielleicht könnte es ja auch ein Anlass sein, dass in der Familie mal über darüber diskutiert wird, wer sich um diese nervigen Gruppen kümmert.
Moritz: Genau das muss ja nicht so bleiben.
Ralf: Es muss ja nicht immer die Mutter sein.
Moritz: Genau. Wer die Folge noch nicht gehört hat, sollte das schnell nachholen.
Ralf: Okay, und was machen wir heute?
Moritz: Ich habe vorletzte Woche in Oldenburg im Rahmen einer Fortbildung eine interessante Diskussion geführt, wo es darum ging, ob die Nutzung von immer mehr künstlicher Intelligenz letztendlich dann dazu führt, dass wir Menschen irgendwann das Denken verlernen.
Ralf: Oh, finde ich einen guten Punkt. Ich möchte auf jeden Fall noch kurz über eine Doku sprechen, die ich glaube ich schon mal hier im Podcast auch erwähnt hatte. Und da geht es um die Risiken von Snapchat.
Moritz: Ah ja, das machen wir dann am Schluss.
Ralf: Genau.
Moritz: Ja, steigen wir ins Thema ein. Ich habe eine Fortbildung gestalten dürfen, bei der wir sehr viele unterschiedliche Fragestellungen diskutiert haben. Und unter anderem ging es dann darum, dass verschiedene Fähigkeiten, die vor ein paar Jahren noch wichtig waren, heute gar keine Relevanz mehr haben. Oder zumindest weniger. Beispielsweise Karten lesen oder sich in irgendwelchen fremden Städten zurechtfinden. Dass im Zeitalter von Navigationssystemen oder Google Maps oder was immer du da auf deinem Smartphone benutzt, nicht mehr so richtig wichtig.
Ralf: Ich würde ganz spontan sagen, dass die Fähigkeit, fehlerfrei zu schreiben, durch entsprechende Rechtschreibkontrollen auch weniger wichtig geworden ist. Wobei ich überlege gerade ähm. Also Rechtschreibung an sich ist dann ja vielleicht schon von gestern. Mittlerweile musst du gar nicht mehr großartig formulieren können, verschiedene KI Tools machen. Ich sag mal aus so ein paar Stichworten einen weitgehend vernünftigen Fließtext. Du musst dir keine Telefonnummern mehr merken, weil du die alle im Telefon gespeichert hast.
Moritz: Aber ich weiß immer noch Telefonnummern von Freundinnen und Freunden aus meiner Grundschulzeit.
Ralf: Das weiß ich auch noch. Das find ich total gut.
Moritz: Da wohnt wahrscheinlich gar keiner mehr.
Ralf: Die Eltern vielleicht noch. Oder so. Eigentlich musst du dir ganz vieles gar nicht mehr merken, was man vielleicht früher wissen musste, weil du ja im Prinzip alles nachschlagen kannst, was du so im Alltag brauchst. Es ist bestimmt noch mehr.
Moritz: Ja, gut, du konntest nachschlagen, schon immer, aber du hast irgendwie das Handy immer dabei.
Ralf: Ja, Fremdsprachen zum Beispiel. Du kannst dir alles übersetzen lassen.
Moritz: Stimmt. Du hast immer einen Übersetzer dabei. Und das ist eine ganze Menge, was das Gehirn heute nicht mehr leisten muss. Und wahrscheinlich noch viel mehr als das, was dir da jetzt spontan so eingefallen ist. Und die in der Fortbildung geäußerte Befürchtung ist, dass wir dann ja weite Teile oder wichtige Teile unseres Gehirns nicht mehr im Alltag trainieren und dass auf die Weise dann Menschen sich vielleicht irgendwann Dinge auch wirklich schlechter merken können oder vielleicht auch gar nicht mehr richtig nachdenken müssen und auch das Nachdenken verlernen.
Ralf: Glaubst du, dass das so ist?
Moritz: Ich glaube grundsätzlich, dass das Gehirn von uns Menschen sich dem Bedarf anpasst. Und das heißt, wenn du jetzt in der Steinzeit lebst und als Jäger und Sammler die ganze Zeit entscheiden musst, welche Früchte oder keine Ahnung, was man essen kann oder nicht oder so, dann hast du ein ganz anderes Wissen und brauchst auch ein anderes Wissen und musst auch schnell Dinge einschätzen können. Als jemand, der nach der Erfindung des Buchdrucks meinetwegen in so einem Lektorat arbeitet und Formulierungsfehler in Texten finden muss.
Ralf: Ja gut, aber zwischen der Steinzeit und der Notwendigkeit eines Lektorats liegen, was weiß ich wie viele Tausende von Jahren.
Moritz: Ja, genau. Und ich glaube, das ist halt der Punkt, dass die Digitalisierung und vor allen Dingen auch künstliche Intelligenz einfach sehr, sehr schnell über uns-
Ralf: Hereingebrochen ist?
Moritz: Ja, ja, das ist ein schönes Wort hereingebrochen, beschreibt es, weil wenn du mich fragst, habe ich ganz, ganz viele Möglichkeiten, die man heute mit künstlicher Intelligenz machen kann. Vor fünf Jahren, Und ich habe das nicht wirklich vermisst. Also vielleicht wäre ich auch gar nicht auf die Idee gekommen, an wie viele Stellen Gemini oder ChatGPT oder andere Sprachmodelle, also auch mir jetzt im Alltag helfen können. Und ich habe nicht gedacht, dass das so schnell gehen kann. Und vielleicht liegt es da auch in der Natur von uns Menschen, dass wir bei Neuerungen erstmal skeptisch sind, weil hereingebrochen. Das ist ja wirklich so ein.
Ralf: Brachial.
Moritz: So, ja auch nicht wirklich geil, Und wenn wir dann noch merken, dass Fähigkeiten, die, über die wir uns vielleicht sogar definieren, dass sie auf einmal nicht mehr so entscheidend sind und Menschen, die diese Fähigkeit nicht haben, die wir aber noch haben, mit einem ganz einfachen Werkzeug dann viel effizienter arbeiten können als wir, weil wir meinetwegen noch Texte selber formulieren können und das nicht unbedingt mit KI machen müssen. Aber andere können das halt nicht.
Ralf: Ja klar, das klingt jetzt ein bisschen so, als wären die Risiken für die menschliche Intelligenz durch künstliche Intelligenzen nicht so groß.
Moritz: Als ob ich das relativieren würde.
Ralf: Ja, so wie du es formulierst, klingt so ein bisschen so, als ob es eher eine Geschmacksfrage ist, ob man das Problem, ob man das für ein Problem hält oder nicht.
Moritz: Ja, also mir fallen jetzt ganz viele Risiken von künstlicher Intelligenz ein, wo ich wirklich das Gefühl habe, dass das für die Menschheit auch sehr ungut enden kann. Ich möchte jetzt erst mal bei dem Punkt bleiben, ob wir Menschen dadurch das Denken verlernen. Also also wenn du da jetzt zum Beispiel in die Geschichte guckst.
Ralf: Ja, genau. Ich weiß, was jetzt kommt.
Moritz: Wieso? Was denn?
Ralf: Du zitierst jetzt irgendwelche schlauen Leute, die vor irgendeiner Erfindung gewarnt haben und Jahre später war das dann gar nicht mehr so schlimm.
Moritz: Ja, du kennst mich gut.
Ralf: Ja.
Moritz: Pass auf, was ich hier rausgesucht habe. Platon hat, ähm. Ich habe es mir aufgeschrieben. Schätzungsweise 370 vor Christus in einer mythischen Erzählung dargestellt. Dass Schrift, also das Aufschreiben von Dingen mit Buchstaben, dazu führt, dass Menschen sich weniger merken können, weil sie sich Dinge aufschreiben, so wie ich in diesem Fall gerade. Außerdem können Menschen Dinge vorlesen und den Eindruck erwecken, als hätten sie etwas verstanden, was sie aber einfach nur vorgelesen haben. Und das sind ja ganz klare Risiken oder Nachteile des Schreibens und Lesens. Und wenn ich es richtig verstanden habe, ging es Platon nicht darum, dass Menschen jetzt nichts aufschreiben oder lesen sollen. Also das ist irgendwie auch eine gewisse ironische Arbeit gewesen, die er da geleistet hat, weil er hat in Schrift vor Schrift gewarnt. Ihm ging es eher darum. Zumindest glaube ich, dass es so zu interpretieren ist, dass obwohl wir schreiben und lesen können, wir weiterhin denken müssen. Und er nannte das aktiv mitdenken und kritisch lesen. Und das passt eigentlich ziemlich gut zur aktuellen Diskussion von KI.
Ralf: Das heißt die Fähigkeit des aktiven mitdenken. Das brauchst du auch, wenn du mit KI arbeitest.
Moritz: Ja, weil KI eine ganze Menge falsche Ergebnisse liefert. Ich habe hier auch eine Studie rausgesucht, die die Fehlerquote von ChatGpt und der ganzen Konkurrenz erforscht hat. Erschienen. Also ich lese das jetzt wieder vor. Ich habe sie nicht auswendig gelernt. Erschienen ist die Studie im Oktober 2025. Durchgeführt wurde sie von der Europäischen Rundfunktunion.
Ralf: Wer oder was ist das?
Moritz: Ähm, das habe ich mir jetzt nicht notiert, aber das finde ich hier ganz schnell. Ähm, äh, genau dahinter stecken 22 europäische Rundfunkanstalten. Geleitet wurde die Studie von der BBC.
Ralf: Sehr schön in Echtzeit für den Podcast recherchiert.
Moritz: Ja gut, ich hatte die Links ja noch offen, aber egal. Ein Beweis dafür, dass es überflüssig gewesen wäre, wenn ich es mir gemerkt hätte.
Ralf: Okay und was hat die Studie ergeben?
Moritz: Genau. Journalistinnen und Journalisten der beteiligten Rundfunkanstalten haben ChatGPT, Copilot, Gemini und Perplexity Getestet und mehr als 3000 Antworten überprüft. Wie genau die Antworten waren, also ob die Quellenangaben stimmten, inwieweit Meinung und Fakten voneinander getrennt ausgegeben wurden. Ich glaube, so kann man es ganz knapp zusammenfassen. Demnach gab es bei 45 % aller Antworten zumindest etwas zu kritisieren. Bei 31 % der Antworten waren die Quellenangaben fehlerhaft. 20 % waren auf problematische Art und Weise ungenau bzw hatten veraltete Informationen oder auch einfach erfundene Informationen.
Ralf: Hast du da ein Beispiel oder so?
Moritz: Ja, ein was ich ganz schön fand ist das zum Teil von den Chatbots behauptet wurde, dass Olaf Scholz der Bundeskanzler von Deutschland sei, obwohl zu dem Zeitpunkt der Studie Friedrich Merz bereits einen Monat oder so im Amt war.
Ralf: Ja gut, das weiß man ja. Das finde ich jetzt nicht so problematisch.
Moritz: Genau. Du weißt das. Das heißt, du stolperst darüber, weil du dich zumindest ein bisschen mit deutscher Politik auskennst. Ich befürchte aber, dass das eine ganze Menge andere Informationen gibt, wo wir beide nicht darüber stolpern würden und wüssten unter Umständen nicht, dass die Sachen vielleicht doch relativ aktuell sein sollten oder so.
Ralf: Okay, das stimmt. Und im Prinzip ist es genau das, was Platon gesagt hat. Wie hattest du es formuliert?
Moritz: Kritisch lesen und aktiv mitdenken.
Ralf: Das heißt, man muss im Prinzip mit einer gewissen Sensibilität idealerweise erkennen, an welchen Stellen Informationen man aktuell sein muss. Wenn ich mich jetzt informieren möchte über irgendeinen Sachverhalt, der keine Ahnung zehn Jahre zurückliegt, ist vielleicht nicht mehr ganz so problematisch mit den aktuellen Quellen.
Moritz: Wir haben doch in der einen Folge darüber gesprochen, dass ChatGpt idealerweise keine Suchmaschine sein sollte.
Ralf: Ja, das war die Folge. Ich habe hier ja eine Liste was für Jugendliche, ne: "Was ChatGPT für Jugendliche nicht ist" vom 1. Dezember 2025. Und da haben wir auf jeden Fall gesagt, dass ChatGPT keine Suchmaschine ist, sondern eher so eine Art Assistent.
Moritz: Und da hätte ich jetzt die nächste Sorge, die im Raum stand, als etwas erfunden wurde. Als vor keine Ahnung wie viel Jahren in Schulen Taschenrechner eingeführt wurden, gab es die Sorge, dass Kinder nicht mehr rechnen lernen.
Ralf: Aber ich glaube, das ist auch so, dass Kinder viel weniger rechnen können als zu der Zeit, als es noch keine Taschenrechner gab.
Moritz: Ja oder rechnen müssen?
Ralf: Ja klar. Aber wenn ich jetzt deine Argumentation folge, ist es auch nicht sinnvoll, alles schriftlich oder im Kopf zu rechnen, wenn man einen Taschenrechner hat.
Moritz: Ja, genau so würde ich das sehen. Also wenn du realistischerweise auf einen Taschenrechner zurückgreifen kannst, ist es nicht so richtig schlau, alles im Kopfrechnen zu wollen oder zu können. Und du kannst. Heute wird in der Schule beispielsweise Mathematik. In der Oberstufe werden Dinge behandelt. Das wäre in den 90er Jahren ohne, weil es die ganzen Apps und Taschenrechner gar nicht gab, überhaupt nicht möglich gewesen. Also ich will dich jetzt nicht zu sehr gruseln, aber ich habe noch gelernt komplette Kurvendiskussionen mit Ableitungen und keine Ahnung wie Kram heißt auf Papier durchzuführen. Heute kannst du das an einen Taschenrechner delegieren und kommst so im Ergebnis viel weiter. Also während wir noch mit Rechnern beschäftigt waren, sind die Kinder heute dabei, das Errechnete anzuwenden, was ja eigentlich viel schlauer ist.
Ralf: So gesehen ist ein Taschenrechner eigentlich auch nur etwas wie ein Assistent.
Moritz: Ja.
Ralf: Und das war das, was wir in unserer Folge zu Chats gesagt haben. Das ChatGPT oder generell KI in irgendeiner Form ein Assistent ist, der uns Aufgaben abnimmt.
Moritz: Und dadurch, dass wir uns mit viel mehr Assistenten umgeben als früher, müssen wir nicht mehr das können, was die Assistenten können. Wir müssen den Assistenten aber möglichst genau mitteilen, was sie zu tun haben. Und dabei brauchen wir ein Gefühl dafür. Also das ist alles Denken. Das ist auch eine Form von Denken, was wir jetzt lernen müssen, dass wir vorher schon wissen, was erwarten wir als Ergebnis, um zu erkennen, dass es nicht kompletter Müll ist? Also ich glaube nicht, dass es erstrebenswert ist zu sagen, ich mache lieber alles selber im Gehirn, als dass ich delegiere.
Ralf: Ich finde, das ist ein spannender Punkt. Delegieren ist etwas, was Menschen lernen müssen.
Moritz: Genau. Und wenn du jetzt als Vorgesetzter in einem Unternehmen Aufgaben an Mitarbeitende delegierst, dann musst du das nicht alles selber machen, weil es auch andere können. Du musst am Ende entscheiden. Und ich glaube nicht, dass man sagen würde, der Chef oder die Chefin verblödet, weil sie nicht alles selber macht. Das Entscheidend ist das Eigentliche, was dann das Gehirn leisten muss. Und wir sind vielleicht so etwas wie Vorgesetzte von verschiedenen Geräten, die mehr oder weniger künstlich intelligent sind. Das geht beim Taschenrechner los, geht beim Thermomix weiter. Also ich habe jetzt keinen Thermomix, aber wenn man einen hat. Und endet dann meinetwegen bei Auto oder ChatGPT. Und das erfordert aktives Mitdenken, um jetzt Platon zu zitieren Und das erfordert auf jeden Fall, dass wir Menschen denken und dazu unser Gehirn benutzen. Also dieses Delegieren ist eine ganz andere Form von Denken als selber machen.
Ralf: Ja, aber stumpf auswendig lernen, spontan etwas zu wissen, ohne googeln zu müssen, muss man eigentlich nicht mehr.
Moritz: Ich glaube, dass viele Dinge im Alltag aber trotzdem schneller gehen, wenn du gewisse Dinge immer noch selber kannst. Also du willst ein Brett an die Wand schrauben und möchtest auf einer Länge von 1,2 Meter also das Brett ist eins 2 Meter lang drei Bohrlöcher setzen, dann ist es gut, dass du sofort ausrechnen kannst, ohne einen Taschenrechner zu holen, wo du da jetzt bohren musst.
Ralf: Ja, 40 Zentimeter Abstand zwischen.
Moritz: 30.
Ralf: 120 geteilt durch 3 ist 40.
Moritz: Aber du willst die Bohrlöcher jetzt nicht direkt auf die Außenkanten setzen. Wahrscheinlich sind es auch nicht 30 Zentimeter Abstand, also willst du nicht genau so. Vielleicht 10 Zentimeter.
Ralf: Wir sind ja auch gar kein Heimwerker Podcast.
Moritz: Nein, aber schon bei dieser einfachen Anwendung ist entscheidend, welchen Prompt du in die KI eingibst und welche Aufgabe in dem Fall du an den Taschenrechner delegierst. Gefühlsmäßig sagst du, du brauchst drei Löcher, also teilst du 120 durch. Egal, vergiss es.
Ralf: Okay, ein Taschenrechner muss man bedienen können, Rechnen nicht mehr so gut wie vor der Erfindung des Taschenrechners. Und das macht den Alltag produktiver. Und durch das Bedienen wird das Gehirn ja dann auf andere Art und Weise strapaziert, oder?
Moritz: Ja, wenn es gut läuft, schaffst du im Ergebnis mehr. Und das ist bei jeder Erfindung so! Autos waren schneller als Pferdegespanne. Pferdegespann waren schneller, als wenn man nur zu Fuß unterwegs war. Und bevor die Menschen das Laufen erfunden haben, sind sie halt überhaupt nicht schnell vorangekommen.
Ralf: Genau. Das Laufen erfunden. Aber zurück zum Thema. Moritz, ich glaube, was Menschen heute viel besser können als müssen als früher, ist mit Informationen, die plausibel klingen, Kritisch umzugehen. Wenn ich hier auf meine Liste gucke, auf der alle Podcastfolgen zu finden sind, ist der Umgang mit Falschnachrichten, Desinformationen oder gefälschten Informationen ständig Thema. Zum Beispiel.
Moritz: Ich glaube, das ist eine ganz große Herausforderung, die mittlerweile für ganz viele Bereiche nicht nur von KI, sondern auch Social Media gilt. Ich habe das Gefühl, dass sich auf Instagram oder Tiktok mittlerweile mehr Videos sehe, wo irgendwelche Hamster auf Trampolin springen oder Hunde sprechen können oder irgendwelche Flugzeuge irgendwo spektakulär landen.
Ralf: Autos auf glatten Straßen um her schlittern oder irgendwelche Schiffe spektakulär vor irgendwelchen Stapeln laufen.
Moritz: Oder in Dubai irgendwelche Pools im hundertste Stock platzen.
Ralf: Und und und.
Moritz: Ja, genau.
Ralf: Die Sachen, die wir gerade aufgezählt haben, sind eigentlich doch relativ einfach als KI generiert zu erkennen.
Moritz: Ja, aber nur wenn du dich damit auskennst.
Ralf: Ja, es ist so wie die Geschichte mit Olaf Scholz und Friedrich Merz. Wenn du dich auskennst, stolperst du zwangsläufig über entsprechende Sachen. Und im Fall von Hasen mit Trampolin weiß ich nicht.
Moritz: Aber ich glaube, die Sachen leben davon, dass sie echt wirken. Und es wird auch bewusst nicht dazugeschrieben, dass es sich um eine KI generierte Darstellung handelt Und diese ganze Kultur mit irgendwelchen seltsamen, spektakulären Videos auf Social Media lebt davon, dass die Menschen das glauben. Zumindest habe ich den Eindruck, dass Menschen das glauben, wenn ich die ganzen Kommentare lese.
Ralf: Ja, auch hier brauchen wir so eine Art ganz andere Form von kritischem Denken als noch-
Moritz: Schon wieder Platon.
Ralf: -vor ein paar Jahren ja, also vor ein paar Jahren waren fotorealistische Darstellungen nur mit unglaublich viel Aufwand so gut gefaked, dass die Leute nicht ansatzweise so gut wie heute. Und da sehe ich eigentlich das Problem, dass die Technik sich ja im Moment viel schneller weiterentwickelt, über uns hinein bricht, sozusagen als unsere Fähigkeiten, damit entsprechend umzugehen.
Moritz: Ja, noch mal den Vergleich mit dem Manager, der Aufgaben delegiert.
Ralf: Oder Managerin.
Moritz: Ja, ich glaube, dass wir zum Teil im Moment noch an die falschen digitalen Hilfsmittel delegieren. Also weißt du, das wäre so, wenn du versuchst, mit dem Thermomix zu googeln. Okay, das passiert, wenn du mit Social Media dich informieren möchtest.
Ralf: Ja, ich bin mittlerweile der Meinung, dass Social Media in erster Linie Unterhaltung ist. Natürlich erfährst du auch irgendwelche Sachen, die dann so gesehen auch Fakten sind. Aber du musst kritisch mitdenken und dich und dich nicht berieseln lassen.
Moritz: Ich glaube, das machen die Leute.
Ralf: Ja, genau. Viele Menschen fühlen sich aber informiert, obwohl sie eigentlich nur unterhalten werden.
Moritz: Aber was strenggenommen auch kein so neues Phänomen ist. Also zum Beispiel ein klassisches Medium Spielfilme. Da war das auch immer schon so. Spielfilme sind aus meiner Sicht eine Inszenierung und basieren deshalb nicht zwangsläufig auf Fakten, sondern sehr wahrscheinlich auf Fiktion. Und eigentlich wissen wir das. Und trotzdem verschwimmt auch in diesem Genre Informationen und Unterhaltung. Hast du den Film Bohemian Rhapsody gesehen?
Ralf: Ja, habe ich. Und ich weiß auch, dass du da schon mal drüber gesprochen oder gestritten haben. Also mir der Film gut gefallen.
Moritz: Gestritten haben wir.
Ralf: Ja. Ja, ja, weil mir der Film gut gefallen hast. Und du warst richtig, richtig wütend. Ja, aber das liegt daran, dass du so ein Musiknerd.
Moritz: Nein. Also in dem Film wird es so dargestellt, als hätte Freddie Mercury, der Sänger der Band Queen, Mitte der 80er Jahre seine Aids Diagnose bekommen und die Band hätte sich wieder zusammengerauft und das legendäre Band Aid Konzert gespielt.
Ralf: So war es aber nicht.
Moritz: Nee, war's nicht. Ich hatte irgendwann mal gelesen, dass die Band zwar über Jahre nicht so richtig zusammengearbeitet hat, aber dass es keine konkrete Auflösung in der Form gab. Auch, dass die Aids Diagnose erst viel später auch Freddie Mercury bekannt war.
Ralf: Ja gut, aber dramaturgischen Gründen haben die sich jetzt halt entschieden, das im Film ganz anders darzustellen.
Moritz: Aber das haben sie nicht gesagt.
Ralf: Weil du dich für Biografien interessierst ist dir das aufgefallen.
Moritz: Genau und das ist der Punkt.
Ralf: Aber letztlich sollte der Film auch keine Dokumentation sein. Sondern ein Spielfilm und eigentlich auch sehr berührend.
Moritz: Aber ich kann mir vorstellen, dass es jetzt Menschen gibt, die denken, dass der zeitliche Ablauf so war, wie im Spielfilm dargestellt. Es ist absolut legitim, aus dramaturgischen Gründen gewisse Dinge wegzulassen. Keine Frage ist Kunstfreiheit, ist mir alles scheißegal. Aber in dem Moment, wo jemand diesen Film sich anguckt und denkt Ah, jetzt weiß ich was über Queen oder Freddie Mercury oder so, dass ich finde, ich will mich hier gar nicht so aufregen. Ich hab mich ja schon oft genug aufgeregt.
Ralf: Aber im schlimmsten Fall weiß er vielleicht auch noch weniger als vorher. Das meine ich ja. Und das ist genau das gleiche. Wenn ich auf TikTok oder Instagram unterwegs bin und mir einbilde, mir gerade mich gerade informiert zu haben, obwohl ich nur lauter KI Unterhaltung konsumiert habe. Genau da fehlt uns die Fähigkeit des kritischen Denkens. Hattest du oder hatte Platon gesagt.
Moritz: Das kritische Mitdenken oder aktive Mitdenken und das. Das können unsere Gehirne vielleicht nicht so, wie sie es können müssten, aber es ist auch eine Form von Denken.
Ralf: Überfordert das unser Gehirn nicht?
Moritz: Na und das ist doch ein ganz spannender Punkt in unserer Diskussion gerade. Wir stellen gerade fest, dass man nicht das Denken verlernt. Durch immer mehr Digitalisierung, Social Media und KI. Sondern dass wir anders denken lernen müssen, also weiterhin denken müssen. Und da stellst du jetzt die Frage, ob unsere Gehirne dann überfordert sind. Also das genaue Gegenteil von Denken verlernen. Und ich glaube, dass dazu kommt, dass im Moment ganz viele KI Tools ganz besonders schlecht sind und Social Media auch. Und vielleicht werden die irgendwann mal besser.
Ralf: Wäre schön!
Moritz: Ja, das weiß ich nicht genau. Im Moment geht da, glaube ich, wahnsinnig viel schief. Und ich habe auf Instagram zum Beispiel gelesen, dass Britney Spears vorhat, in nächster Zeit nur in Großbritannien und Österreich aufzutreten.
Ralf: Da stellen sich mir jetzt zwei Fragen. Zum einen Warum interessierst du dich für Britney Spears und zweitens Warum ausgerechnet Österreich?
Moritz: Also ich interessiere mich nicht wirklich für Britney Spears.
Ralf: Genau.
Moritz: Aus irgendwelchen Gründen. So. Nein. Der Algorithmus ist so abgebogen, dass ich auf einmal solche Videos kriege, habe ich mir die angeguckt und was weiß ich. Und man muss auch lernen, sich irgendwann nicht mehr dafür zu schämen, was einem so beim Doomscrollen aufs Display gespült. Okay, also da ich stehe, dass ich mit. Die Frage nach Österreich ist die eigentlich interessante. Es handelte sich bei dem Text, den ich da gelesen habe, um eine KI Übersetzung und es ist Quatsch. Also Britney Spears plant ihr Comeback außerhalb der USA und zwar in Großbritannien und Australien. Das KI Übersetzungstool, das den Text übersetzt hat, arbeitet aber anders als klassische Übersetzungssoftware, die Wort für Wort übersetzt eben wie es KI macht, nach Wahrscheinlichkeiten. Und ich befürchte, dass diese KI sehr oft mit dem typischen Übersetzungsfehler Australia gleich Austria gleich Österreich trainiert wurde. Aber Gott sei Dank habe ich das rechtzeitig gemerkt, bevor ich mir jetzt Konzertkarten in Wien kaufen wollte oder so.
Ralf: Da bin ich ja beruhigt. Aber wo wir gerade von Peinlichkeit reden und dabei Peinlichkeit sind, wollte ich dich hier mal was zeigen.
Moritz: Oh.
Ralf: Für die Zuhörenden möchte ich kurz erklären Ich habe meinem Kollege Moritz gerade ein Foto gezeigt, was mir ein Nachbar vor ein paar Tagen zugeschickt haben, als die Straßen so glatt waren. Und auf dem Foto sieht man mein Auto, wie es an der Stelle parkt, wo ich es am Abend vorher abgestellt hatte. Der Kotflügel ist ein Scheinwerfer, komplett zersplittert und die Stoßstange zerkratzt.
Moritz: Und da du mir dieses Bild hier zeigst und ich auch weiß, dass du in den letzten Wochen keinen Verkehrsunfall hattest, nehme ich an, dass dieses Bild eine Manipulation ist.
Ralf: Ja, genau. Und mein Nachbar ist mir mit den Worten Da ist so jemand in deinen Wagen gerutscht zugeschickt.
Moritz: Und hast du es geglaubt?
Ralf: Ich habe einen riesen Schreck bekommen.
Moritz: Ja, wenn du dir das Bild anguckst, also dann stellt man fest, dass das so nicht gewesen sein kann. Es sind keine Scherben auf der Straße zu sehen, obwohl der Scheinwerfer komplett kaputt ist. Das Auto steht auch absolut gerade in der Parklücke und auch wenn ich kein Gutachter bin, glaube ich nicht, dass es möglich ist, in ein parkendes Auto so reinzurutschen, es so zu beschädigen, ohne dass es nicht auch zur Seite geschoben werden würde. Es sind auch noch nicht mal Spuren zu sehen, die darauf hindeuten, dass ein anderes Auto das sind. Neuschnee um dein Auto rum.
Ralf: Ja Moritz, im Nachhinein weiß ich das auch. Aber in dem Moment habe ich es erst mal geglaubt. Mein Nachbar hat das halt mit KI erstellt.
Moritz: Und dann hat er es dir per WhatsApp oder so geschickt.
Ralf: Ja, genau. Übrigens hat sich ChatGPT geweigert, ein solches Bild zu manipulieren. Mit Gemini hat es wohl sehr gut funktioniert.
Moritz: Okay und du hast das geglaubt?
Ralf: Ja, obwohl es eigentlich gar nicht so gut gemacht ist, wie du gerade gesagt hast.
Moritz: Ja, weil du. Oder mal ganz anders gefragt Was war die Quelle von dem Foto?
Ralf: Gemini.
Moritz: Nein. Ich meine die Quelle für dich?
Ralf: Für mich?
Moritz: Ja.
Ralf: Ja. Der Nachbar hat mir gesagt, dass die Quelle Gemini war.
Moritz: Nein, die Quelle war dein Nachbar.
Ralf: Aber der hat es mit Gemini erstellt.
Moritz: Ja, aber so wie du es mir gerade gezeigt hast, hat er dir das Bild ohne Verweis auf Gemini per WhatsApp geschickt. Und somit war die Quelle der WhatsApp Chat von deinem Nachbarn.
Ralf: Okay, jetzt verstehe ich, worauf du hinaus willst. Das ganze hätte nicht funktioniert, wenn er mir einen Screenshot geschickt hätte, wo ich sehe, dass er das mit KI gemacht hat.
Moritz: Genau.
Ralf: Er hat im Prinzip den Eindruck erweckt, dass durch das Zusenden des Fotos per WhatsApp der vermeintliche Unfall, der stattgefunden hat.
Moritz: Und das ist. Das ist eine ganz andere Situation als das, was wir vorhin hier diskutiert haben. Das hat nur funktionieren können, weil du deinem Nachbarn vertraut hast.
Ralf: Aber was man vielleicht auch nicht übersehen darf, ist, dass ich in dem Moment, als ich das Foto zugeschickt bekommen habe, erst mal gedacht habe.
Moritz: Klar. Dein Auto ist kaputt. Du brauchst das, musst damit zur Arbeit und so und ich glaube, in dem Moment funktioniert dein ganzes Wissen über Quellenkritik, KI usw Das funktioniert dann nicht, weil du emotional betroffen warst. Und diese ganzen Einordnungen, die wir jetzt vorhin vorgenommen haben, kann da nicht stattfinden und von daher brauchst du dich da jetzt vielleicht auch gar nicht so sehr über dich zu ärgern. Ich hätte es wahrscheinlich auch geglaubt.
Ralf: Danke, Aber du hast schon recht. Gerade weil ich so angewiesen war auf das Auto. Ich hatte schon geplant, wann ich wo und wie ich es mir leihen kann.
Moritz: Und genau das wäre ein Punkt, wo ich sehr gespannt bin, ob unser Gehirn das irgendwann kann. Dass wir in stressigen Situationen instinktiv Menschen misstrauen, denen wir eigentlich vertrauen. Also ich glaube nicht, dass das geht. Ich glaube, das ist auch gar nicht erstrebenswert. Also das heißt, dass man wirklich verarscht wird auf diese Art und Weise.
Ralf: Wobei man schon fairerweise sagen muss, mein Nachbar hat im Nachhinein doch schon ein etwas schlechtes Gewissen.
Moritz: Ja, ich kenne den Nachbarn auch. Ich weiß das. Ich bin sicher, dass er ein schlechtes Gewissen hat. Aber ich glaube, insgesamt, wenn man das jetzt alles zusammenfasst, werden wir das Denken nicht verlernen durch Digitalisierung. Wir werden anders denken müssen als in den letzten 150 Jahren. Und das ist einfach eine riesengroße Herausforderung.
Ralf: Ja, für für Eltern, für Schule.
Moritz: Und auch für uns selber.
Ralf: Klar!
Moritz: Weil wir hier nicht über die Zukunft reden, wo wir Gehirne brauchen, die mit all diesen Dingen umgehen können. Sondern über das Jetzt. Weil es ist ja jetzt so, dass die Digitalisierung und KI so schnell. Was hast du gesagt?
Ralf: Über uns herein gebrochen ist.
Moritz: Und deshalb müssen unsere Kinder eines Tages besser denken können als wir. Ich glaube, wir müssen uns nicht Gedanken machen, ob wir jetzt alle das Denken verlernen oder so, sondern wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir anders denken lernen müssen. Also nicht nur Kinder und Jugendliche in der Zukunft, sondern wir auch jetzt. Und ich glaube, dass wir uns da jetzt auf den Weg machen müssen, das alles zu lernen. Also möglichst schnell eigentlich dieses Denken lernen. Und ich glaube nicht, dass unser Gehirn dadurch verkümmert. Und ich glaube auch, dass es weiterhin so sein wird, dass wir gerne ein Gehirn haben, das sich Sachen merken kann und all sowas. Weil das Spiel Hitster, Du kennst das.
Ralf: Ja klar!
Moritz: Das ist unglaublich beliebt. Und da geht es im Prinzip um nichts anderes, als möglichst schnell einen Song zu erkennen, den Interpreten zu wissen, dann noch ungefähr die Jahreszahl einschätzen zu können, wann der Song erschienen ist. Und dieses Spiel ist so unglaublich erfolgreich zurzeit, weil ich glaube, dass wir Menschen unsere Gehirne. Also wir mögen das, dass wir etwas schnell wissen. Das gibt uns ein gutes Gefühl. Und deshalb glaube ich, dass wir weiterhin gerne auch diesen Teil des Gehirns benutzen.
Ralf: Klar, man könnte Hitster auch mit Chazam Unterstützung spielen und vielleicht gewinnen, aber das würde halt keinen Spaß machen.
Moritz: Genau das probiere ich mal aus.
Ralf: Gut, ich wollt noch kurz mit dir über eine Fernsehsendung sprechen, die ich sagte schon gerade auf RTL wiederholt wird. Und zwar geht es um die Sendung Angriff auf unsere Kinder. Der Feind im Chat, bei dem die Risiken von Snapchat dargestellt werden.
Moritz: Also auf die Sendung werde ich auch relativ häufig angesprochen. Ich habe sie selber nicht gesehen. Du hast mir mal davon erzählt.
Ralf: Ich habe sie gesehen und es passt so ein bisschen zu dem, was wir schon oft besprochen haben. Hier wird auch wieder ganz viel mit Angst von Eltern gearbeitet, obwohl gleichzeitig natürlich die Risiken realistisch sind, die dort passieren können, keine Frage.
Moritz: Aber ich meine genau, ich glaube, die Risiken gibt es.
Ralf: Ja, klar. Aber nach meinem Gefühl ist es so, dass sich dort Menschen maximal riskant verhalten. Also in der Sendung, in diesem Fall also die Leute, die so tun, als wären sie 13. Und ganz offensichtlich an vermeintlich kriminelle Erwachsene geraten. Und das ist etwas, was ich eigentlich unseriös finde, weil ich denke, dass die meisten Jugendlichen in Snapchat, die es nutzen, sich ganz anders verhalten. Also nicht so riskant.
Moritz: Ja.
Ralf: Und jetzt befürchte ich, dass Eltern diese Sendung gesehen haben, Snapchat nicht kennen oder vielleicht erst durch diese Doku wirklich kennengelernt haben. Die Kinder fragen Sag mal, kennst du Snapchat? Und die Kinder sofort? Ja, das habe ich ja dann geraten in Panik. Unter Umständen, weil sie die Sorge haben, dass dem eigenen Kind auch gleich das passiert.
Moritz: Das kann doch auch passieren. Das kann doch auch dem eigenen Kind.
Ralf: Aber bei den meisten Fällen wird das nicht so sein.
Moritz: Aber es geht doch-
Ralf: Die meisten Kinder nutzen das sehr bewusst. Sie wissen, wie riskant öffentlicher Account ist und haben nämlich jede Kontakt.
Moritz: Ja, aber. Aber es kann doch trotzdem sein, dass sie sich trotzdem auch meinetwegen so riskant verhalten.
Ralf: Ja, aber die meisten machen das nicht. In der Sendung gibt es jetzt keine so wirklich eindeutige Studien.
Moritz: Okay. Okay, ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich die Sendung nicht gesehen habe und jetzt auch nicht weiß, wie journalistisch sauber da gearbeitet wurde. Aber ich erlebe gerade in den Fortbildungen mit den Jugendhilfeeinrichtungen, also wenn ich da mit Fachkräften aus stationären Einrichtungen arbeite, dass es Jugendliche gibt, die und das genau. Das ist genau der Punkt. Die wissen, wie riskant, dass es sich so zu verhalten. Aber gerade deshalb machen sie das, weil die wollen unter Umständen um jeden Preis mit irgendwem zu tun haben. Und denen ist dann auch klar, dass da unter Umständen vielleicht irgendwelche Kriminellen dahinter stecken. Aber es ist immer noch besser als kein Kontakt.
Ralf: Ja, mag ja sein, aber diesen Eindruck habe ich nicht. Also zumindest nicht in den Workshops, in denen wir mit Kindern und Jugendlichen mit Jugendlichen reden.
Moritz: Das würde ich genauso sehen. Ich glaube, die allermeisten Kinder und Jugendlichen, die sich über die Risiken von Snapchat bewusst sind, verhalten sich nicht so wie diese, meinetwegen Lockvögel in Anführungsstrichen. Aber es gibt auch Jugendliche, die das machen.
Ralf: Ja, klar.
Moritz: Und ich glaube, das macht einen großen Unterschied, ob jemand nicht weiß, wie gefährlich das sein kann oder ob jemand das, also jemand dann aus Naivität in die nächste Falle tappt oder ob jemand ganz bewusst sich so riskant verhält.
Ralf: Ja, aber trotzdem bleibe ich dabei, dass ich glaube, dass die meisten Kinder und Jugendliche Snapchat nicht so riskant nutzen.
Moritz: Ja, das bedeutet aber wieder wie so oft bei uns im Podcast, dass Eltern wissen müssen, was die Kinder online suchen. Das heißt, wenn das Kind auf der Suche nach möglichst riskanten Kontakten aus welchen Gründen auch immer ist, braucht das Kind eine andere Begleitung als meinetwegen bei Kindern, die wo man davon ausgehen kann, dass das Wissen über das riskante Verhalten dazu führt, dass sie sich besser nicht riskant verhalten.
Ralf: Ja und obwohl Snapchat schon so lange am Markt ist, habe ich das Gefühl, dass immer noch viele Eltern und Fachkräfte gar nicht wissen, was das eigentlich ist.
Moritz: Das glaube ich auch. Die meisten Social Media Plattformen haben es irgendwann geschafft, dass sie dann auch von Erwachsenen genutzt wurden, was manche Prozesse in der Erziehung dann einfacher macht. Das ist auf jeden Fall bei Facebook oder Instagram so gewesen.
Ralf: Aber Snapchat ist immer noch Jugendkultur.
Moritz: Ja, krass eigentlich.
Ralf: Wie wäre es, wenn wir mal eine Folge zum Thema Snapchat machen, so wie wir das bei Roblox, TikTok, Discord und so gemacht haben.
Moritz: Also so was wie Was ist eigentlich Snapchat?
Ralf: Genau.
Moritz: Okay, finde ich gut. Ich glaube, das wird noch ein bisschen dauern, weil ich noch so viele andere Ideen habe. Aber vor Ostern kriegen wir das auf jeden Fall noch unter.
Ralf: Für heute verabschieden wir uns, freuen uns über Rückmeldungen per Mail an podcast@smiley-ev.de, über Social Media Kanäle oder direkt bei Spotify.
Moritz: Als Folge zum Weiterhören würde ich sagen. Nehmen wir die Folge, "Was ChatGPT für Kinder und Jugendliche nicht ist".
Ralf: Sehr gute Idee!
Moritz: Und dann sagen wir Tschüss. Bis zum nächsten Mal.
Ralf: Auf Wiederhören.
Moritz: Tut mir leid, wenn ich dir jetzt eben bei dieser Snapchatgeschichte so ins Wort gefallen bin, aber ich glaube, es gibt wirklich Kinder und Jugendliche, die sich so verhalten.
Ralf: Gerade im Jugendhilfebereich wird das.
Moritz: Wo ich absolut bei dir bin, ist, dass dieser diese Sendung wahrscheinlich den Eindruck erweckt, dass das alle Kinder so machen.
Ralf: Und das macht Angst
Moritz: Und Angst ist halt einfach kein guter-
Ralf: Begleiter.
Moritz: Begleiter genau.