Transkript:
Ralf: Wie 2024 nutzen wir die letzte Folge des Jahres für einen Jahresrückblick, um auf das, was uns besonders beschäftigt hat, in Hinblick auf Medienerziehung zurückzuschauen.
Ralf: Herzlich willkommen zur letzten Ausgabe des Jahres unseres Podcast "Was mit Medienerziehung". Der Podcast von Smiley e.V.. Heute ist der 29. Dezember 2025. Mein Name ist Ralf Willius und mir gegenüber sitzt mein Kollege Moritz Becker.
Moritz: Herzlich willkommen! Der Verein Smiley e.V. arbeitet mit Schulklassen, Eltern und Fachkräften zum Thema Medienkompetenz bzw Medienerziehung. Und in diesem Podcast besprechen wir alles das, was in Workshops, Elternabenden und Fortbildungen zu kurz kommt.
Ralf: Und ohne drumherum zu reden. Das Jahr 25 geht langsam zu Ende. Das stimmt. Wie 2024 nutzen wir die letzte Folge des Jahres für einen Jahresrückblick, um auf das, was uns besonders beschäftigt hat, in Hinblick auf Medienerziehung zurückzuschauen.
Moritz: Ich persönlich, das darf ich vielleicht noch mal kurz sagen, Du weißt es. Ich finde Jahresrückblicke anstrengend, überflüssig und nervig, aber es gehört offensichtlich dazu. Von daher.
Ralf: Vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig.
Moritz: Ob ich es mag ?
Ralf: Denn ich mag es. Ja, ich mag Jahresblöcke. Und was viel wichtiger ist Unser Publikum mag Jahresrückblicke. Denn die Folge vom letzten Jahr, also der Rückblick 2024, ist tatsächlich die am häufigsten gehörte Folge unseres kleinen Podcasts hier.
Moritz: Ist das so?
Ralf: Ja.
Moritz: Dann will ich mich nicht weiter beklagen. Außerdem haben wir es ja auch vorbereitet. Was soll's. Kommen wir zu den Ereignissen, die uns im Hinblick auf Medienerziehung 2025 besonders beeindruckt und vielleicht auch geprägt haben.
Ralf: Also unsere Top drei, sozusagen.
Moritz: Die Top drei der relevanten Ereignisse zum Thema Medienerziehung, definiert von Moritz und Ralf. So gehört sich das für einen anständigen Podcast.
Ralf: Okay, möchtest du beginnen?
Moritz: Ja, also bei mir auf Platz drei ist der Umgang mit Verboten der privaten Smartphone Nutzung an weiterführenden Schulen. Wir haben dazu auch zwei sehr ausführliche Podcastfolgen gemacht. Einmal mit Argumenten für Verbote der privaten Smartphonenutzung und einmal mit Argumenten dagegen. Ich hatte zur Recherche alle Kultusministerien in Deutschland angefragt, was so in den einzelnen Bundesländern geplant ist. Und noch im März klangen einige Stellungnahmen der Kultusministerien bzw der Pressestellen wesentlich zurückhaltender als das, was dann wenige Monate später dann umgesetzt wurde. Und nach meiner Wahrnehmung war es in Fortbildungen mit Lehrkräften generell so, dass eigentlich auch schon vor drei oder vier Jahren oder eigentlich schon sehr lange immer der Gedanke so im Raum stand, dass weniger Smartphones im Schulalltag eigentlich eine gute Lösung wären. Aber nach meinem Gefühl hätte die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer nicht daran geglaubt, dass ein solches Verbot in irgendeiner Form realistisch oder vielleicht auch verhältnismäßig sein könnte. Und es war dann eigentlich so, dass mein Job war, mit den Lehrerinnen und Lehrern Strategien bzw sagen wir so generell im Hinblick auf Medienkompetenz zu diskutieren. Wie können jetzt tatsächlich Kinder und Jugendliche befähigt werden, sich selber meinetwegen zeitlich zu regulieren, dass weniger Übergriffe mit Smartphones passieren usw usw, dass trotz Smartphones und Social Media. Der Schulbetrieb dann aufrecht erhalten werden kann. Und ich kann das jetzt gar nicht so an einzelnen Daten festmachen. Aber zumindest ging es dann doch sehr schnell, dass ein Großteil der Lehrerinnen und Lehrer dann doch dazu tendiert, jetzt tatsächlich die private Smartphone Nutzung komplett in der Schule zu verbieten.
Ralf: Und genau mit diesem Weg die Smartphone Nutzung der Schule zu verbieten, bist du nicht so ganz einverstanden.
Moritz: Das weiß ich gar nicht. Ich hatte zumindest so in den letzten 15 Jahren oder ich weiß nicht seit wann wir zu dem Thema arbeiten, irgendwie das Gefühl, dass man einen so wichtigen Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen nicht zu 100 % aus dem Schulalltag verbannen muss oder kann oder sollte.
Ralf: Naja, ich finde, ein durchaus nachvollziehbarer Standpunkt ist meiner Meinung nach, dass das generell das Smartphone in der Schule eigentlich gar nichts. Man braucht das nicht. Und wenn man jetzt Schule als Lernort versteht für klassischen Unterricht, dann ist doch alles was ablenkt -
Moritz: Ja, aber das musst du ja nicht.
Ralf: - besser, wenn es zu Hause bleibt. Und das teilst du nicht?
Moritz: Also ich glaube. Ich denke, dass Schulen viel weniger Ressourcen haben, sich um Medienerziehung in dem Ausmaß zu kümmern, wie ich das eigentlich von der Schule erwarte. Also in Bezug auf meinetwegen Lebensweltorientierung. Das ist halt nicht nur darum geht, wie du sagst, klassische Unterrichtsfächer im Blick zu haben. Und das ist mir früher nie so deutlich geworden, weil meine Aufgabe in Fortbildungen mit Lehrkräften immer war, zu überlegen, auf welche Art und Weise Kinder und Jugendliche befähigt werden können, verantwortungsvoll mit dem Smartphone in der Schule. Und nach meinem Gefühl, somit auch im Alltag außerhalb der Schule umgehen zu können. Es ging nicht nur um das Smartphone im Schulalltag, sondern generell im Leben von Kindern und Jugendlichen. Und das entspricht, sage ich mal so, meinem enthusiastischen pädagogischen Selbstverständnis, wo ich in jeder Gefährdungslage der sich Menschen stellen müssen, erst mal eine Herausforderung sehe. Sich zu überlegen, was ein Mensch können muss, um dieser Gefährdungslage gerecht zu werden oder in dieser Gefährdungslage zu bestehen. Und etwas zu verbieten war für mich eigentlich immer oder grundsätzlich immer nur dann eine Option, wenn mir klar ist, dass es hier keinen pädagogischen Weg geben kann, Menschen ausreichend auf eine Herausforderung vorzubereiten. Das bedeutet aber nicht, dass man alles erlauben muss. Das finde ich dabei wichtig. Ein Verbot kann beispielsweise auch eine Übergangslösung sein, bis ein Mensch dann in der Lage ist, auch ohne Verbot zurechtzukommen.
Ralf: Aber dann kann er ein Smartphone Verbot doch an Schule auch ein Übergang sein.
Moritz: Also ich glaube, dass es ganz viele Schulen gibt, in denen dieses Smartphone Nutzungsverbot für alle Beteiligten gut ist. Also auch aus der Perspektive von Schülerinnen und Schülern, die das auch positiv bewerten. Und da würde ich jetzt weitermachen wollen. Also wenn die Schülerinnen und Schüler sagen, dass jetzt mit dem Verbot von Smartphones in der Schule alles besser ist, weil sie jetzt wieder miteinander reden und nicht die ganze Zeit auf ihr Handy gucken.
Ralf: Aber dann ist es doch eine gute Lösung. Also ich weiß jetzt nicht genau, was sie daran stört.
Moritz: Ich glaube das, was mich daran stört. Nein, eigentlich stört mich daran nichts. Aber ich finde es erst mal eine wichtige Erkenntnis, dass die Schülerinnen und Schüler es zum Teil angenehm finden, wenn die großen Pausen, meinetwegen auch der ganze Schulalltag, irgendwie handyfreie Zeit sind. So, und mein Eindruck ist, dass viele Schulen jetzt das Gefühl haben, sie haben das Ziel erreicht.
Ralf: Und der Schulalltag ist aus Sicht der Schülerinnen und Schüler doch besser geworden. Und das ist doch das Ziel.
Moritz: Ja, aber für mich nicht. Also ich würde, glaube ich, diesen Moment jetzt nutzen, um mit den Schülerinnen und Schülern das bis hierhin Erreichte zu reflektieren. Also ich würde die Frage stellen, warum muss man euch die Smartphone Nutzung verbieten, damit ihr merkt, wie schön es ohne Smartphone auf dem Schulhof sein kann? Und da bin ich sicher, dass je nach Jahrgangsstufe von Schülerinnen und Schülern dann unterschiedliche Antworten kommen.
Ralf: Ich überlege gerade, was die dann sagen würden. Also ich glaube, dass sie so was sagen würden, wie dass sie ohne Verbot gar nicht in der Lage sind, das Handy wegzulegen und sich deswegen vielleicht auch so ein Verbot wünschen.
Moritz: Ja, und da finde ich, ist die Frage was ist jetzt nach Schulschluss? Also gehen die Jugendlichen. Also wenn wir jetzt nicht von Grundschulkindern oder Kindern in der fünften oder sechsten Klasse ausgehen, gehen sie nach Hause und fordern von ihren Eltern auch ein Nutzungsverbot? Oder führt es eher dazu, dass sie in einer unregulierten Freizeit dann nur noch am Bildschirm Kleben. Wie auch immer. Bis sie dann irgendwann einschlafen und am nächsten Morgen wieder in der Schule aufblühen, wenn das Handy wieder verboten ist.
Ralf: So wird es vermutlich nicht sein.
Moritz: Und genau das würde ich diskutieren wollen. Also welche Bedingungen brauchen Jugendliche grundsätzlich, um sowohl in der Schule als auch zu Hause aus eigenem Antrieb heraus das zu machen, was sie wirklich wollen? Und wenn Sie es genießen, mit anderen Menschen gemeinsam etwas zu unternehmen oder zu sprechen, ohne dass sie einen Bildschirm dabei ablenkt, dann haben sie das in der ersten Phase eines Handynutzung Verbots in der Schule gelernt. Und in der nächsten Phase wäre dann wichtig zu überlegen, wie man auch ohne Verbote eigenständig in der Lage ist, mit anderen Menschen etwas zu unternehmen, ohne dass man das tatsächlich, also weißt du.
Ralf: Aber was wäre denn wenn? Wenn so ein Social Media Verbot zum Beispiel auch in der Freizeit durch entsprechende Gesetze Kinder und Jugendliche das Handy verbieten würde.
Moritz: Dann wäre es ganz anders. Das stimmt. Also wenn es grundsätzlich so wäre, dass tatsächlich Jugendliche kein Social Media und keine Smartphones mehr nutzen, dann wäre die Realität in der Schule so wie die Realität im Alltag. Im Moment habe ich das Gefühl, dass die Realität der Schule sehr weit weg ist von dem, was eigentlich Alltag ist. Aber du merkst, das ist.
Ralf: Auf jeden Fall ein sehr umfassender Einstieg in unsere Top drei.
Moritz: Genau. Aber ich dachte, das darf ich machen. Hier.
Ralf: Ja, klar.
Moritz: Genau so ist ein Jahresrückblick. Kommen wir zu deinem Platz drei.
Ralf: Ja, genau. Und mein Platz drei ist ein Spiel. Und zwar Clash Royale.
Moritz: Oh, okay. Ja.
Ralf: Vor dem Sommerferien erste Jahreshälfte haben wir mit Schulklassen unglaublich viel über Brawl Stars diskutiert. Also wie man das hinkriegt, trotz Brawl Stars Hausaufgaben machen pünktlich zum Training kommen. Das war das Thema.
Moritz: Das war das Spiel.
Ralf: Auf jeden Fall.
Moritz: Das Smartphone Spiel ist Brawl Stars.
Ralf: So, und dann kommen die Sommerferien und nach den Sommerferien auf einmal ich ganz motiviert wieder mit den Schulklassen und rede über Brawl Stars. Und dann gucken mich Kinder Jugendliche an Boah, Herr Willius. Voll langweilig. Keiner spielt das mehr. Und das war nur sechs Wochen.
Moritz: Ganz, ganz so deutlich habe ich das jetzt nicht erlebt. Aber das heißt, du würdest sagen, dass das Spiel.
Ralf: Ja. Auf meine Frage. Was spielt er dann? Ja. Clash Royal.
Moritz: Was sagt die JIM-Studie? Also die Studie, in der das Mediennutzungsverhalten von 12 bis 19-jährigen untersucht wird.
Ralf: Da ist Brawl Stars tatsächlich auf Platz drei der meistgespielten Spiele.
Moritz: Und Clash Royale?
Ralf: Wird am Rande erwähnt.
Moritz: Und auf zwei und eins?
Ralf: Auf zwei ist Roblox. Und was ich total spannend finde Rate mal, was auf Platz eins ist?
Moritz: Fortnite. Ne oder was?
Ralf: Minecraft.
Moritz: Minecraft?
Ralf: In allen Altersgruppen, also auch in den 18 bis 19 jährigen, ist Minecraft die Nummer eins. Und zwar egal wie du es sortierst, ob jetzt nach alter Schule, männlich, weiblich. Minecraft ist das Spiel.
Moritz: Ich würde sagen Minecraft hat sich so ein bisschen etabliert wie so ein. Es gibt ja auch so Spiele wie jetzt. Nicht unbedingt Mensch ärgere dich nicht, aber so Spiele wie Siedler oder so, also Brettspiele, die über Jahrzehnte dann irgendwie immer funktionieren, so habe ich das Gefühl, ist das auch so ein bisschen bei Minecraft, während dann irgendwie so ja, Roblox vielleicht auch. Und Brawl Stars und Clash Royale. Hm, wie soll man sagen. Ist das Popkultur?
Ralf: Weiß ich nicht. Ich glaube, dass so was Ähnliches wie bei Snapchat.
Moritz: Ja, stimmt. Bei Snapchat haben wir auch mal gedacht, dass.
Ralf: Das abgeschrieben war.
Moritz: Zumindest ist es in der Wahrnehmung unwichtiger geworden. Mal eine Zeit lang und ich weiß gar nicht, wann das war, dass Snapchat dann auf einmal doch wieder so.
Ralf: Nach Corona kam, das dann irgendwie wieder zurück. Ja, und genauso kann es ja auch mit Brawl Stars sein, dass es dann irgendwann auch wieder zurückkommt.
Moritz: So dass es wieder wichtiger wird.
Ralf: Genau. Und dann stehe ich dann irgendwann da und will mit Klassen über Clash Royale reden und die sagen.
Moritz: Was ist denn deinem Gefühl nach der Grund, weshalb Brawl Stars da so schnell so unwichtig wurde?
Ralf: Ich habe nachgefragt. Und ganz, ganz viele Kinder und Jugendliche haben erzählt, dass die Updates gemacht haben, die denen nicht in den Kram passten. Vielleicht, wenn sie da wieder was ändern, kommt es dann zurück?
Moritz: Ja, total spannend. Und ich glaube, dass wir oft mit den vielen Workshops, die wir in Schulklassen machen, näher an dem sind, was wirklich passiert, als wenn du eine Studie nimmst, die so ein ganzes Jahr abbildet. Vielleicht ist so ein Jahr auch gerade wenn es um so. Ich glaube schon auch, dass es so popkulturelle Einflüsse hat.
Ralf: Ja und so Sommerferien machen ja auch ganz viele andere Sachen.
Moritz: Dann hat man Zeit.
Ralf: Ja
Moritz: Ja kann sein. Genau. Aber dann kommen wir zu meinem Platz zwei.
Ralf: Ja, bitte.
Moritz: Mein Platz zwei ist eine Versteigerung des Londoner Auktionshaus Christie's. Im März 2025 sollten hier 34 Kunstwerke verkauft werden, die ausschließlich mithilfe von künstlicher Intelligenz erschaffen wurden.
Ralf: Ja, ich war erst mal ein bisschen überrascht, dass du dich jetzt so für Kunst interessierst. Aber wenn es um Kunst geht, die mithilfe von künstlicher Intelligenz erschaffen wird, dann, ja, dann ist es ja auch ein Bezug zu unserem Podcast.
Moritz: Ja, wobei der Bezug zur Medienerziehung vielleicht jetzt noch nicht so richtig offensichtlich ist, aber mich hat die ganze Diskussion um diese Auktion sehr interessiert. Zum einen wurde kritisiert, dass einige der Kunstwerke mithilfe von KI Modellen entstanden sind, bei denen im Training urheberrechtlich geschützte Arbeiten verwendet wurden.
Ralf: Das dann bedeutet?
Moritz: Am besten Kann man das eigentlich am Beispiel von Musik erklären. Eine KI? Nehmen wir mal an, wird jetzt trainiert mit allen vorhandenen Popsongs, die bereits geschrieben wurden und die werden dann entsprechend analysiert, damit du dann mit dieser KI einen neuen Song kreieren kannst. Bzw die KI macht das und dann kannst du meinetwegen sagen, der soll so ähnlich klingen wie die erfolgreichsten Songs im Jahr 2025. Und jetzt greift die KI indirekt auf alle Songs von 2025 zurück, mit denen sie trainiert wurde und erstellt dann einen Song, den es zwar so noch nicht gibt, den es aber auch nicht geben würde, wenn die KI nicht alle vorhandenen Songs berücksichtigen würde. Und da fühlen sich einzelne Künstlerinnen und Künstler, die diese Songs geschrieben haben, dann vielleicht auch nachvollziehbar in ihren Rechten verletzt. Und bei Gemälden oder anderen Formen von Kunst funktioniert das im Prinzip genauso.
Ralf: Aber Moritz passiert das nicht grundsätzlich, wenn du ein neues Kunstwerk erschaffst? Ich sag mal, wenn du dich jetzt hinsetzt mit einer Gitarre und einen neuen Song schreiben würdest.
Moritz: Ja.
Ralf: Dann bist du doch auch nicht frei von den ganzen Sachen, die du gehört hast. Also die ganzen Einflüsse von Musikern und Musikerinnen, die dich dein Leben lang begleitet haben, wo du alles schon kennst. Das fließt mit ein.
Moritz: Ja, aber genau das fließt mit ein. Und ich glaube, dass durch Inspiration ein neues Kunstwerk zu schaffen ist. Ist das, was generell, wenn es von Menschen gemacht wird, als als Kunst oder als Prozess in der Kunst verstanden. Also das Ziel ist ja nicht, etwas zu kopieren, sondern etwas Neues zu schaffen und eine künstliche Intelligenz, die aufgrund von Wahrscheinlichkeiten einen Song erstellt, der dann dem eingegebenen Prompt entspricht, wird in der Diskussion ganz oft eben nicht als Prozess oder als als Kunst.
Ralf: Aber dann ist da vielleicht die Kunst, einen möglichst guten Prompt zu finden. Ich meine, das reine Existieren von künstlicher Intelligenz führt ja nicht zu einem neuen Song, sondern die Bedienung durch den Menschen.
Moritz: Genau das, finde ich, ist die spannende Diskussion. Also bin ich ein Musiker, wenn ich kein einziges Instrument spielen kann, keine Ahnung von Musiktheorie habe, aber in der Lage bin, einer KI zu sagen, dass ich gerne einen Song hätte, der so klingt, als würde Ed Sheeran "Was mit Medienerziehung", der Podcast mit Moritz und Ralf singen.
Ralf: Das würde ich echt gerne mal hören.
Moritz: Ja, das habe ich gemacht. Was? Ich habe diesen Song gemacht. Ich habe den. So klingt das.
KI-Song: Was mit Medienerziehung, der Podcast mit Moritz und Ralf.
Ralf: Ja, das ist ganz witzig, aber das ist kein guter Song, Moritz.
Moritz: Nee, ich fühle mich auch nicht als Künstler, sondern habe das einfach nur gemacht. Also ich habe das einfach mal ausprobiert.
Ralf: Ja, ich glaube schon, dass es ein großes Thema ist. Also KI Musik. In meinem Umfeld boykottieren Menschen Spotify. Unter anderem, weil dort die Künstler und Künstlerinnen schlecht bezahlt werden, an den Umsätzen nicht so beteiligt werden. Aber auch, weil sie eine Tendenz befürchten, dass dort wirklich billig hergestellte Musik ein großer Teil des Geschäftes ist oder werden wird.
Moritz: Ja, vielleicht ist es aber auch nur eine Diskussion, die jetzt übergangsweise geführt wird.
Ralf: Wie meinst du das ?
Moritz: Also, als vor 150 Jahren die Menschen anfingen zu fotografieren, wurde auch diskutiert, ob Fotografie eine Kunstform wäre. Und es hieß damals, dass Fotografie Fakten reproduziert, aber nicht die schöpferische Urteilskraft eines Künstlers oder Künstlerin besitzt. Andere waren der Meinung, dass Fotografie keine ästhetische Dimension haben könne, weil sie ausschließlich eine Form der Reproduktion sei. Also ich habe hier ein paar Zitate mir rausgesucht aus der Zeit damals und heute sieht man das anders. Aber das finde ich, ist halt das Spannende. Nicht jedes Foto ist Kunst. Also wenn du jetzt einfach irgendeine Frau fotografierst, ist das Foto bestimmt nicht unbedingt konkurrenzfähig zu Mona Lisa. Aber es gibt Menschen, die Porträtaufnahmen machen können, die ich mir dann vielleicht viel lieber angucke als die Mona Lisa. Also Fotografieren ist somit viel mehr als nur den Auslöser drücken. Und vielleicht wird das mit KI eines Tages auch so sein. Also dann wird man wahrscheinlich sagen, dass dieser komische kleine Jingle, den ich da gemacht habe, der ist definitiv Schrott. Aber ich glaube schon, dass auch KI ein Prozess oder ein Instrument sein kann, um Kunst zu schaffen.
Ralf: Ja und hierzu eine Haltung zu entwickeln. Könnte Thema im Kunst oder Musikunterricht sein, denke ich mal, vielleicht auch im Deutschunterricht, wenn wir ja über Gedichte sprechen.
Moritz: Ja, genau. Es geht ja um Haltung. Aber ich glaube auch, es geht um das Bedienen können von Technik.
Ralf: Also die technische Kompetenz.
Moritz: Ja, ich glaube, dass es halt wirklich ausschließlich mit KI wird es auch nicht gehen, sondern es wird immer einen Punkt geben, wo man merkt okay, jetzt ist meine Kreativität gefragt oder sagen wir mal, die Sachen zu Ende zu bringen, ist dann vielleicht doch effizienter Sachen selber zu machen, anstatt immer weiter am Prompt rumzufeilen. Und ich würde als Lehrkraft im Unterricht jetzt auch nicht das Ergebnis bewerten, sondern immer den Weg, der dann möglichst gut dokumentiert sein sollte. Das wäre ja dann mein Bezug zur Medienerziehung.
Ralf: Okay. Und dann kommen wir zu meinem Platz zwei und dabei geht es um die Bundestagswahl Anfang des Jahres. Naja, genauer gesagt geht es mir um den Wahlkampf auf Social Media.
Moritz: Wichtiges Thema.
Ralf: Ich glaube, dass bei der letzten Bundestagswahl wie auch schon bei der Europawahl klar geworden ist, wie wichtig Plattformen wie TikTok im Wahlkampf sein können. Vor allem junge Wählerinnen und Wähler können über Social Media viel besser erreicht werden als über klassische Medien. Und wenn es Politikerinnen und Politiker geschafft haben, auf sehr authentische Art und Weise zwischen irgendwelchen Influencerinnen und Influencern aufzutauchen, entsteht nach meinem Gefühl eine ganz andere Bindung als bei einer vielleicht etwas spröden Politik-Talkshow, sage ich mal.
Moritz: Das ist ja nicht unbedingt schlecht.
Ralf: Nein, nicht pauschal schlecht, sondern vielleicht sogar eine ganz positive Entwicklung. Wenn auf diese Art und Weise im Wahlkampf Politikerinnen und Politiker so als Menschen nahbar werden.
Moritz: Ich glaube, schlecht war an der Europawahl und der Bundestagswahl nicht mehr ganz so sehr, dass sich nicht alle Politikerinnen und Politiker gleichermaßen darauf eingelassen haben oder das vielleicht auch gar nicht als ihre Aufgabe gesehen haben, Social Media als Wahlkampfplattform zu nutzen. Und so waren dann in dem Fall kleine radikale Parteien auf einmal viel, viel einflussreicher, weil sie dieses Feld alleine bespielen konnten.
Ralf: Ja, ich würde sagen, den Eindruck hatte ich auch. Bei der Bundestagswahl waren dann aber auch andere Parteien und andere Standpunkte viel sichtbarer. Trotzdem glaube ich, dass ein TikTok Wahlkampf nach anderen Regeln wie soll ich es nennen, als klassischer Wahlkampf funktionieren, weils andere Regeln gibt. Um viral zu gehen, musst du vielleicht mehr. Viel mehr dich kurz fassen und kann es nicht so detailliert sein wie in einer Talkshow oder in einem Wahlprogramm, das dargestellt wird.
Moritz: Ja, aber so Plakate beispielsweise. Wahlplakate waren auch immer sehr zugespitzt.
Ralf: Ja, das stimmt. Aber mit ein bisschen Erfahrung weißt du, dass da so eine Zuspitzung stattfindet.
Moritz: Auf dem Plakat.
Ralf: Ja. Oder so eine Provokation. Genau. Aber eine relativ kleine Partei, die vielleicht mit sehr radikalen Standpunkten auf sich aufmerksam machen möchte, hat jetzt ja traditionell nicht zehnmal so viel Wahlplakate aufhängen können wie Parteien, die vielleicht etwas ausgewogener auftreten. Aber auf Social Media bekommst du mit mehr Zuspitzung definitiv mehr Reichweite.
Moritz: Okay, das heißt, wenn ich jetzt als radikale Partei ein sehr provozierendes Wahlplakat irgendwo hin hänge, so früher in Anführungsstrichen, dann ärgern sich vielleicht manche Menschen darüber, wenn sie jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit daran vorbeigehen müssen. Andere fühlen sich aber vielleicht auch dadurch angesprochen oder verändern vielleicht doch ihren eigenen Standpunkt hin zu einem etwas radikaleren. Aber es bleibt halt nur ein Plakat und das ganze ist jetzt aber als Video auf TikTok oder YouTube, dann.
Ralf: Ja, dann fühlen sich manche Menschen motiviert, vielleicht in den Kommentaren zu widersprechen oder darauf hinzuweisen, dass dieser Standpunkt aus verschiedenen Perspektiven sehr problematisch sein kann. Und auf diese Weise entsteht vielleicht eine Diskussion, wo dann Leute aus unterschiedlichen politischen Lagern versuchen, sich zu profilieren, indem sie der Gegenseite Radikalität vorwerfen. Und jetzt kommt der Algorithmus ins Spiel.
Moritz: Jetzt verstehe ich auch den Vergleich mit dem Wahlplakat. Also der Algorithmus sorgt jetzt dafür, dass das Ganze relevant wird. So als wären es zehnmal so viel Wahlplakate, weil es dann in Folge der Diskussion durch den Algorithmus einfach viel häufiger angezeigt wird. Und so kann dann ein radikales Video mehr Raum einnehmen als. Ja, okay, verstehe. Und das heißt, die leiseren Töne gehen unter und die radikalen Standpunkte bekommen viel mehr Verbreitung. Und ein Plakat ist erstmal nur ein Plakat, das sich nicht vervielfacht, nur weil es polarisiert. Schöner Vergleich.
Ralf: Und je einfacher eine Botschaft, desto schneller wird sie dann ja auch geteilt. Und ich glaube, dass in vielen politischen Diskussionen, ich sage mal so, diese Zwischentöne fehlen. Was auch wieder Bedürfnissen entspricht. Und gerade Jugendliche haben ein großes Bedürfnis nach Klarheit.
Moritz: Das ist mir klar geworden, dass ganz viele Jugendliche auf ein ganz großes Bedürfnis nach klaren Standpunkten hätten. Also wenn du 2025 als externe Fachkraft in eine Schulklasse gegangen bist, musstest du damit rechnen, dass du gleich zu Anfang gefragt wirst, ob du für Gaza oder für Israel bist. Und unabhängig von dem Thema, für das du dann in der Klasse bist. Und ich glaube, dass es auf Social Media eben Menschen gibt, die hier sehr eindeutig Stellung beziehen und so tun, als könnte man es sich da ganz einfach machen und genau deshalb Reichweite bekommen.
Ralf: Ja, und gleichzeitig glaube ich das auch. Oder glaube ich, dass viele von uns Erwachsenen in solchen Situationen Angst vor der Antwort haben. Weil die Frage, ob du für oder gegen Gaza oder Israel bist, ist nicht in einem Satz zu beantworten. Und dazu kommt, dass man vielleicht auch Angst hat, sich zu äußern, dass man unter Umständen auf einmal so in einer Schublade landet, wo man eigentlich gar nicht landen möchte. Und ja, deswegen weicht man der Antwort aus.
Moritz: Ja und ich glaube, Kinder und Jugendliche suchen dann aber Antworten an einer Stelle, wo es Menschen gibt, die diese Frage sehr schnell und eindeutig beantworten können. Und das ist unter Umständen dann eher TikTok.
Ralf: Ja, genau. Und das hat mich halt 2025 ganz besonders beschäftigt. Also generell die Art und Weise, wie politische Meinungsbildung auf Social Media stattfindet.
Moritz: Ich sehe darin auch eine ganz große Herausforderung oder Aufforderung an uns, wie wir vielleicht Meinungsbildung außerhalb von Social Media mit unterstützen. Also dass wir vielleicht, wie jetzt eben beschrieben, zu einer Frage Bist du für Israel oder Gaza? Nicht ausweichen, sondern deutlich machen, wie schwierig das ist, sich hier eindeutig zu positionieren oder dass das vielleicht auch gar nicht geht. Also mit all diesen Zwischentönen oder deutlich zu machen, wie verzweifelt man selber bei vielen solchen existenziellen Fragen sind. Und dass wir das halt nicht alles Social Media überlassen, sondern wir da in Konkurrenz gehen.
Ralf: Ja und genau das wäre doch ein super Vorsatz für 2026.
Moritz: Ja, vielleicht. Auf jeden Fall. Kommen wir zu meinem. Nach diesem sehr ernsthaften Platz zwei.
Ralf: Aber sehr wichtigen Thema.
Moritz: Ja, na klar. Kommen wir zu meinem Platz eins. Und zwar bei mir. Auf Platz eins sind Labubus. Also ganz kurz erklärt. Für alle, an denen dieser Trend vorbeigegangen ist. Labubus sind so kleine Kuscheltiere mit großen Augen und so einem ganz seltsamen Grinsen. Also nach meinem Gefühl sind die auf jeden Fall nicht niedlich oder so. Dazu kommt, dass man sie unter anderem in sogenannten Blind Boxes kaufen kann. Das heißt, du weißt vorher gar nicht, was da jetzt für ein Labubu in dem Karton ist.
Ralf: Und jetzt musst du mir aber noch mal erklären, warum ausgerechnet diese Labubus bei dir auf Platz eins in dem persönlichen Jahresrückblick zum Thema Medienerziehung ist.
Moritz: Ja, weil ich ganz viel über mich gelernt habe. Also weil als ich mitgekriegt habe, dass es Menschen gibt, die bereit sind, ziemlich viel Geld für hässliche Kuscheltiere auszugeben, habe ich gedacht, diesen Menschen ist einfach nicht mehr zu helfen. Ja, und dabei habe ich im Prinzip den Ignoranten unfassbar über 40-jährigen Moritz in mir entdeckt, den ich vorher so gar nicht kannte und den ich auch überhaupt nicht mag. Also ich hatte keinen Zugang zu dieser Kultur. Wie gesagt, Geld für hässliche Kuscheltiere ausgeben, wo du vorher noch nicht mal weißt, was du bekommst.
Ralf: Und jetzt?
Moritz: Das, was ich dann gemacht habe, war für mich ganz entscheidend. Und zwar habe ich überlegt es muss einen Grund geben, weshalb diese ganze Labubu Geschichte so gut funktioniert. Und ich habe dann verstanden, welche eigentlich nachvollziehbaren Bedürfnisse dahinter stecken. Wenn du zum Beispiel ein Labubu als Schlüsselanhänger hast und legst deinen Schlüssel irgendwo hin, wissen andere Leute sofort Bescheid. Du gehörst dazu. Also zu dieser Szene, die Labubus mag.
Ralf: Wie ein Statement sozusagen.
Moritz: Ja, wie so ein Statement. Als nächstes fand ich das Marketing eigentlich total genial. Also ob man das jetzt, ob das gut ist oder nicht. Aber ich fand es erst mal genial und das Verhalten der Fans dann doch auch nachvollziehbar. Zu Angebotsstrategie gehören zum Beispiel, dass diese Figuren halt limitiert waren. Also wenn du ein ganz bestimmtes Labubu haben wolltest, musstest du schnell sein, um einen zu bekommen. Und dabei geht es um Sammelleidenschaft. Also auch etwas, was absolut nachvollziehbar ist. Manche Figuren konnte man dann weiterverkaufen. Also wenn du so eine seltene Figur hattest und konntest dann auch Gewinn machen. Also auch hier stecken wieder irgendwelche Motivationen dahinter, die nachvollziehbar sind. Dann haben verschiedene Influencerinnen und Influencer unboxing Videos gemacht und da wurdest du dann Zeuge des sensationellen Moments, wo dann meinetwegen jemand sich mega freut, einen bestimmten Labubu auszupacken. Und die Influencerinnen und Influencer haben dann auch wieder Reichweite bekommen.
Ralf: Also hast du jetzt Labubus gekauft?
Moritz: Nein, es geht ja um mich, um meine Haltung. Und ich habe dann überlegt welche irrationalen Dinge habe ich gemacht, als ich Jugendlicher war? Oder vielleicht mache ich sie heute noch. Und Noel Gallagher, der Gitarrist von Oasis, war für mich damals wie ein Influencer, als ich ein Jugendlicher war. Also ich mochte die Musik und dachte dann auch dann muss der Typ ja irgendwie ganz geil sein. Und der hatte Adidas Sneaker und ich brauchte die unbedingt auch. Also alle sollten sehen, dass ich zu denen gehöre, die halt einfach geile Adidas Sneaker tragen.
Ralf: Ja, ich auch. Ich trage auch Samba.
Moritz: Ja aber Noel Gallagher und selbstverständlich auch ich tragen Adidas Gazelle. Samba ist nicht halb so cool.
Ralf: Ja, gut, das möchte ich jetzt nicht mit dir diskutieren, aber du hast schon recht. Schuhe sind mehr als einfach nur ein Kleidungsstück.
Moritz: Und ich habe wieder mal gemerkt, dass es helfen kann. Bevor man jetzt zum Ergebnis kommt, dass normale Menschen keine Labubus kaufen oder kaufen sollten. Erst mal zu überlegen, was dahinter steckt, das normale, tolle Menschen das doch machen und wollen. Und nach und nach habe ich begriffen, worum es eigentlich geht. Habe einen Zugang zu dieser Kultur gefunden. Was nicht bedeutet, dass ich die nur jetzt positiv finde oder Teil dieser Kultur werden will. Aber in Bezug auf Medienerziehung habe ich in vielen Fortbildungen oder auch Eltern Veranstaltungen den Eindruck, dass auch da sehr schnell geurteilt wird. Wenn Jugendliche meinetwegen sagen, dass die Flammen bei Snapchat wirklich wichtig sind und man deshalb jetzt noch unbedingt ein Foto verschicken muss in einem Moment, wo wir das vielleicht als Erwachsene sehr unpassend finden.
Ralf: Da habe ich vorhin, als du Sammeln gesagt hast auch daran gedacht, Bei Snapchat kann man Flammen sammeln mit anderen Nutzerinnen und Nutzern, wenn man sich jeden Tag ein Foto schickt.
Moritz: Genau. Und der ignorante, über 40-jährige Moritz in mir würde sagen Flammen auf. Snapchat ist ein Schwachsinn. Und wenn ich den Jugendlichen aber eine Chance gebe, mir zu erklären, warum aus deren Sicht die Flammen wichtig sind, finde ich vielleicht einen Zugang und kann dann auch ganz anders mit Jugendlichen diskutieren, die mir dann jetzt erzählen, sie müssten unbedingt heute noch mal online gehen.
Ralf: Ja, und ich bin total begeistert, weil das, was du gerade beschrieben hast, das passt total zu meinem Platz eins und das ist unsere Podcastfolge vom 22. September 2025. "Weniger schimpfen, mehr kommunizieren" mit der Kommunikations und Stimmtrainerin Sophie Wassmund bei mir auf Platz eins ist diese Folge, weil ich behaupten würde, dass ich in keiner anderen unserer tollen Folgen so viel gelernt habe wie in dieser.
Moritz: Ja, wir lernen selber auch. Das stimmt.
Ralf: Nein, ganz ehrlich, ich würde behaupten, dass ich mit der ganzen Berufserfahrung, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe oder auch als Vater ich bin seit über 15 Jahren Vater angenommen habe, dass ich durchaus in der Lage bin, besonnen mit Kindern und Jugendlichen zu diskutieren. Und mir ist immer klar geworden, wie wichtig Sprache tatsächlich ist und wie oft es uns Eltern dann doch passiert. Aus verschiedenen Gründen. Vielmehr dafür verantwortlich zu sein, dass so ein Konflikt eskaliert, als dass es unsere Kinder sind. Verstehst du, was ich meine?
Moritz: Hast du ein Beispiel? Weil jetzt nicht alle die Folge gehört haben.
Ralf: Ja. Nehmen wir doch einfach mal als Beispiel, was du vorhin bei Snapchat erzählt hast.
Moritz: Okay.
Ralf: Ich habe mit meinem Sohn und meiner Tochter vereinbart, dass heute Abend das Smartphone nicht mehr benutzt wird. Vielleicht nach irgendeiner bestimmten uhrzeit oder das Handy nicht mehr mit ins Zimmer genommen werden soll oder was auch immer.
Moritz: Genau.
Ralf: Und jetzt bekommst du mal mit, dass das Kind heimlich doch noch online ist, weil du vielleicht einfach nur Gute Nacht sagen wolltest oder aus welchen Gründen auch immer du ins Kinderzimmer gehst.
Moritz: Das heißt erwischt das Kind dabei, dass es sich nicht an die Absprachen gehalten hat?
Ralf: Genau. Und jetzt passiert ganz viel gleichzeitig bei mir als Vater. Ich mache mir Sorgen, ob zwischen mir und meinem Kind was nicht stimmt, weil es sich überhaupt gar nicht an die Absprachen hält, die wir da getroffen haben. Vielleicht fühle ich mich auch in meiner Autorität untergraben, weil ja das macht. Und gleichzeitig ärgere ich mich, dass ausgerechnet dieses schwachsinnige Snapchat mit diesen blöden Flammen genutzt wird. Vielleicht ärgere ich mich auch darüber, dass Social Media irgendwie dafür sorgt. Oder dass Algorithmen es schaffen, mein Kind ja wie süchtig werden zu lassen, rund um die uhr online gehen zu müssen. Ja, und mit diesen ganzen Sorgen und Ängsten gelingt es mir nicht instinktiv das zu tun, was Sophie in unserem Gespräch damals beschrieben hat, nämlich innezuhalten und die eigenen Ängste und Sorgen zu reflektieren und dann zu fragen, was aus deiner Sicht, liebes Kind, gerade so wichtig ist, dass du dein Smartphone entgegen unserer Absprache jetzt benutzen musst.
Moritz: Also, das heißt ganz bewusst in dem Fall das Kind nicht anzuschnauzen, weil es schon wieder am Handy ist, sondern die Möglichkeit zu geben, sich zu erklären, warum meinetwegen jetzt die Flammen so wichtig sind.
Ralf: Ja. Und ich glaube genau das, dieses Anschnauzen ist das Ergebnis aus fehlendem Verständnis und eigener Emotionalität. Und dann wirken wir auf unsere Kinder unangemessen aggressiv.
Moritz: Und das Kind reagiert auch aggressiv.
Ralf: Ja, und wir haben dann doch den Beweis, dass Social Media Kinder aggressiv machen.
Moritz: Und gleichzeitig auch noch den Beweis, dass Social Media sogar uns Eltern aggressiv macht.
Ralf: Und weil mir diese Folge so oft im Alltag sowohl als Vater als auch im beruflichen Alltag begegnet, gehört sie für mich einfach auf Platz eins.
Moritz: Ich bin ein bisschen neidisch, dass das nicht meine Idee war, sondern Labubus.
Ralf: Was haben wir noch?
Moritz: Was wir auch noch dieses Jahr machen sollten. Auf jeden Fall ist uns bei einem unserer treuesten Hörer zu bedanken für die Idee des neuen Icons. Unser Podcast hat im Laufe des Jahres ein neues Icon bekommen. Das alte davor war aber auch wirklich katastrophal hässlich und da haben wir uns ein bisschen Gedanken gemacht und die Idee zu diesem Icon kam dann von einem unserer Hörer. Dann brauchen wir noch eine Folge zum Weiterhören. Was empfehlen wir da?
Ralf: Ich würde sagen, den Jahresrückblick vom letzten Jahr, also die Folge vom 30.12.2024.
Moritz: Das können wir machen. Dann wünschen wir allen Hörerinnen und Hörern einen entspannten Jahreswechsel und freuen uns wie immer über Rückmeldungen über unsere Social Media Kanäle oder an podcast@smiley-ev.de.
Ralf: Auf Wiederhören.
Moritz: Tschüss.
Moritz: Das war ein ereignisreiches Jahr, habe ich gerade gemerkt.
Ralf: Auf jeden Fall. Ich freue mich aufs nächste.
Moritz: Bis dann.
Ralf: Ciao.