Kettenbrief
Momo, YouTuber und die Angst bei Kindern
Angeblich ist Momo tot, nimmt aber trotzdem Kontakt zu WhatsApp-Nutzern auf. Wer entsprechende Warnungen und Nachrichten nicht weiterschickt, dem wird Schlimmes widerfahren. Was wie ein klassischer Kettenbrief wirkt, wird befeuert durch YouTuber, die aus Angst Klicks machen.
Bei Momo handelt es sich eigentlich um eine Skulptur aus einem japanischen Museum. Mit einem Foto dieser Skulptur existiert ein oder mehrere WhatsApp-Accounts. Gleichzeitig wird vor diesem Account in einem Kettenbrief gewarnt, der mit bekannten Mitteln arbeitet. So heißt es, dass dem Empfänger schreckliche Dinge widerfahren werden, wenn die Nachricht nicht weitergeschickt wird. Anders als bei vergleichbaren Kettenbriefen ist die Tatsache, dass mit Momo kommuniziert werden kann und Momo angeblich auch selbständig Nachrichten an Nutzer verschickt. Wer hinter den entsprechenden Accounts steckt ist, nicht ganz klar. Es wird behauptet, dass Momo sich in Gruppen schleichen könnte und gegen den Willen der Nutzer kommunizieren kann. Gerade jüngere Nutzer ängstigen sich aber in diesem Falle umso mehr, da es die Gruselpuppe auf Fotos nachweislich gibt – auch wenn sich um Fotos der Skulptur handelt.
Verantwortungsbewusstsein von YouTubern
Die Dynamik der Angst wurde allerdings durch ein ganz anderen Effekt verstärkt: verschiedene YouTuber mit teilweise großer Reichweite unter Kindern und Jugendlichen beteiligen sich an der Verbreitung der Angst. In einzelnen Videos chatten sie mit Momo und zelebrieren den Gruseleffekt. „Macht es nicht nach“ warnen bspw. die beiden YouTuberinnen Viki und Sarina bevor sie mit Momo chatten. Scheinbar verantwortungsbewusst heißt es dann, dass sie die Nummer von Momo auch nicht verraten: „Wir verraten die Nummer auch nicht. Die neugierigen finden sie sowieso. Aber dann sind wir nicht schuld“. Was könnte jüngere Fans mehr motivieren, sich mit Momo zu befassen?
Andere YouTuber wurden vermeintlich von Momo besucht oder haben Geschenke von Momo bekommen. Diese Gegebenheiten wurden in Clips dargestellt, die teilweise mit Stilmitten von Filmen wie „Blairwitch-Project“ inszeniert wurden. Es mag sich dabei um künstlerisch gut gemachte Videos handeln, bei denen Fiktion und Realität verschwimmen. Problematisch ist dies sicherlich nur, wenn jüngere Jugendliche oder Kinder diese Videos sehen. Im Nachmittagsprogramm eines Fernsehsenders würden Videos dieser Art nicht gezeigt. Aber genau das passiert natürlich bei YouTube. Vor allem, weil eben genau diese entsprechenden Kanäle besonders von vielen Kindern konsumiert werden. Das ist den Akteuren in den Videos sicherlich bewusst, aber um Viki und Sarina an dieser Stelle noch einmal zu zitieren: „Aber dann sind wir nicht schuld“.
Momo im Sommerloch
Auch die Berichterstattung in den klassischen Medien wird dem Bekanntheitsgrad von Momo zugute gekommen sein. Im letzten Jahr diente zum großen Teil die sog. Bluewhale-Challenge zum Füllen des medialen Sommerlochs, in diesem Jahr mag es Momo sein. Warnungen oder Hinweise an Eltern in entsprechenden Artikeln sorgen auch immer wieder für Bedürfnisse bei Kindern, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen. Derzeit (Mitte August 2018) ebbt das Phänomen gerade ab, doch immer wieder taucht Momo auf. So soll Momo jetzt auch bei Minecraft sein Unwesen treiben.
Trösten und/oder Beweise liefern, dass es Momo nicht gibt
Wie immer sind Eltern hier in der Verantwortung, sowohl aufklären als auch erst einmal zu trösten. Vorwürfe an das Kind, dass es sich mit solchen Dingen beschäftigt sind nicht hilfreich. Zu natürlich ist die Neugierde, vor allem von sie von medialen Vorbilder auf YouTube geschürt wird.
Dankenswerterweise gibt es auch YouTuber, die sich weltlich bzw. realistisch mit Momo beschäftigen. Sieht man davon ab, dass es nicht wesentlich ist, wie und ob sich der Influencer Concrafter die Zähne putzt oder wie er nach Paris fährt, macht er doch in seinem Video „Meine Reaktion auf MOMO“ sehr deutlich, dass es Momo nicht gibt. Vielleicht kann das Phänomen auf so authentische Art und Weise beschrieben geängstigte Kinder schneller beruhigen als lange umfangreiche Recherchen. Diese sind allerdings auch empfehlenswert. Wie so oft ist hier Mimikama ein Portal, das weiterhelfen kann.
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