Onlineberatung

HelferLine

Onlineberatung klingt für viele Erwachsenen zunächst befremdlich. Wie soll sich jemand beraten lassen, wenn man diese Person weder hören noch sehen kann? Wie sollen Probleme besprochen und Emotionen thematisiert werden? Doch es geht! Und besonders gut sogar, wenn Jugendliche andere Jugendliche beraten.

ein Beitrag von Christian Krüger (Step Hannover)

Das Jugendberatungsportal HelferLine.info ist ein Kooperationsprojekt der Jungen Humanisten mit dem Step Präventionsteam der Drobs Hannover. Bereits in der Planungsphase des Projekts beteiligten sich engagierte Jugendliche, damit der „peer to peer“ Ansatz von HelferLine konsequent berücksichtigt wird. Die angehenden BeraterInnen entschieden über die Gestaltung der Seite, machten sich Gedanken um deren Aufbau sowie die nötigen technischen Voraussetzungen. Eine externe Förderung ermöglichte die Anschubfinanzierung des Projektes, und somit konnte HelferLine.info im November 2011 ans Netz gehen. Zuvor wurden die BeraterInnen natürlich von den Mitarbeitern des Step - Präventionsteams sowie zusätzlichen externen Experten geschult.

Zwischen den Zeilen lesen

Die große Kunst der Onlineberatung ist, zwischen den Zeilen zu lesen und bestimmte, kleine Hinweise aufzugreifen, um diese entsprechend sensibel zu thematisieren. Bekannt sind Emoticons wie das lächelnde Smiley und andere einfache, Emotionen ausdrückende Symbole. Doch diese angezeigten Stimmungen der Fragenden sind häufig nur oberflächlich gemeint und gehören zum Standardrepertoire vieler Texte. Eine viel größere Sensibilität muss beim Lesen der Anfragen erlernt werden, wenn es um das Erkennen von Botschaften zwischen den Zeilen geht. Werden künstlich Pausen im fließenden Text eingebaut? Springt der Text in den Themen und reißt viele verschiedene Dinge an? Wird ausführlich von einem einzigen Sachverhalt berichtet, oder könnte ein Nebensatz darauf hinweisen, dass es um ein ganz anderes Thema geht?



Es ist z.B. möglich, dass Fragen zum Essen letztlich auf ein evtl. Missbrauchsverhalten hinweisen oder Angehörige sich um Verwandte kümmern, und die Beratung irgendwann Aspekte der Co-Abhängigkeit thematisiert.

Diese Fähigkeit zwischen den Zeilen zu lesen bedarf einer gewissen Routine und Aufgeschlossenheit dem Medium gegenüber. Dies ist vielen Jugendlichen schon in die Wiege gelegt. Schließlich sind es vor allem Jugendliche gewohnt, sich über das Internet auszutauschen

Online Beratung als Einstiegmöglichkeit

Das Online-Beratungs-Setting ist wegen seiner anonymisierten Form eine gute Einstiegsmöglichkeit in Themen, die den Ratsuchenden evtl. peinlich sein könnten. Hinzu kommt die Tatsache, dass Jugendliche viel selbstverständlicher in Schriftform miteinander kommunizieren als häufig gedacht wird (Jugendliche schreiben so viel, wie seit Jahrzehnten nicht mehr). Die Hemmschwelle, sich einem Gleichaltrigen anzuvertrauen und Hilfe anzunehmen, ist niedriger und die Möglichkeit, in professionelle Hilfeeinrichtungen zu vermitteln, ist für die Beraterinnen und Berater von großer Bedeutung.

· Ein Interview mit einer Beraterin findet man im Mädchenmagazin Lizzy.net

Christian Krüger ist beim Step Präventionsteam der Drobs Hannover u.a. verantwortlich für das Betreungsangebot HelferLine (www.helferline.info). Das Themenangebot von HelfeLine.info deckt die Schwerpunkte pathologisches Kaufen, Medienkonsum und Essstörungen ab. Die Themen sind bewusst gewählt, da sie erfahrungsgemäß jugendtypisch sind und von vielen Beratungsstellen oft nicht abgedeckt werden. Auch bleibt das Schulungsangebot für die jungen PeerberaterInnen entsprechend übersichtlich.

Dieser Beitrag wurde am 17.12.2012 verfasst.

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