Podcast

Folge 34: Mein Kind hat Angst vor Social Media

Nach einer kurzen Diskussion über Datenschutzprobleme von ChatGPT in der Schule setzen sich Moritz Becker und Ralf Willius mit der Frage auseinander, wie mit Ängsten von Kindern vor den Risiken von Social Media umzugehen ist Ð oder ob sie nicht sogar etwas Positives haben. Am Ende schwelgen sie in Erinnerungen an die Anfänge von VIVA in den 90er Jahren und ob eines Tages ebenso verklärt auf die jetzige Epoche der Influencerinnen und Influencer geblickt wird.

Moritz: Ich glaube, dass Kinder keine Angst haben sollten vor Social Media, sondern Respekt.

Ralf: Hallo und herzlich willkommen zu "Was mit Medienerziehung", dem Podcast von smiley e.V. mein Name ist Ralf Willius


Moritz: Mein Name Moritz Becker
Ralf: ... und der Verein bietet Schulworkshops an vielen Schulen in Norddeutschland an. Dabei geht es um einen sinnvollen Umgang mit Social Media. Darüber hinaus führen wir in ganz Deutsch und Elternabende sowie Vorträge und Fortbildungen für Fachkräfte durch. Hier geht es dann um Medienerziehung. In diesem Podcast diskutieren wir all die Themen, die uns so im pädagogischen Alltag begegnen. Heute ist Montag, der achte Januar, und dies ist unsere 34 Folge. Hallo Moritz.

Moritz: Hallo Ralf!

Ralf: Sagt man noch frohes Neues?

Moritz: Du wirst Staunen! Ich habe das recherchiert. Ja, laut Knigge, in den ersten beiden Januarwochen sagt man generell noch frohes Neues, unter sehr vertrauten Menschen, auch noch in der zweiten Januarhälfte, weil man sich viele noch nicht gesehen hat. Bei nicht vertrauten Menschen wäre das in der zwei Januarhälfte peinlich. Von daher, wir hier mit unserem vertrauten Publikum dürfen auch noch in der zweiten Januarhälfte frohes Neues sagen. Das gilt dann für die nächste Folge. Bei dieser Folge kannst du wirklich ganz hemmungslosen freue Neues wünschen.
Ralf: Ja, dann wünschen wir allen Zuhörerinnen und Zuhörern ein frohes neues Jahr!
Moritz: Wobei ich das Gefühl habe, nach der Erkältungswelle vor Weihnachten wünscht man sich gar nicht so häufig ein frohes neues Jahr, sondern fragt eher sowas, wie bist du wieder fit?

Ralf: Ja, hätte ich jetzt auch gefragt, bist du wieder fit?

Moritz: Nebenhöhlen noch so ein bisschen ...

Ralf: Ja, ich bin auch noch so leicht angeschlagen, aber ...

Moritz: Soll heute aber nicht Thema sein.

Ralf: Nein, auf keinen Fall. Aber bevor wir mit dem Hauptthema anfangen. Die Frage zur letzten Folge gab es Rückmeldungen. Wir haben gesprochen über KI.

Moritz: Genau und über den Einsatz von, unter anderem ChatGPT, im Schulkontext und zwei Rückmeldungen haben wir bekommen, und zwar haben wir mehr oder weniger angeregt, dass auch in der Schule ChatGPT aktiv genutzt werden sollte mit der Idee, wenn Kinder und Jugendliche mit künstlicher Intelligenz umgehen können, sie vielleicht auch eher in der Lage sind zu erkennen, wann etwas durch künstliche Intelligenz geschaffen wurde, also im Sinne von Manipulation oder vielleicht auch Verbreitung von Falschmeldungen, wenn dann Texte sich sehr vernünftig lesen, die aber letztendlich gar nicht von vernünftigen Menschen geschrieben wurden. Und die Rückmeldung, die ich bekommen habe, ist, dass wir da vielleicht so in unserer Denkweise, so auch als außerschulischer Bildungsträger, der zwar mit Schulen zusammenarbeitet, aber nicht die Verantwortung letztendlich für den Schulalltag hat, ist, dass die Datenschutzbedenken doch auf jeden Fall in vielen Punkten überwiegen. Also in zwei Gesprächen wurde mir das zurückgespiegelt, dass ChatGPT ja in der Form nicht der Datenschutzgrundverordnung entspricht, die in Schulen aber letztendlich eingehalten werden muss. Letztendlich sind die Nutzungsbedingungen relativ transparent, von OpenAi allerdings an vielen Stellen ist es dann doch sehr wage, was so die Datenschutzbedingungen angeht. Die Server stehen definitiv in den USA. Das heißt also, aus verschiedenen Punkten darf es so gesehen im Schulkontext nicht angewendet werden. Was ich gelesen habe, ist, dass so ein Kompromiss sein kann, dass die Accounts, mit denen gearbeitet wird, durch die Lehrkräfte eingerichtet werden und den Schülerinnen und Schülern im Unterricht dann zur Verfügung gestellt wird, mit dem ganz wichtigen Hinweis, dass dort nur in dem Zusammenhang gearbeitet werden sollte oder auch letztendlich einen Input gegeben sollte in den Chatbot von ChatGPT, also in diesem Dialog, die dann mit der aufgetragenen Aufgaben zu tun haben und keine persönlichen anliegen. Denn das ist so das größte Problem letztendlich, wenn dann Kinder von zu Hause erzählen, ich mache dies und das und so weiter, wo man dann nicht weiß, was passiert mit diesen Daten tatsächlich, die dann da erhoben werden. Und im Prinzip ist aber, das Dilemma natürlich immer wieder deutlich zu sagen, auf der einen Seite alles einzuhalten, was es dort an Vorgaben gibt, wie die Datenschutzgrundverordnung, also, Datenschutz ist Menschenrecht, ich finde das ganz wichtig. Das sollte man nicht kleinreden und gleichzeitig, wie es zu einem Dilemma gehört, zu sagen, wenn man das alles dann letztendlich aus dem Schulkontext rauslässt, dann erreicht man wahrscheinlich eher ein viel größeres Problem, wenn die Kinder dann aus Neugierde das Zuhause einsetzen. Wir haben drüber gesprochen, mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen kann man von ausgehen, nutzen ChatGPT in irgendeiner Form, dann landen die Daten ohnehin irgendwann da, und ich glaube, dass es da sehr spannend sein kann zu sagen, eigentlich ist es nicht in Ordnung, dass wir das hier in der Schule nutzen. Mir als Lehrkraft ist es aber wichtig. Deshalb benutzt bitte nur den Account, den ich euch hier eingerichtet habe zu der und der Thematik, weil private Dinge dort unter Umständen nichts zu suchen haben, und das kann dann ja gleichzeitig auch Schülerinnen sensibilisieren, dass sie dann merken, oh das scheint dann doch irgendwie wichtig zu sein.

Ralf: Genau das hat uns ChatGPT letztendlich ja auch in den Mund gelegt.

Moritz: Ja, genau! Also, für alle, die letzte Folge nicht gehört haben. Eine ganze Passage von unserer letzten Folge wurde von ChatGPT für uns gescriptet, und da habe ich ChatGPT gebeten, einfach mal zu sagen, wie klingt es eigentlich, wenn zwei Medienpädagogen über ChatGPT und den Einsatz in der Schule sprechen, und da wurde darauf verwiesen, letztendlich, dass das Datenschutzproblem tatsächlich vorhanden ist, und dazu dann auch die zweite Rückmeldung. Auf Instagram hat uns jemand geschrieben, dass es doch ganz schön ist, dass unsere Stimmen noch nicht von ChatGPT generiert werden oder künstlicher Intelligenz, weil das dann doch unterhaltsam ist, wenigstens wenn wir das vorlesen - noch. Also von daher, wird es uns noch ein bisschen geben, zumindest unsere Stimmen.

Ralf: ... und wenn wir dann nur vorlesen ...

Moritz: Genau!

Ralf: Okay, aber das ist eigentlich Thema für heute. Moritz, was hast du mitgebracht?

Moritz: Ich möchte mit dir sprechen über eine interessante Rückmeldung oder Fragestellung, die ich bekommen habe. Nach einer Elternveranstaltung. Ist schon ein bisschen her, ich trage die Frage schon etwas länger mit mir rum - zum Thema: "Ist das eigentlich ein Problem, wenn mein Kind aus Angst oder Sorge Social Media nicht nutzen will? "

Ralf: Das musst du nochmal deutlicher erklären.

Moritz: Also, der Hintergrund, also ich muss jetzt ein bisschen ausholen, ist gewesen. Ich habe dort einen Vortrag gehalten an dieser Schule für Eltern, das waren relativ viele Eltern da, und ich habe beschrieben, so wie du das in deinen Elternveranstaltungen sicherlich auch machst, so die Relevanz von Chatgruppen, die in der Regel dann bei WhatsApp stattfinden. Schöner wäre vielleicht auch, hier nochmal wieder der Verweis an die Folge: Signal anstelle von WhatsApp als Messenger in der Kommunikation in Familie und Freundeskreis, wenn es ein Signalchat, wäre aber letztendlich, die Dynamiken sind die gleichen. Die Chats, die Schulklassen selbstständig gründen, sind in der Regel unbetreut, zumindest von Erwachsenen unbetreut. Das heißt, weder Lehrkräfte noch Eltern sind dort aktiv mit drin. Und was mir immer wichtig ist, ist zu betonen, dass es dort an vielen Stellen weniger um einen klassischen Informationsaustausch geht, also sicherlich auch das über Hausaufgaben und Klassenarbeiten dort geschätzt wird, sondern dass im Wesentlichen das, worum es geht, so der informelle Teil ist, das so.

Ralf: ... also so eine Art Smalltalk?

Moritz: Genau, was macht ihr gerade? Wie sieht es aus? Fotos von Haustieren und so, und dass auf die Weise der Klassenverband nicht einfach um 13 Uhr zu Ende ist, sondern der Klassenverband nachmittags online weitergeht.

Ralf: Mitunter bis spät in die Nacht!

Moritz: Genau, und das ist, das ist der Punkt, auf den ich gleich zu sprechen kommen muss, denn was interessant war in der Diskussion, die dann entstanden ist mit einzelnen Eltern sowohl im Plenum als auch danach im Anschluss an die Veranstaltung, war, dass das, wenn das stimmt, was ich sage, dass dort so ein informeller Austausch stattfindet, oder du hast mal Smalltalk genannt, dann geht es letztendlich auch um Identität der Klasse, des Klassenverband und bedeutet also, der Klasse des Klassenverband ist. Und das heißt, wenn ich jetzt als einziger sechs oder sieben oder Klässlerin nicht dabei bin, dann verpasse ich ja, was also jetzt keine Informationen bezüglich der Klassenarbeit, das kann ich auch anderweitig erfahren, aber ich verpasse den ganzen Malt, der ja unter Umständen auch wichtig ist.

Ralf: Also das, was sonst so, ich sag mal, nach der oder in der großen Pause oder nach der letzten Stunde besprochen wurde, findet heute unter Umständen viel kompakter oder viel, viel, viel ausweitender statt, sozusagen.

Moritz: Hm, ja, vielleicht auch zum Teil noch viel konkreter, wenn dann Fotos ausgetauscht werden und all solche Sachen, oder wenn dann gesagt wird, ich habe ja gerade ein Video gefunden, das müssen wir uns alle angucken. Haben wir das gemeinsam geguckt, obwohl die alle zu Hause sitzen und so weiter und so, und dass das das eigentlich Problem entstand? Dann, dass ein Vater sehr deutlich sagt, dass es doch eigentlich den Beschluss an der Schule, an der ich dort abends war, gab, dass keine Watsapp hats geduldet werden. So. Das heißt also, die Schule hat wohl, ich hatte dann mit einem Lehrer anschließend auch noch kurz drüber gesprochen. Die Schule hat wohl aufgrund der vielen negativen Erfahrungen mit Gruppen den Eltern im Rahmen der Elternabende immer gesagt, so, bitte, sorgen sie dafür, dass es diese Chatgruppen nicht gibt, und das war ein Argument, was du gerade angesprochen hast, dass diese Chats bis spät in die Nacht ging. Also, das ist ja auch so genau. Wir haben eine Folge gemacht zum Thema gute Regeln für Klassenchats. Vielleicht können wir die auch noch mal wieder verlinken, weil die auch eigentlich eine sehr schöne Folge ist.

Ralf: Dann, von Öffnungszeiten hast du gesprochen. Das fand ich ein sehr schönes Wort dafür.

Moritz: Genau, und also, ich bin nach wie vor in Klassen. Ich hör so großartige Sachen, was man an tollen Regeln sich ausdenken kann. Die guten morgen Gruppe in einer Klasse neulich in Braunschweig. Die haben gesagt, es hatte mal genervt, dass im Klassenchat alle guten morgen geschrieben haben, weil man dann immer 30 Nachrichten hatte ohne wirklichen Inhalt, und dann haben sie sich das untereinander verboten, und manche haben dann sagt er auch, bisschen schade! Weil, eigentlich war es immer ganz cool, morgens mit guten morgen geweckt zu werden im Klassenchat, und die haben jetzt eine extra guten morgen Gruppe, die nur dazu da ist, um guten morgen reinzuschreiben, und die andere Gruppe schreibt, wenn es keinen guten morgen meinen. Das würde die enorm entlasten, und das ist so. Aber ich komme vom Thema ab. Ja, zumindest gab es sehr viel, sehr negative Erfahrungen an der Schule, oder die Wahrnehmung, zumindest seitens der Schule war, dass das negative überwiegt, also auch im Hinblick auf Beleidigung, das Verbreiten von problematischen Inhalten wie Pornografie, Gewaltverherrlichung, also im Prinzip alles das, was wir auch so erleben, und es gab dann letztendlich ich, du musst mich wirklich unterbrechen, wenn ich jetzt jetzt so ausführlich bin. Wir sind ja!

Ralf: Noch am Anfang.

Moritz: Und Erfolg wissen noch am Anfang genau. Es gab dann den den Beschluss zu sagen, also letztendlich an alle Klassenlehrkräfte, den Eltern zu sagen, bitte sorgen sie dafür, dass es diese Chats nicht gibt.

Ralf: Also eher als Empfehlung jetzt nicht als also verbieten kann man das ja nicht, aber die Empfehlung.

Moritz: Ich glaube, von manchen Eltern wurde es wirklich so verstanden, und das war das, was dann in der Diskussion letztendlich entstand, war, dass einzelne Eltern gesagt haben, ja, ich habe aber festgestellt, ich will das meinem Kind nicht verbieten, weil diese Chats gibt es eben trotzdem. Also das heißt, wenn du jetzt 30 Eltern hast, von diesen 30 Eltern sind zehn gar nicht bei dem Elternabend gewesen, wo dieses Verbot letztendlich oder diese diese Anregung zum Verbot, wie auch immer man das jetzt formulieren möchte, zehn waren gar nicht da. Die Kinder haben es trotzdem gemacht. Dann waren da weitere zehn Eltern. Die haben dann irgendwann gesagt, es macht keinen Sinn, immer zu diskutieren, und die Kinder wollen da unbedingt rein, und haben irgendwann gesagt, okay, scheiß drauf, dann geh rein, aber benimm dich. Und letztendlich waren es dann wohl nur noch sehr wenige Eltern, die dieses Verbot durchgezogen haben. Und diesen Eltern wurde jetzt im Rahmen meines Eltern abends, und damit komme ich endlich zum Punkt, mehr oder weniger klar, dass sie ihren Kindern ja unter Umständen gar keinen Gefallen tun, wenn sie jetzt dieses Verbot durchziehen, wenn alle, wenn alle anderen Kinder da aber aktiv sind und auf die Weise eine empfundene Ausgrenzung entstehen kann, wenn das Kind nicht dabei ist.

Ralf: Auch eine Form von Dilemma, letztendlich also auf der einen Seite die Empfehlung, der Empfehlung folgen zu wollen, im Sinne der Kinder, letztendlich aber dann doch für die Kinder nichts gutes dabei.

Moritz: Und was ich dann noch problematischer fand, war das Gespräch, das ich mit der Lehrkraft, also mit dem einen Lehrer, anschließend noch hatte, der sagte, dass spätestens während Corona einzelne Lehrkräfte das auch gar nicht so schlecht fanden, dass es diese Chat Gruppen gab, dass es an einzelnen Schülern gesagt wurde, hier schreibt mal bitte in euren WhatsApp Klassen, hat das und das rein, damit es alle mitkriegen. Also, es war ein Gesamt auf jeden Fach keine keine gute Lösung, würde ich sagen. Die war auch dann letztendlich nicht nicht gut kommuniziert, wahrscheinlich und auch letztendlich für viele Eltern gar nicht mehr umsetzbar. Und nach der Veranstaltung kam ein Elternpaar zu mir und sagte, sie hätten sich da jetzt viele Gedanken gemacht, auch während der Diskussion oder meinen Vortrag schon, weil bei denen die Situation nämlich so ist, dass das Kind gar keinen was haben will, sondern im Gegenteil die Situation wohl immer war in den letzten Monaten. Also das Kind ist, glaube ich, in der sechsten Klasse, dass das Kind immer eher Angst hatte vor was. Und jetzt die und die Eltern fanden das eigentlich er ganz gut. Die Eltern haben sagt, das ist ja wunderbar, das Kind Angst. Wir müssen da nix verbieten so. Wir haben dieses Problem nicht, und jetzt haben die im Rahmen dieser Kontroverse überlegt, okay, moment, ist es dann überhaupt ein guter Zustand, wenn das Kind Angst vor social media hat? Also wenn das Kind Angst vor WhatsApp hat, und das fand ich also auch im Nachgang zu dieser Diskussion. Du kennst das bestimmt nach so einer Elternveranstaltung vor 200 Leuten. Wenn man danach noch von einzelnen Eltern angesprochen wird, ist man nicht immer so konzentriert oder hat auch nicht immer Bock auf anspruchsvolle Diskussion. Aber für mich ist es immer sehr inspirierend, also was für Gedanken die Eltern oder Veranstaltung rausgehen, und das heißt, die Frage, ist das ein Problem? Wenn das Kind Angst vor social media hat und das deshalb nicht nutzen will, was heißt das dann für uns als Eltern? Das ist das, was ich mit dir jetzt besprechen möchte.

Ralf: Das heißt, Situation ist, das Kind hat Angst vor WhatsApp, und die Sorge der Eltern ist jetzt, dass sie sich damit einen Zugang zum zur Gemeinschaft verbaut durch diese Angst, dass es halt nicht mitbekommt.

Moritz: Und das ist das, was die Eltern bis dahin gemacht haben, sozusagen unterstützt, hervorragend! Das ist ja total praktisch. Das Kind hat sowieso Angst. Dann haben wir ja gar kein Dilemma, so wie.

Ralf: Win - win sozusagen.

Moritz: Genau so eine Art Win - win. wenn das Kind will sowieso nicht. Die Eltern haben kein Problem, die Klassenlehrkräfte sind zufrieden, Kind macht das alles nicht, und da waren jetzt unsicher, ob das so stimmt.

Ralf: Ja.

Moritz: Was macht man?

Ralf: Was macht man?

Moritz: Was sagt man?

Ralf: Spannende frage also, ich glaube, ich würde dem schon hohen Wert beimessen, dass was da in diesen Gruppen kommuniziert wird, und ich glaube, dass das.

Moritz: Du siehst das schon so, dass es ein Problem sein kann, wenn Kinder nicht dabei sind?

Ralf: Nein, andersrum, man muss überlegen, warum ist es nicht dabei? Hat es Angst vor WhatsApp im allgemeinen oder hat es negative Erfahrungen gesammelt in dieser Klassengruppe zum Beispiel?

Moritz: Oder von negativen Erfahrungen gehört.

Ralf: Gehört ja. Also, in dem Moment, wo das Kind gar nicht weiß, dass es auch
Mehrwert haben kann, verbaute sich natürlich einiges in dem Moment, wo das Kind sagt, nee, ich hab da so oft auf den Deckel bekommen, und mein großer Bruder hat erzählt, oder der Freund hat erzählt, die aus der Handballmannschaft haben erzählt.

Moritz: Kann unter Umständen aber, und das wäre dann nochmal vielleicht im Ergebnis noch viel, noch noch noch viel schlimmer, ein Schutzmechanismus sein. Also stell dir vor, das Kind die Erfahrung gemacht, also in der sechsten Klasse. Also, ich möchte jetzt gar nicht explizit über das Kind sprechen, mit den Eltern, mit denen ich gesprochen habe, wenn mir das nicht zusteht und ich auch gar nicht genau weiß, in welcher Situation dieses Kind ist.

Ralf: Aber ich kann mir vorstellen, dass das andere auch ja.

Moritz: Aber stell dir mal vor dieses Kind hat die Erfahrung gemacht, fünfte, sechste Klasse wird in der Schule ausgegrenzt, erlebt dort vielleicht sogar Mobbing und denkt jetzt.

Ralf: Ganz kurz, also gar nicht im Chat, sondern im Klassenverbund.

Moritz: Ohne Chat, genau nur im Klassenverband und denkt jetzt: Oh Gott, wenn das im Chat weitergeht, dann wird es richtig die Hölle.

Ralf: Dann wäre es ein Schutzmechanismus.

Moritz: Dann wäre es ein Schutzmechanismus, den ich aber gleichzeitig sehr problematisch finden würde, wenn es jetzt mein Kind wäre und das sagt hier, Mama Papa, ich möchte auf gar keinen Fall was WhatsApp haben, weil wenn das, was ich in der Schule erlebe, da Online weitergeht, dann ist richtig schlimm, dann würde ich sagen, okay, dann ist aber das, was in der Schule abgeht, um da eigentlich unmittelbar in irgendeiner Form zu intervenieren. Also.

Ralf: Also sich an die Lehrkräfte zu wenden.

Moritz: Beispielsweise oder zu überlegen, wie gehen wir denn mit der Situation um, dass du den Eindruck hast, in der Schule so fertig gemacht zu werden, dass du eher Angst hast vor einer weitergehenden Vernetzung? Und das wäre ein Punkt, wo man gar nicht über social media sprechen muss, sondern vielmehr über die Integration des Kindes in das entsprechende Umfeld überhaupt.

Ralf: Ja, über die Klassengemeinschaft.

Moritz: Und ich glaube, das ist schon, das ist auch schon ein Punkt, der, wo man sehr oft Ursache und Wirkung vertauscht. Also ich glaube, dass vieles in WhatsApp, Klassen chats gar nicht so sehr eskaliert, weil WhatsApp ein Problem ist, sondern weil die Klassengemeinschaft als solches schon nicht funktioniert, und es wäre ein großes Wunder, wenn das dann ausgeht, rechnend Online funktioniert, wo man sich noch nicht in die Augen guckt. Das ist, glaube ich, ist ein ganz zentraler Punkt, den man erst einmal klären muss.

Ralf: Ja.

Moritz: Also, wenn du Angst vor anderen Kindern Online hast, hast du nicht vielleicht sogar Angst vor allen anderen Kindern generell, und da brauchen wir nicht drüber zu diskutieren. Das ist ein Problem.

Ralf: Ja, und zwar kein Medienproblem, sondern ein soziales Problem oder eine
Frage der Klassengemeinschaft oder die Integration, wie du sagst.

Moritz: Ich glaube, dass man früher oder später social media nutzen können muss.

Ralf: Ja.

Moritz: Also, ich glaube, das ist, man kann darüber streiten. Wann also muss das jetzt mit 15 sein? Muss das mit zwölf sein, oder reicht es, wenn man damit 18 loslegt? Irgendwann muss man, glaube ich, tatsächlich als Mensch in der heutigen Kommunikationswelt mit social media umgehen können, und ich denke, dass es wie Straßenverkehr oder alle möglichen anderen Dinge letztendlich nur funktioniert mit dem notwendigen Respekt vor den Gefahren, die da lauern. Also, das heißt, ein Kind weiß, eine Kreuzung ist gefährlich, weil da Autos fahren, und diese Autos fahren zum Teil ja nicht nur schnell, sondern auch mit unaufmerksamen Fahrerinnen und Fahrern, und die biegen ab, manchmal ohne zu blinken und ohne zu gucken. Und deshalb muss ich als Kind auf meinem Fahrrad dort vorsichtig sein. Und ich glaube, wenn ein Kind wirklich mit Angst im Straßenverkehr unterwegs ist und nicht sagen wir, mit dem notwendigen Respekt vor Autos, die trotzdem plötzlich abbiegen, obwohl sie nicht blinken, dann ist diese Angst unter Umständen ein Grund, weshalb das Kind aus Verunsicherung sich noch fahrlässiger verhält, als sich verhalten würde, wenn es mit einer gewissen Coolness, zu sagen, okay, das ist hier jetzt gerade eine Kreuzung, das ist ein Zebrastreifen, ich hab Vorfahrt, ich gucke aber trotzdem, was die Autos machen, und das machst du, das machst du nicht. Wenn du Angst hast, wenn du Angst hast, dann bist du eher so, gott scheiße.

Ralf: Ja, Angst lähmt.

Moritz: Angst lehmt. Angst ist ein schlechter Begleiter, keine Ahnung. Kannst du Millionen Floskeln anführen, und deshalb glaube ich, ist, dass das Schüren von Ängsten ist etwas, was man eigentlich in der Prävention schon lange nicht mehr macht. Also Ängste zu schüren, ist häufig ich kontraproduktiv, und das heißt, hier wäre dann letztendlich die Aufgabe, wenn jetzt das Kind sagt, ich habe von so vielen Leuten gehört, da werden ein Pornos zugeschickt. Man sagt ja klar, das passiert. Das ist auch sehr unangenehm, aber ist kein Grund, Angst zu haben, sondern da gibt es Strategien, damit umzugehen. Da gibt’s Eltern, die als Ansprechpartner und Ansprechpartner dienen. Man ist auch nicht gleich für alle Zeiten sozialethisch total desorientiert. Wenn man einmal mit zwölf geschickt bekommen hat, wenn man seinen Eltern darüber sprechen kann, dann ist man anschließend auch wieder ein glücklicher Mensch, auch wenn das erst mal sehr schmerzhaft ist. Das, glaube ich, ist dann sehr wichtig, zu entgegnen und sich nicht darauf auszuruhen, und so zu sagen, voll geil mein Kind hat richtig Angst vor Pornos, und deshalb würde das Internet nicht benutzen, sondern zu begreifen: Ne, ich muss letztendlich diese Angst vor Pornos in einem Gespräch hin zu der Kompetenz entwickeln. Ich habe mir gerade einen Satz ausgedacht, von dem ich nicht weiß, wie es weitergehen kann.

Ralf: Ja, aus der Angst, eine Kompetenz zu machen, also Respekt, ja.

Moritz: Aber Ängste zu schüren im Sinne von ich mache dir ordentlich Angst, damit
du es möglichst lange nicht nutzt, halte ich für falsch.

Ralf: Das wird eher kontraproduktiv sein, weil irgendwann sagtest du ja, müssen sie
es nutzen und werden sie es nutzen. Irgendwann wird der Gruppenzwang vielleicht dann auch so groß sein, neue Umgebungen, neue Klasse und dann.

Moritz: Ja, und das glaube ich, auch das Problem, wenn du als Eltern dem Kind suggerierst, dass du das eigentlich alles ganz schlimm findest, also auch ein Punkt, den wir öfter in unserem Podcast diskutiert haben, bist du vielleicht auch deshalb automatisch nicht der Ansprechpartner oder Ansprechpartnerin, wenn es dann schief geht.

Ralf: Ja, das stimmt.

Moritz: Also wenn du einem Kind sagen, pass bloß auf, dass sie im Straßenverkehr keiner die Vorfahrt nimmt, dann denkst du, oh gott, wie doof bin ich, mir hat gerade jemand die Vorfahrt genommen.

Ralf: Das sollte ich Mama und Papa besser nicht erzählen. Das gibt nur Ärger.

Moritz: Und sondern im Gegenteil zu sagen, es passiert leider, dass da irgendwelche Leute, die die Vorfahrt nehmen, und dann kannst du dich auch richtig darüber aufregen, und das ist auch ärgerlich, und dann lässt du den aber trotzdem durch, und dann erzählst du mir vielleicht davon, und dann sage ich, was du für ein toller Mensch bist, dass du auf deine Vorfahrt verzichtet hast.

Ralf: Und da geht es ja nicht darum, das zu verharmlosen. Es sagt ja keiner Pornos und toll, sondern das, wie du sagtest. Man muss den entsprechenden Respekt davor haben und nicht Angst.

Moritz: Ist es eigentlich ein Störgeräusch, wenn ich mir die Nase putze?

Ralf: Das weiß ich nicht.

Moritz: Also weil wir, wir haben ja in einigen Folgen jetzt so Störgeräusche des Tages gehabt. Ich überlege, ob ich nein, ich werde mir nicht die Nase putzen, weil ich genau davon ausgehe, du reibst mir das dann unter diese. Als Störgeräusch des Tages. Ich weiß gar nicht, wie es steht. Ich glaube, drei zu eins für mich oder so in Störgeräuschen.

Ralf: Also gegen dich, sozusagen.

Moritz: Gegen mich. Ich bin der Verursacher von drei Störgeräuschen, und du nur eins. Zurück zum Thema.

Ralf: Ja.

Moritz: Noch ein Grund eingefallen, beziehungsweise auch das war in dem Gespräch mit den Eltern nach dieser Veranstaltung auch klang so ein bisschen an. Ein Grund, Angst zu haben, ist Konflikte mit Eltern, die durch social media entstehen, und es war wohl so, dass der Junge sehr aktiv spielt, also verschiedene Videospiele, hat, wohl irgendeine Konsole, und er spielt da wohl sehr viel und hat wohl viel Ärger mit seinen Eltern, weil er zeitliche Absprachen nicht einhalten kann. Und-

Ralf: Hätten wir auch eine Folge zu.

Moritz: Haben wir auch eine Folge zu. Irgendwann besteht unser Podcast nur noch unter so einer Ablauf von Empfehlung für alte Folgen.

Ralf: Wobei, ich bin jetzt sehr gespannt auf den, die Überleitung zum Thema.

Moritz: Ich glaube, dass die die Sorge des Jung war, dass, wenn er jetzt auch noch WhatsApp nutzt, dann ist er noch mehr am Handy beziehungsweise beschäftigt sich mit Bildschirmen und hat noch mehr Ärger mit seinen Eltern und noch mehr Streit. Und das fand ich auch ein interessanten Gedanken, dass vielleicht so diese vielen Diskussionen, die entstehen, weil Kinder letztendlich sich da zeitlich nicht regulieren können oder Eltern vielleicht auch enttäuscht sind oder in Sorge, dass das Kind so viel spielt, dass das dann unter Umständen auch dazu führen kann, dass das Kind sagt, ne, und dann fange ich doch jetzt nicht nicht noch ein neues Thema damit an, weil dann habe ich ja noch mehr Ärger mit meinen Eltern wird das alles noch schlimmer, und das fand ich auch wieder letztendlich ein Dilemma, also eher dann dort auf das Kind zuzugehen und zu sagen, wir haben ganz schön viel Ärger wegen dieser ganzen Zeit, die du da an der Spielekonsole verbringst, aber das ist irgendwie auch normal, und wir haben dich trotzdem lieb, und das ist alles nicht schlimm. Und selbst wenn das jetzt vielleicht, wenn du irgendwann älter wirst, und du möchtest noch andere Dienste nutzen, die auch sinnvoll sind, dass also man dort im Prinzip auch die Angst vor Streit mit Eltern, die muss man auch im Blick haben.

Ralf: Ich hab da manchmal das Gefühl, dass Eltern da auch, ich will jetzt nicht sagen, alles über einen Kamm scheren, aber ich glaube, in dem Moment, wo man Kindern deutlich macht, mir ist klar, das Spielen was anderes ist als Kommunikation mit deiner Klassengemeinschaft zum Beispiel, kann das ja auch entspannend.

Moritz: Stimmt. Da vielleicht auch zu sagen, dass jetzt mit anderen Leuten sich per Chat zu verabreden, ist zwar Bildschirmzeit, aber das ist nicht also die Zeit, um die es geht, wenn man über Unterhaltung spricht.

Ralf: Das ist ja auch was, wo ich häufig denke, dass es gut wäre, wenn Eltern zum Beispiel sowas wie WhatsApp auch aus dieser Bildschirmzeit eingeschränkten Bildschirmzeit unter Umständen rauslassen.

Moritz: Wenn WhatsApp nicht ausschließlich, dann auch wieder zum Zeit Totschlagen verwendet wird, was natürlich, worüber man auch wider sprechen muss.

Ralf: Ja.

Moritz: Von daher zusammengefasst, ich glaube, dass Kinder keine Angst haben sollten vor social media, sondern Respekt.

Ralf: Das ist eine sehr schöne Zusammenfassung, finde ich.

Moritz: Ich glaube, so lassen wir es stehen, aber du merkst, ich bin noch nicht so richtig. So richtig, so richtig abgeschlossen habe ich mit dem Thema nicht.

Ralf: Muss es ja auch nicht.

Moritz: Ich trage das noch mit mir herum.

Ralf: Vielleicht bitten wir einfach auch um Rückmeldung.

Moritz: Genau wir freuen uns über Rückmeldung.

Ralf: Sehr schön! Was gibt’s sonst noch so?

Moritz: Unter, und sonst möchte ich mit dir ja gar nicht und besprechen. Das große Come Back steht an.

Ralf: Sahra Wagenknecht hat eine Partei gegründet.

Moritz: Nein, dass ist auch heute passiert, aber heute ein ereignisreicher Tag, die die Demonstrationen der Landwirte hat auch uns sehr beeinträchtigt. Es mussten Workshops in Schulklassen ausfallen, weil man einfach mit dem Auto nicht hinfahren konnte in die jeweiligen Städte. Der eine Kollege von uns hat drei Stunden für 100 Kilometer Autobahn gebraucht. Mir wurde ein Video zugeschickt zu den, zu den Demonstrationen, zu den Trecker Blockaden und war sehr krass zusammengeschnitten. Und da hast du gesehen, wie die Trecker da irgendwie auf Autobahn rumstehen und wie die dann auch, also wirklich ein Güllefass ausgeleert haben, und haben da irgendwelche Häuser bespritzt mit Gülle und auch Misthaufen überall hin geschüttet, und ich hab echt gedacht, so, das geht nicht! Also das fand ich wirklich unangemessen.

Ralf: Darf ich eine Vermutung anstellen?

Moritz: Ja, was war los?

Ralf: Proteste in Frankreich?

Moritz: Genau. Das war aber so zusammengeschnitten, dass du wirklich, beim Durchgucken hast du nicht erkannt, dass das Proteste aus Frankreich waren, und ich habe es mir drei oder viermal dann angeguckt, und dann siehst du dann doch auch tatsächlich französische Flagge an einer Stelle. Oder seltsamerweise wurde dann immer geschnitten, wenn Plakate oder Nummernschilder zu sehen gewesen wären. Da habe ich auch wieder gedacht, so, du musst echt aufpassen, was da einem so in die social media timeline rein gespült wird, und wäre ich jetzt nicht so skeptisch gewesen, hätte ich unter Ständen irgendwann mal gesagt, so, hier guck mal. Fand ich aber schon krass, hier mit diesen Gülle da in irgendwelche Häuser spritzen, und ich gehe davon aus, dass sie das nicht gemacht haben. Also, so rabiat waren die Proteste tatsächlich nicht, aber passt auch zu unserer Folge-

Ralf: Ich notiere gerade schon Umgang mit Falschmeldungen in die Show Notes.

Moritz: Nein, das Come Back. 20 Monate hat man nichts von ihr gehört.

Ralf: Ich bin total gespannt.

Moritz: Ich rede über Bianca Claßen. bekannt als Bibi von BibisBeautyPalace.

Ralf: Habe ich heute von gehört. Ich habe heute mit Erzieherinnen und Erziehern gearbeitet. Da hat das auch jemand erwähnt, aber ich weiß nicht, was da passiert ist.

Moritz: Ja, also, sie ist abgetaucht nach der ja mehr oder weniger vielleicht auch unschön öffentlich dargestellten Trennung von ihrem Mann. Ganz kurz für alle, die sich nicht erinnern, wer Bibi war. BibisBeautyPalace war letztendlich auch eine mit einer der erfolgreichsten Influencerin für ja Jugendliche, kann man sagen, die.

Ralf: Ja, vor allem Mädchen halt.

Moritz: In erster Linie auch Mädchen, die so ein Mittelding aus Schminktipps, Lifestyle oder auch einfach nur so aus ihrem Leben erzählt hat. Nach und nach ist sie erwachsen geworden. Mittlerweile ist sie 30, und nach der Trennung, die dann auch ja, ich würde schon sagen, sehr unschön inszeniert wurde oder in social media inszeniert wurde, von unterschiedlichsten Leuten auch befeuert, ist sie dann abgetaucht, mehr oder weniger und hat jetzt ein Come Back angekündigt. Und was sie dann genau machen will, ging daraus nicht hervor.-

Ralf: Wird sie wieder singen?

Moritz: -Aber sie wird sich wohl wieder neu erfinden, dass, das weiß ich nicht, aber zumindest war für mich interessant zu überlegen, dass sie, wenn sie 30 ist. Ist das tatsächlich möglich in Würde als Influencerin, die angefangen hat, so für 13 Jährige so Schminkvideos zu machen. Kann man da in Würde tatsächlich alt werden in irgendeiner Form, oder ist es letztendlich dann doch so ne Kultur, die davon lebt, irgendwie so ein bisschen trash zu sein, irgendwie so ein bisschen unseriös. Oder kannst du da wirklich alt mit werden? Werden deine Fans mit dir alt, oder machst du dann irgendwann mit 40 Schmink Videos für die dann 13 Jährigen? Und dann hab ich überlegt und Phil Laude ist mir eingefallen. Phil Laude, du kannst dich vielleicht erinnern an Y-Titty.

Ralf: Y-Titty, ja.

Moritz: Das waren auch so im Prinzip so Comedy, aber haben sich auch selber erfunden in der Anfangszeit von, nicht unbedingt Anfangszeit von YouTube, aber waren somit die ersten in Deutschland, die überregional doch auch ziemlich erfolgreich waren, würde ich schon sagen, waren auch Influencer in irgendeiner Form, und Phil Laude macht jetzt diverse Formate für Funk, hat auch, glaube ich, in einer ARD-Serie mitgespielt. Da kann man schon sagen, der hat den Übergang geschafft von so einem Youtube-Star, der da so zum Teil auch relativ albernen Teeny Comedy, gemacht hat, hinzu einem dann doch auch mehr oder weniger erfolgreichen erwachsenen Schauspieler.

Ralf: Auf jeden Fall.

Moritz: Und in dem Zusammenhang, du merkst, ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht, musste ich denken an eine Doku. Ich weiß nicht, ob du die gesehen hast. Die eine dreiteilige ARD-Doku zu VIVA.

Ralf: Habe ich gesehen.

Moritz: hast du die gesehn? Ich war, also ich war total, also ich muss sagen, ich fand die großartig.

Ralf: Ich fand sie auch toll, also das war so, das war, das war ganz viel, meine, also, ich hab mich da an ganz vielen Stellen wiedergefunden, so.

Moritz: Also, für alle jüngeren Zuhörerinnen und Zuhörer, VIVA war ein Musiksender für die noch jüngeren Zuhörerinenn und Zuhörer, ein Musiksender etwas ganz Verrücktes. Da haben andere Leute ausgewählt, welche Musikvideos mal gucken sollte. Also anders als bei YouTube. Und VIVA kam in den 90er, 1993 gestartet als Alternative zum großen Vorbild MTV. Und was, also Heike Makatsch zum Beispiel, es wäre ohne wie wir heute undenkbar Schauspielerin. Ich weiß nicht, ob es eine gute Schauspielerin ist, das kann ich nicht beurteilen. Stefan Raab, Moda Adebisi, alles Leute, wobei ich weiß nicht, ob der heute in irgendeiner Form relevante Kunst schafft. Das, da bin ich jetzt nicht im Bilde, aber zumindest, weshalb ich daran denken muss.

Ralf: Tobi Schlegl.

Moritz: Tobi Schlegl auf jeden Fall, ja, und als ich das gesehen habe ich da, da war die Welt noch in Ordnung, diese sorglosen 90er-Jahre, wobei manches, Nils Ruf oder auch Stefan Raab, haben Sachen gemacht, die waren schon auch, würde ich sagen, grenzverletzend. Aber was ich interessant fand, ist, dass die Wahrnehmung der, sage ich mal, etablierten Medien oder der vielleicht Erwachsenen damals war, also von dieser Kultur, die wir jetzt hier heute so so romantisch betrachten, stand zum Beispiel im Spiegel, das ist der Spiegel Ausgabe 37 von 1993, in dem Fall über MTV schrieb der Spiegel, du weißt Bescheid: 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr, 1500 Bilder pro Minute, MTV versorgt die europäische Jugend mit dem Schönsten, was die wahren Welt zu bieten hat. Fesche, Burschen in zerfetzten Lederklamotten zupfen, E-Gitarren, schöne Frauen wippen dazu Busen und becken, und den Hintergrund füllen meist Nebelschwaden oder Großstadtlichter. Niemals Langeweile, ständig gute Laune, und jetzt über die Kopfschmerz Grenze hinaus. Also es war schon ganz klar, also wirklich vernünftig ist das nicht, was da im Musikfernsehen stattfindet, und weiter geht es mit Augen und Verstand der Zuschauer bekommen keine Pause. Zwischen den Videos gibt es Nachhilfeunterricht in Sachen Lebensart, was man anziehen, was man trinken, was man sehen muss. Das heißt also, die Beurteilung der etablierten Medien, der Erwachsenen der 90er-Jahre war so richtig Hochkultur ist, dass nicht was auf VIVA und MTV passiert. Und 30 Jahre später sitzen so Typen wie du und ich sitzen dann sagen: Ach komm, wie romantisch und schön, dass damals alles war, und ich bin mir ziemlich sicher, in 30 Jahren oder vielleicht in 20 Jahren wird es irgendwo ne Doku geben über die Influencerinnen und Influencer der weiß ich nicht. 10er und 20er Jahre.

Ralf: Bei YouTube.

Moritz: Und wird dann gesagt, Menschen kommen, wie toll war das damals.

Ralf: Damals gab es YouTube.

Moritz: BibisBeautyPalace das war noch richtig, richtig harmlos, und von daher ist da wahrscheinlich vieles einfach, auch Jugendkultur. Und ob das gut ist oder nicht, sollten wahrscheinlich so Typen wie du und ich gar nicht beurteilen.

Ralf: Ne.

Moritz: Von daher geben wir Bibi eine Chance. Das Come Back des Jahres.

Ralf: Zu werden.

Moritz: Wie auch immer.

Ralf: Dann würde ich sagen, behalten wir Bibi wohlwollend im Auge.

Moritz: Dass wir sowas mal sagen würden, nh. Aber sollten wir.

Ralf: Sollten wir auf jeden Fall, und wir sagen für heute auf Wiederhören. Vielen
Dank fürs Zuhören. Wir freuen uns wir immer über Rückmeldung an podcast@smiley-ev.de oder über direkt Message bei Facebook oder Instagram und sagen bis zum nächsten Mal.

Moritz: Uns hat noch nie jemand per Facebook geschrieben. Die komplette Kommunikation findet über Instagram oder Mail statt. Also alle, die facebook nutzen, man sollte uns wirklich mal über Facebook schreiben. Schluss vor heute!

Ralf: Tschau!

Moritz: Tschüss!



Erwähnte Folgen:
Folge 29: Umgang mit Falschmeldungen
Folge 25 - Gute Regeln für Klassen-Chats





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