Allgemeine Geschäftsbedingungen

Chuck Norris liest keine AGBs ...

… viele andere auch nicht – Jugendliche schon gar nicht. Aber wie realistisch ist der pädagogisch gut gemeinte Ratschlag, beim Registrierungsvorgang immer die AGBs zu lesen?

„Meine Mutter sagt immer, ich soll diese AGBs immer lesen. Aber das geht ja gar nicht, das ist viel zu lang“, beschrieb ein Schüler in einem Klassenworkshop von smiley e.V. das Dilemma des Registrierungsprozesses. „Liest deine Mutter immer die AGBs?“ wollte daraufhin ein Mitschüler wissen: „Ich glaube, meine Mutter hat sich noch nie irgendwo im Internet angemeldet“, so die Antwort.

Wie realistisch ist dann diese Empfehlung, immer die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu lesen? Wer das Internet aktiv nutzt, weiß, wie wirklichkeitsfremd der Vorsatz, konsequent seitenlange Geschäftsbedingungen und Datenschutzbedingungen durchzuarbeiten, ist. Hilft es dann Kindern und Jugendlichen, wenn ihnen dennoch genau das vorgeschlagen wird? Gibt es Alternativen? Was schlagen Schüler vor?

Wichtiger als Datenschutzfragen ist Kindern und Jugendlichen das Umschiffen von Kostenfallen bzw. illegalen Quellen. Dabei soll an dieser Stelle nicht dargestellt werden, ob Minderjährige generell im Internet als Vertragspartner in Erscheinung treten dürfen oder ob sie für ihr Handeln am Ende finanziell geradestehen müssen. „Ich will keinen Ärger, vor allem nicht mit meinen Eltern“ reicht als Argument, unseriöse Quelle zu erkennen um nicht darauf hereinzufallen.

„Wenn ich ein bestimmtes Programm irgendwo zu Download finde, dann gucke ich immer, ob es das auch bei chip.de gibt. Und dann lade ich es da runter“ ist zum Beispiel eine vernünftige Strategie. Verschiedene deutsche Portale - bspw. von Computerzeitschriften - können als verlässliche Quellen für legale Downloads gelten. Auf diese Weise müsste man sich nur ein einziges Mal mit den Bedingungen des entsprechenden Anbieters auseinandersetzen und entscheiden, ob das Portal vertrauenswürdig ist. Anschließend können in der Regel von dort unbesorgt weitere Programme heruntergeladen werden. So können vor allem Anbieter umschifft werden, die kostenlose Programme und Updates letztendlich zum kostenpflichtigen Download anbieten. Ein Schwachpunkt hier ist allerdings, dass nicht jedes legal bei chip.de verfügbare Programm zu jedem Einsatz in Deutschland verwendet werden darf. „Was soll das denn? Das Programm darf man besitzen, aber nicht benutzen? Wo ist da der Sinn?“, verzweifelte ein Schüler an diesem Umstand.

Kundenmeinungen in Form von Bewertungen können ebenfalls helfen, die Seriosität eines Angebots einzuschätzen. Das gilt vor allem auch für Smartphone-Apps. Ausführlicher ist hier natürlich eine kurze Internetrecherche. „Ich gebe bei Google immer das was ich machen will und kostenlos oder legal als Suchbegriff ein. Und wenn dann schon bei Gutefrage.net keiner weiß, ob das okay ist, will ich das gar nicht haben“ lautet hier die Vorgehensweise eines Schülers. Allerdings ist hier die Mentalität „im Zweifelsfall besser nicht“ Voraussetzung.

Das eigene Umfeld unabhängig vom Internet als Beratungsnetzwerk zu nutzen, entspricht dem Vorschlag eines anderen Schülers: „Wenn ich weiß, meine Freunde nutzen das auch und die haben keine Probleme damit, dann wird das schon gut sein.“ So gesehen kann versucht werden, von den Erfahrungen anderer (Fehlern mit eingeschlossen) zu lernen. „Erst wenn ich keinen kenne, der das nutzt, dann muss ich die AGBs lesen. Aber meistens habe ich dann keine Lust dazu und nutze ich das Angebot eben nicht.“

Doch auch hier hatte ein Schüler eine Idee: „Ich durchsuche immer diese langen Texte nach Wörtern wie ‚bezahlen‘, ‚kostenlos‘, ‚EUR‘ oder ‚Rechnung‘. Das geht mit der F3-Taste total gut“. Sicherlich gibt es weitere Schlüsselworte, nach denen gesucht werden könnte – in jedem Fall geht es viel schneller als das komplette Durchlesen.

Eine Garantie, nicht über den Tisch gezogen zu werden, bieten alle diese Varianten natürlich nicht. Es handelt sich maximal um eine ganz pragmatische Risikominimierung im Sinne von "besser als gar nichts".

Dennoch war ein Schüler nach langer Diskussion der Meinung, es wie Chuck Norris zu lösen, denn Chuck Norris liest eben keine AGBs. Eine Mitschülerin beurteilte aber spontan die unterschiedliche Ausgangslage zwischen Chuck Norris und den meisten Internetnutzern wie folgt: „Chuck Norris zahlt auch keine Rechnungen!“

Dieser Beitrag wurde am 25.09.2012 verfasst.

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