Jahresrückblick: Studien 2013

Mobile Nutzung , ernsthafte Konkurrenz zu Facebook und Datensicherheit sind die großen Themen der Studien 2013, wenn es um das Mediennutzungsverthalten von Kindern und Jugendlichen geht.

Rückblickend auf das vierte Quartal 2012 werden laut Webtrekk-Langzeitstudie 13 % der Zugriffe auf das Internet mobil getätigt. Das ist gegenüber Anfang 2012 (8%) eine deutliche Steigerung. Ähnliche Erkenntnis bei der Initiative D21: 37% der in Deutschland lebenden Menschen haben ein Smartphone (2012: 24%) und 13 % ein Tablet (gegenüber 5% im Vorjahr). Interessant auch: ein Fünftel der Deutschen ist freiwillig offline und verweigert sich bewusst.

Außerdem scheint auch weiterhin die Gesellschaft mit Blick auf das Kommunikationsverhalten auseinanderzudriften. Nach einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach wird viel weniger über Generationen hinweg kommuniziert, sondern viel mehr innerhalb der Altersklassen. Mit eine Ursache ist die Nutzung sozialer Netzwerke, bei denen ältere Generationen nach wie vor weniger aktiv sind.

Dennoch holen die „Alten“ nach: der Branchenverband Bitkom stellt fest, dass mittlerweile zwei Drittel der Internetnutzer zwischen 50 und 64 Jahren in mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet seien.

Onlinesucht nach wie vor im Fokus der Forschung

Die Universität Mainz und das Landesmedienzentrum Rheinland-Pfalz kommen zum Ergebnis, dass fast jeder zehnte Jugendliche in Deutschland das Internet zu intensiv bzw. in problematischer Weise nutzt. Die Studie formuliert Suchtverhalten als ein „dysfunktionales Verhaltensmuster, welches sich durch wiederholten Kontrollverlust in Bezug auf die Internetnutzung charakterisieren lässt. Dieses Verhalten kann zur Vernachlässigung verschiedener Lebensbereiche ([…]), zu sozialer Isolation sowie gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.“ Als tatsächlich „süchtig“ betrachten die Autoren 0,9 Prozent der 14- bis 17-jährigen. Als gefährdet gelten 9,7 Prozent.

In absoluten Zahlen spielt laut einer Bitkom-Umfrage ein Durchschnittsspieler 110 Minuten am Tag. Die allermeisten spielen abends, 13% der Befragten gaben an, zwischen 9 und 12 Uhr zu spielen. In der ARD-ZDF-Onlinestudie ist zu lesen, dass Onliner fast drei Stunden täglich im Netz unterwegs seien. Die JIM Studie 2013, die die Mediennutzung von Jugendlichen zwischen Zwölf- und 19-Jahren erforscht, kommt auf 179 Minuten täglich (Mo-Fr).

3,5 Stunden Handynutzung bei der Altersgruppe zwischen 18 und 25 ermittelt die Akademie der media in Stuttgart und die Agentur Mind Store Marketing. Whatsapp wird etwas mehr als eine Stunde genutzt, Facebook und andere soziale Netzwerke spielen 44 Minuten eine Rolle. Telefonieren und SMS rangiert weit dahinter: lediglich 13 Minuten.

Facebook als Informationsquelle – bspw. für Hausaufgaben

Welche Folgen eine derart intensive Nutzung des Internets hat, ist in der Forschung umstritten. Neutral festzustellen ist, dass die Mehrheit der Jugendlichen (57%) während der Hausaufgaben online ist. Das Marktforschungsinstituts Mafo stellte fest, dass 76 % während der Hausaufgaben mit Freunden chatteten und 63% das Internet für die Hausaufgaben benötigten. Dennoch wird auch der Chat im Sinne der Hausaufgaben genutzt. 70% erklärten, dass sie mit Freunden die Hausaufgaben diskutierten und mitunter bspw. gemeinsam Referate vorbereiten. Interessant an dieser Stelle: 52 % wählten hierzu Facebook und nur 42 % E-Mail als Kanal. Dies belegt auch die Studie "Relevanz der Medien für die Meinungsbildung". Demnach nutzen fast zwei Drittel der 14- bis 29-jährigen Facebook, um sich nicht nur über ihre Freunde zu erkundigen, sondern auch um sich über das aktuelle Tagesgeschehen zu informieren.

Facebook Abstinenz

„Facebook macht vielen schlechte Laune“ titelte Spiegel online im Januar 2013. Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt und der Humboldt-Universität zu Berlin machen positive Nachrichten anderer dafür verantwortlich, dass die Zufriedenheit mit dem eigenen Sein sinke.

2013 scheint auch bewusste Facebook-Abstinenz im Trend zu liegen: 61 % der Befragten gaben laut einer amerikanischen Studie an, dass sie für längere Zeit auf Facebook verzichteten. Irrelevante Inhalte, das Gefühl, Zeit zu verschwenden und nervige Kommentare wurden als Begründung angegeben.

Der Wert eines Facebooknutzers liegt nach Einschätzung der Marketing-Agentur Synacapse bei durchschnittlich 174,17 US-Dollar. Das sind gegenüber der letzten Schätzung von vor drei Jahren 37,79 Dollar mehr (136,38 Dollar).

Neben Facebook spielen laut Bitkom nach wie vor Stayfriends, Wer-kennt-wen, Xing, Google+ und Twitter eine nennenswerte Rolle. StudiVZ wird mittlerweile nur noch von einem Prozent der Internetnutzer genutzt. Interessant außerdem in der Studie: Neben einer wesentlich intensiveren Nutzung stellen die Autoren einen kritischeren Umgang mit Privatsphäre und Datenschutz im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken. „Das Knowhow der Nutzer ist gestiegen und viele Anbieter haben konkrete Verbesserungen beim Datenschutz eingeführt“, erklärt Vize-Präsident Achim Berg. Nach einer Umfrage des GfK-Vereins machen sich 70% der Befragten Sorgen um den Schutz ihrer privaten Daten im Internet. 7 % der Deutschen sind demnach außerdem schon einmal Opfer von Datenmissbrauch geworden. Eine deutliche Mehrheit hält die Maßnahmen der Bundesregierung für nicht ausreichend.

Zumindest amerikanische Jugendliche sind bezogen auf Datenschutz nicht so naiv, wie oft angenommen wird. In der Studie „Teens and Mobile Apps Privacy“ werden Jugendliche als sehr kritische Anwender beschrieben, die sich mittlerweile bewusst Gedanken um ihre Daten machen, wenn sie Apps installieren.

Whatsapp statt Facebook

„Soziale Netzwerke vergreisen“ ist bei heise online zu lesen, „Die Jugend verlässt Facebook wieder“ lautet die Überschrift bei Focus.de und Spiegel Online hält Facebook im Jahr 2013 für „offenbar out“. Das Marktforschungsinstitut Comscore ermittelte im Auftrag des "Focus" Zahlen, nach denen die Nutzer von Facebook immer älter werden und jüngere nach und nach dem Netzwerk den Rücken kehren. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die amerikanische Analysefirma Socialbakers.

Was die mobile Nutzung angeht ist Whatsapp 2013 der Konkurrent, der Facebook am dichtestesten auf den Fersen ist: Noch hat Facebook nach eigenen Angaben Ende 2013 ca. 874 Millionen mobile Nutzer. Whatsapp geht von 400 Millionen eigenen Nutzern aus.

Der größte Verlierer ist aber wohl der Fernseher: 61 % der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren besitzen keinen eigenen Fernseher. Bitkom kommt unter anderem zum Ergebnis, dass PC, Laptop und Smartphone das Fernsehgerät bei Jugendliche im eigenen Zimmer verdrängt haben. Obwohl ein Fernsehgerät zwar im Haushalt ist, nutzen 14% den Familienfernseher nicht. Hatte der Fernseher 2010 noch einen Marktanteil bei Bildschirmgeräten von 32 %, sind es 2013 nur noch 16 Prozent.
Lediglich bei Kindern ist der Fernseher noch Medium Nummer 1: Laut der KIM Studie ist nach wie vor Fernsehen das beliebteste Medium, auf das 57 % der Kinder nicht verzichten würden. 79 % der Kinder nutzen den Fernseher täglich, das Internet lediglich 22 %. 17 % der schon im Jahr 2012 befragten Kinder nannten Facebook ihren Favoriten, gefolgt von Youtube mit 12 %. Das Mindestalter von 13 Jahren in den Geschäftsbedingungen von Facebook scheint hier keine große Rolle zu spielen. 62 % der befragten Kinder nutzen das Internet zumindest selten, bei den 13 Jährigen sind es 93 %.

Medienerziehung 2013

Was über die Jahre bleibt, ist die Erkenntnis, dass nach wie vor Eltern zu wenig über die Computeraktivitäten ihrer Kinder wissen. Mit einer Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) belegt, dass mittlerweile auch Eltern als Vorbilder gelten, wenn es um Computerspiele geht. Gemeinsam mit dem Hans-Bredow-Institut für Medienforschung und den Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft wurden [ Link: „Computerspiele(n) in der Familie“ -> lfmpublikationen.lfm-nrw.de/catalog/product_info.php?products_id=298 ] Computerspielesozialisation von Heranwachsenden unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte“ erforscht. Interessant allerdings auch, dass es gerade die eher nicht als Vorbild wahrgenommenen Mütter sind, die aus Sicht der Befragten die (Medien-) Erziehungsarbeit leisten - aber eben nicht als Vorbild.
Allerdings gaben im Rahmen einer Studie des IT-Sicherheitsunternehmens McAfee 71 % der befragten Jugendlichen an, dass ihren Eltern ihre Aktivitäten im Netz egal sind.

Vielen Dank an Maik Rauschke (medienreferenten.net) für die Mitarbeit an diesem Rückblick!

Dieser Beitrag wurde am 22.12.2013 verfasst.
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