Eltern bei WhatsApp

Vernetzt gegen die Lehrkraft

Dass sich Schülerinnen und Schüler in WhatsApp-Gruppen organisieren, ist mittlerweile bekannt. Dass diese Vernetzung zwar oft sehr positiv wirkt, aber auch Konflikte im Schulalltag nach sich zieht ebenfalls. Was viele Schulen vor eine völlig neue Herausforderung stellt, sind Eltern in WhatsApp-Gruppen.

Die Eltern der Klasse 2a sind über eine WhatsApp-Gruppe bestens vernetzt. Fast alle Familien sind mit mindestens einem Elternteil in der Gruppe vertreten. Kurz vor dem regulären Elternabend kam es jetzt zum Eklat. Eine Mutter beklagte sich über die Hausaufgaben in Mathe: "Meine Tochter hat heute drei Stunden für Mathe gebraucht. Was denken die sich eigentlich in der Schule?" Andere Eltern stimmten mit ein und hatten Ähnliches zu berichten. Dazu kommt, dass die Lehrerin "gar nicht richtig erklären kann" und "Fragen ignoriert". Man hätte von der weiterführenden Schule gehört, dass die Mathematiklehrer immer "klagen, wenn die Schüler von unserer Grundschule kommen, weil die Mathelehrer so schlechten Unterricht machen." Eine Mutter hat erfahren, dass "unsere Lehrerin von einer anderen Schule strafversetzt wurde". "Immer müssen wir alles ausbaden, weil die guten Lehrer natürlich alle in der Großstadt unterrichten. Wer will schon in so einem Kaff Lehrerin sein? Da bleiben nur die, die sonst keiner will". An der ganzen Diskussion haben sich acht Elternteile beteiligt - die anderen Gruppenmitglieder haben lediglich mitgelesen und sich nicht geäußert.

Der kommende Elternabend wurde von erbosten Eltern entsprechend eröffnet: "Wir sind einstimmig der Meinung, dass das so mit den Hausaufgaben nicht weitergehen kann!" Weitere Vorwürfe gegen ihren Unterricht und die Art der Klassenleitung folgten. Die Lehrerin hatte mit so einer Situation gar nicht gerechnet. Sie fühlte sich der wie vorbereitet wirkenden Argumentation gegen ihren Unterricht überrumpelt und ist fassungslos …

Von solchen Situationen berichten derzeit einige Schulen. Nicht immer sind es die Lehrkräfte, die sich der Dynamik der WhatsApp-Kommunikation hilflos ausgeliefert sind. In manchen Fällen sind es auch Elternvertreter, die hier frustrierende Erfahrungen machen mussten.

Vielen Eltern fehlt die Erfahrung mit sozialen Medien. Die enthemmende Wirkung der textbasierten Kommunikation wird von vielen unterschätzt. Das Mitlesen anderer Gruppenmitglieder, die sich aus verschiedenen Gründen nicht an der Diskussion beteiligen, wird als Zustimmung gewertet. So entsteht der Eindruck, dass „ja alle der Meinung waren“ und so scheinbare Legitimierung der Wortführung vorherrscht – die dann im Elternabend entsprechend brachial zur Sprache kommt. Spannend sind die Begründungen von Eltern, die nur mitgelesen haben, wenn es dann zu einer konstruktiven Aussprache kommt: „Meine Tochter braucht nicht viel Zeit für Hausaufgaben. Aber das kann ich ja schlecht schreiben. Wie wirkt denn das auf die Anderen?“, „Mir war das total unangenehm, was dort geschrieben wurde. Ich habe den Chat immer nur kurz ausgewählt, damit er als gelesen markiert ist“ oder „Lehrer haben studiert, die müssen das dann doch klären können, wenn es zur Sprache kommt“, sind oft Begründungen, weshalb sich – vielleicht nachvollziehbar – Eltern hier heraushalten.

Doch auch die Schulen sind in diesem Bereich noch zu unerfahren. Viele Lehrkräfte würden sich wünschen, dass es keine WhatsApp-Gruppen unter Eltern gibt. Es herrscht die Hoffnung vor, dass dann weniger Chaos entsteht. Dabei sind gut vernetzte Eltern durchaus ein Vorteil. Konstruktiver könnte sein, mit den Eltern im Rahmen der Elternarbeit über eben diese Chancen zu sprechen. Dazu gehört natürlich auch, die zu erwartenden Dynamiken zu erklären. Präventiv wirkt in jedem Fall, im Rahmen eines regulären Elternabends über die Chancen einer digitalen Vernetzung unter der Elternschaft zu sprechen. So lassen sich auch Verhaltensweisen im Falle einer Eskalation erarbeiten, bevor es zum ersten Konflikt kommt.

Dieser Beitrag wurde am 18.10.2017 verfasst.



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