Elternkontrolle bei Whatsapp

„Dir schreibe ich nicht mehr!“

Eltern stehen oft vor einem Dilemma: ist Kontrolle besser als Vertrauen? Welche ungewünschten Folgen die Kontrolle des Kindersmartphones haben kann, wurde gerade in einer Klasse sehr deutlich. Was von Eltern gut gemeint ist, hat oft negative Nebenwirkungen für das Kind.

In einem Workshop von smiley e.V. in einer siebten Klasse ging es darum, wie wichtig es ist, dass das eigene Handy mit einem guten Sperrbildschirm gesichert sein muss und wie viele private Informationen ein Smartphone enthält. Wie immer war den Schülern klar, dass ein Handy oft mehr über jemanden verrät als ein Tagebuch. Schnell erklärte ein Schüler, wie er sein Handy und somit einen Teil seiner Privatsphäre sichert: Mit einem entsprechend schwer zu erratenen Pin und verschlüsselter Speicherkarte. An dieser Stelle verblüffte eine Schülerin die ganze Klasse mit einer scheinbar harmlosen Information: „Ich musste meinen Eltern mein Muster für den Sperrbildschirm sagen, weil sie abends immer mein Handy kontrollieren, wenn ich abends im Bett bin.“ Ganz kurz sagte niemand etwas, bis dann eine Mitschülerin vorsichtig nachfragte: „Lesen deine Eltern auch deine Whatsapp-Nachrichten?“ „Ich denke“, lautete die unsichere Antwort. „Dir schreibe ich nicht mehr“, platzte es einer anderen Schülerin heraus. Und in der Klassengruppe sollte das betroffene Mädchen besser auch nicht mehr sein.

heimlich oder angekündigt kontrollieren?

Was hier beschrieben wird, ist sicher kein Einzelfall. Oft ist es so, dass die Eltern – wie in diesem Fall – aus Fairness nicht heimlich kontrollieren. Sie halten es für besser, wenn das Kind weiß, dass sie mitlesen, als heimlich zu kontrollieren. Dann ist klar, dass für das Kind das Smartphone kein Bereich mit Privatsphäre ist. Viele Mädchen und Jungen, deren Eltern auf diese Weise kontrollieren, nutzen das Handy entsprechend. Es werden annähernd keine privaten Fotos gemacht, es wird nichts geschrieben, was die Eltern nicht lesen dürfen und keine Apps installiert, die vermeintlich Diskussionen nach sich ziehen können. Auf den ersten Blick scheint alles gut: die Eltern passen auf und verletzen nicht die Privatsphäre des Kindes, weil es von vornherein weiß, dass es am Handy keine Privatsphäre gegenüber den Eltern hat. Übersehen wird, dass aus Sicht der Mitschüler die Privatsphäre der Chatpartner ebenso gefährdet ist.

„Dir schreibe ich nicht mehr“ eine schlüssige Konsequenz?

„Dir schreibe ich nicht mehr“ hat nichts damit zu tun, dass die Mitschüler das betroffene Mädchen nicht mögen oder schikanieren wollen. Sie wollen einfach nicht , dass die Eltern mitlesen. Sicherlich wäre es möglich, bei allen Mitteilungen zu bedenken, dass es die mitlesenden Eltern gibt. Allerdings wurde diese Option spontan nicht diskutiert. Das Bauchgefühl der Schülerinnen und Schüler sagt: „wenn ich dir schreibe, will ich grundsätzlich nicht, dass deine Eltern mitlesen.“ Der Ausschluss aus der Klassengruppe erscheint so konsequent. Der gute Wille, das Kind von Gefahren abzuschirmen führt somit eher zu einer Abschirmung von der Kommunikation in der Klasse. Ob dies automatisch bzw. objektiv zwangsläufig zu einer sozialen Isolation innerhalb der Klassengemeinschaft führt, ist nicht relevant, wenn es von den einzelnen Mädchen und Jungen so empfunden wird.

Vermutlich wird sich das Mädchen sehr über sich geärgert haben, dass sie ihrer Klasse von der Elternkontrolle erzählt hat. Es wird aber unabhängig davon für Kinder und Jugendliche belastend sein, wenn sie generell wissen, dass die Eltern die gesamte Kommunikation mitlesen können. Ob die angekündigte Kontrolle somit angenehmer ist als die heimliche, ist schwer zu beurteilen. Aus Sicht der Eltern scheint es oft ehrlicher und somit besser. Eltern sollten aber dennoch die genannten Aspekte berücksichtigen, wenn sie sich für eine Kontrolle des Handys entscheiden – was nicht pauschal gegen Kontrollen spricht.

„Das Internet bietet keine Privatsphäre, wenn Menschen keinen Respekt haben“

Die weitere Diskussion in der eingangs erwähnten Klasse nahm eine interessante Richtung. Schnell wurde klar, dass Whatsapp nicht mit einem Brief und dem entsprechenden Briefgeheimnis gleichgesetzt werden kann. Egal ob die Kommunikation verschlüsselt ist oder nicht – wer das Endgerät samt Passwort hat, kann alles lesen. „Aber eigentlich müsste es anders sein“, überlegte ein Schüler, „aus Respekt krame ich ja auch nicht in den Schultaschen anderer Leute.“ Aber leider sei das Internet anders: „Das Internet bietet keine Privatsphäre, wenn Menschen keinen Respekt haben“. Das klang generell schlüssig. Ob er damit die Eltern seiner Mitschülerin meinte, sagte er nicht.

Dieser Beitrag wurde am 22.04.2016 verfasst.



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