Diskussion

Lernen beim Spielen: „Das ist bei der Playstation auch so!“

Sechs Grundschüler spielen in der Pause Fußball. Der Ball landet im Aus und Streit entsteht. „Wir haben den Ball“ – „Nein, Benni hat ihn noch berührt“ – „aber nur angeschossen“ – „Egal, trotzdem! Das ist bei der Playstation auch so!“ Der Konflikt ist geklärt, es wird Bundesligakonform ein Einwurf vollzogen und das Spiel geht weiter – nach korrekten Regeln, vermittelt von der Playstation.

Dieses Beispiel kann als Beleg dafür interpretiert werden, wie wichtig gute Computerspiele sein können. Denn längst vermitteln auch Spiele, die vordergründig als Unterhaltungssoftware gelten auch Wissen. In diesem Falle Wissen über die Regeln des Fußball. Das gleiche gilt sicher für Spiele wie den Landwirtschaftssimulator, wenn es darum geht, wie Strohballen entstehen, welche Maschinen zur Maisernste benötigt werden, wie eine Biogasanlage befüllt wird oder was ein neuer Mähdrescher kostet. Bei verschiedenen simplen Browsergame können spielerisch Backrezepte erlernt werden.

Computerspiele müssen nicht realistisch sein – oder doch?

Kinder spielen diese Spiele in der Regel wegen des Unterhaltungswerts – und lernen nebenbei. Wie Kinderbücher, die keine Sachbücher sind vermitteln sie verwertbares Wissen. Wichtig ist natürlich, dass diese Spiele somit wie gute Bücher oder auch Kinderfilme, die Welt entweder so realistisch abbilden wie sie ist, bzw. die Fiktion so deutlich erkennbar ist, so dass nicht irreführend. Das Mädchen keine Pferde hochheben können, weiß jeder noch so kindliche Pippi Langstrumpf Fan – auch wenn das Kind noch nicht einmal schreiben kann. Deshalb müssen gute Computerspiele ebenso wenig realistisch sein wie Kinderbücher. Wichtig ist aber, dass Kinder erkennen können, wo es unrealistisch wird. Hierbei ist wiederum das Alter, der eigene Erfahrungsschatz und ggf. die Begleitung von Älteren wichtig.

Kinder wissen, dass Fußball spielen „in echt“ körperlich anstrengend ist, auch wenn es bei der Playstation im Sitzen kaum körperlich beanspruchend ist. Aber können Sie erkennen, ob die Programmierer des Landwirtschaftssimulators ökologisch nachhaltiges Bewirtschaften eines Ackers im Spiel vergleichbar belohnen, wie es die Natur tut? Ist das Backrezept im Browsergame in den Mengenangaben von Zucker und Mehl korrekt? Steckt hier nicht im Detail das Risiko, dass Kinder falsches lernen?

Haben Programmierer oder Eltern Verantwortung?

Programmierer haben hier vergleichbar viel Verantwortung wie Kinderbuchautoren. Es geht eben nicht nur um Wissen, sondern in vielen Spielen auch um Weltanschauungen und grundsätzliche Ideale. Welche Vorstellungen vom „normalen Leben“ vermitteln die „Sims“ als scheinbar unausweichlichen Ablauf des Lebens?

Kinderbücher werden traditionell auch nach solchen Kriterien bewertet und rezensiert. Seite Jahren fehlen manchen Kritikern in Janoschs unzähligen Büchern über Tigerenten und die Schönheit Panamas die weiblichen Helden. In aktuellen Auflagen von Pippi Langstrumpf wird der „Negerkönig“ durch Fußnoten erklärt. Unvergessen ist auch die Diskussion um Ottfried Presslers Kinderbücher wie „die kleine Hexe“, in denen „Negerlein“ politisch korrekt im Jahre 2013 zu „Messerwerfern“ werden.

Diesen Diskussionen müssten sich Computerspielen generell ebenfalls stellen – wenn wir sie ernst nehmen. Dies wird allerdings weniger passieren, wenn – wie derzeit oft üblich – das scheinbar einzig wichtige Kriterium die USK Freigabe ist. In diesem Zusammenhang ist die Diskussion, ob es nicht viel besser wäre, wenn die Kinder die Fußballregeln nicht im Sportverein lernen sollen als dass sie „immer vor dem Rechner hängen“, auch wenig hilfreich. Das mag in manchen Fällen sicher richtig sein, entspricht aber nicht einer Qualitätsdebatte von Computerspielen. Doch auch jeder, der Computerspiele noch so sehr ablehnt, müsste ehrlicherweise dem Standpunkt zustimmen „wenn schon Computerspiele, dann bitte nur gute!“

Dieser Beitrag wurde am 10.12.2013 verfasst.



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