nach der Übernahme durch Facebook

Große Aufregung um Whatsapp – und jetzt?

Facebook hat Whatsapp gekauft, was bei einigen Usern zu großer Verunsicherung führt. Nach einer Woche der Aufregung und Diskussionen in unseren Workshops und Fortbildungen ziehen wir kurze Bilanz.

Zwei Kritikpunkte lassen sich nüchtern betrachtet feststellen: die Nachrichten bei Whatsapp werden unverschlüsselt versendet und der Dienst weiß eine Menge über seine Nutzer. Diverse Zugriffsrechte werden auf dem Smartphone eingeräumt. Zudem verrät Vernetzung eine Menge über einen Menschen. Beides war schon vor dem Verkauf von Whatsapp an Facebook so, wird von vielen aber erst jetzt (vielleicht endlich) verstanden und hinterfragt. 19 Mrd. Dollar ließ sich Facebook das Geschäft kosten. Das sind 42 Dollar pro Nutzer. Dieses Zahlenspiel verdeutlicht, dass sich das Internet nicht unbedingt über Gebühren, bspw. 89 Eurocent im Jahr bei Whatsapp, finanziert. Wir bezahlen mit unseren Daten. Das ist bei Google so, bei Facebook sowieso und wenig überraschend auch bei Whatsapp. Dennoch scheinen einige geglaubt zu haben, dass die Whatsapp-Gebühr ein anderes Geschäftsmodell darstellt: Geld gegen Dienstleistung. Am Ende fühlen sich hier einige über den Tisch gezogen, Whatsapp nimmt die 89 Cent und verdient nebenbei auch noch mit dem Datenschatz.

Große Enttäuschung

Engagiert wird getestet, welcher Messenger nun besser sei als Whatsapp. Dabei scheint es ein ganz entscheidendes Qualitätskriterium zu geben: gehört der Dienst Facebook oder nicht. Facebook hat (ggf. zu Recht) in Deutschland einen unfassbar schlechten Ruf. Mitunter deshalb war Whatsapp so beliebt. In vielen Diskussionen bei Lehrerfortbildungen oder Elternveranstaltungen hieß es sinngemäß: „Gott sei Dank nutzen meine Schüler/Kinder nicht Facebook sondern Whatsapp“. Kritisiert wurden die komplizierten AGBs von Facebook und die problematischen Formulierungen zur Verwertung der Daten. Nebenbei hatte sich kaum jemand mit den AGBs von Whatsapp auseinander gesetzt – die es nur in englischer Sprache gibt. Da ist es natürlich ganz besonders schockierend, wenn dann Gut von Böse übernommen wird. „Ich hätte nicht gedacht, dass die das machen“ war eine Schülerin vom Idealismus der Whatsapp-Gründer enttäuscht. Vielleicht war das Angebot doch zu gut?!

Was passiert jetzt?

Facebook kann es zukünftig egal sein, ob Jugendliche die Facebook-App benutzen oder nicht – das Unternehmen wird vom Datenschatz der mobilen Kommunikation auch profitieren, wenn Facebook als soziales Netzwerk von vielen nicht mehr genutzt wird.

Facebook erhält jetzt massenweise Handynummern, die eventuell vorher nicht bei Facebook angegeben wurden. Wobei das nur die Nutzer betrifft, die vorher nicht die Facebook-App genutzt haben, die Facebook-App konnte die Handynummer auch schon auslesen, teilweise wohl sogar ohne dass der Nutzer eigeloggt sein musste. Neu im Datensatz des Unternehmens werden die Menschen sein, die vorher kein Facebook hatten. Interessanter dürfte die Kommunikationsdichte zwischen den Nutzern sein, die teilweise auf Facebook nicht abgebildet wurde. Gerade die intensive Nutzung von Gruppen sagt aus, wie nah sich manche Personen stehen. Hier können also sehr gründliche Profile der Nutzer erstellt werden. Kurz gesagt: Facebook lernt auch die alten Facebook-Nutzer noch besser kennen.

Lernen heißt nicht alles wieder von vorne falsch zu machen

Was lernen wir daraus? Bei manchen Nutzern hat man das Gefühl: gar nichts! Die Flucht-Reaktion „schnell weg von Whatsapp“ führt in vielen Fällen nicht dazu, einmal inne zu halten und das Geschäftsmodell des Internets generell in Frage zu stellen.

Threema und Telegram sind nach unserem Eindruck die beiden Angebote, die derzeit am meisten profitieren. Beide verschlüsseln die Nachrichteninhalte und verhindern ein Auslesen durch Dritte. Wobei hier nach verschiedenen Tests Threema um Längen sicherer ist. Schön wäre in jedem Fall, wenn Whatsapp durch die Konkurrenz von Threema lernen und die Verschlüsselung entsprechend anpassen müsste. Beim genauen Hinsehen entsteht aber bei beiden Apps durch die Zugriffsrechte auf das Smartphone und Kontaktlisten ein Datenschatz, mit dem sich zumindest mittelfristig auch Geld verdienen lässt.

Der Dienst Telegram brach kurzfristig unter Last der vielen neuen Kunden zusammen. Noch ist die Infrastruktur wohl nicht in der Lage, so viele Menschen zu vernetzen, wie gerade von Whatsapp flüchten. Wenn Telegram oder Threema ernsthafte Konkurrenten zu Whatsapp sein wollen, wird massiv in Know-How und Servertechnik investiert werden müssen - und das kostet Geld. Geld, das derzeit nicht mit offensichtlicher Werbung oder Gebühren eingenommen wird. Woher kommt dieses Geld? Es ist – um es ganz deutlich zu sagen – nicht verwerflich, ein kleines Unternehmen aufzubauen, zu investieren um es dann gewinnbringend an andere Unternehmen zu verkaufen. So haben es Skype, Instagram und Whatsapp vorgemacht. Warum sollten es andere Anbieter nicht auch machen, wenn es möglich ist? Die Gebühr von Threema in Höhe von 1,60 EUR beim Android ist im Vergleich zu den 42 $, die Facebook pro Whatsapp-Account gezahlt hat ein Witz.

Gemeinnützigkeit statt Gewinnorientierung?

Wikipedia zeigt seit Jahren, dass es gemeinnützige Internetangebote geben kann. Jeder kann als Mitglied bei Wikimedia Deutschland e.V. einsteigen, an Mitgliederversammlungen teilnehmen, Einfluss nehmen und natürlich durch Spenden das Projekt am Leben erhalten. Der Telegram Gründer Pavel Durov wird im Nachrichtenportal Bloomberg zitiert mit „We need more projects like Wikipedia“ und beschreibt die Beweggründe von Telegram, die Menschen mit einem Werkzeug zur Vernetzung versorgen, bei dem es nicht um deren private Daten geht. Dennoch steckt hinter dem Projekt keine gemeinnützige Organisation.

Es ist kein Indiz von Medienkompetenz, wenn Nutzer sagen: „Facebook hatte meine ganzen Daten. Dann bin ich zu Whatsapp gegangen, jetzt bekommt Facebook meine Daten nochmal. Jetzt gehe ich zu xyz und gebe denen meine Daten.“ So oder so ähnlich scheint aber die Mentalität vieler Nutzer zu sein. Die Geschäftsmodelle des Internets müssen endlich nachvollziehbar werden. Wenn es die Nutzer wirklich stört, dass mit diversen persönlichen Daten Geld verdient wird, wäre es an der Zeit alternative Modelle zu finden. Vielleicht wären dann auch mehr Nutzer bereit, Geld zu zahlen - bspw. in Form von Spenden für einen Messenger auf Basis eines gemeinnützigen Vereins. Vielleicht müssten Facebook & Co die Strukturen ihrer Dienste öffnen und ermöglichen, dass von einem externen Messenger, der bspw. einem Verein gehört, in das Netzwerk von Facebook hinein gechattet werden kann – ohne, dass datenhungrige Apps der Internetgiganten genutzt werden müssen. Vielleicht kommt irgendwann mal jemand auf die Idee, ein öffentlich rechtliches soziales Netzwerk einzuführen, dass sich durch GEZ Gebühren (oder korrekt: den Rundfunkbeitrag) finanziert. Vielleicht sollte sich mal jemand trauen, und alle deutschen Smartphonenutzer fragen, ob sie unbedingt ein werbefreies „Wetten, dass …“ oder einen entsprechend finanzierten Messenger haben wollen …

Dieser Beitrag wurde am 28.02.2014 verfasst.



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